KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 21 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 1028 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1028 Dadurch, daß die Franzosen uns mit Handgranaten bearbeiteten, holte ich mir eine Heine SchwefölgaSvergistung, die jedoch nach kwyem Atmen mit .der Gasmaske Einigermaßen behoben wurde. Beim Verlassen des Änterstandes ergriff mich und einen Krankenträger ein französischer Korporal und führte uns zu einem > französischen Verwundeten, den wir verbinden und zum französischen Sanitätsunterstand bringen mußten. Auf dem Wege dorthin bekamen wir die französische Ritter, lichkeit -bereis zu spüren. Alles, was wir bei uns hatten, wurde uns weggenommen, mindestens zehn Mal packten uns ' die Soldaten und räumten uns die Taschen aus Bei den französischen Äerzten glücklich mit dem Verwundetenangelaugt, hieß man uns, den Ünterstand wegen Ueberfiillung mit Verwundeten zu verlassen. Wir mußten uns nun in einem kleinen Walde hinlegen und waren dort ganz dem Schicksal preisgegeben. Die deutsche Artillene schoß mächtig hinein, und die Splitter siogen nur so um uns herum, ohne daß wir uns schützen konnten. Dort lagen wir nun den ganzen Tag über bis zum Abend, wo bas Feuer nachließ und der Abtransport der französischen Verwundeten begann. Die Deutschen, die dort waren, mutzten nun auch tüchtig mithelfen. Ich entging den französischen Sanitätern und schloß mich, als es dunkel geworden war, einer Gruppe französischer Leichtperwunder an. Da ich ebenso wie sie.einen Stahlhelm trug, lief ich etwa zwei Stunden lang mit ihnen durch die Laufgräben, ohne unterwegs von den voxbeiziehenden Soldaten erkannt oder angesprochen zu werden. Erst am Ende der Stellung stand ein Oanzöstfcher Posten und kam mit den Leuten ins Gespräch, so auch mit mir. Da ich ihn nicht recht verstehen konnte, gcw ich ihm auf französisch zur Antwort, daß ich verwundet wäre und Befehl hätte, mit den anderen Leuten ins Lazarett zu fahren. Das wollte er mir natürlich nicht glauben, sondern sagte, ich sollte nach vorn gehen und französische Verwundete holen. Als ich ihm noch einmal dasselbe sagte, fand er sich bereit, mich zum Kommandanten zu führen und ging mit mir aus dem Graben auf einen freien Platz, auf dem links und rechts je eine Feldküche standen. Er pfiff und rief nach jemand und ging mittlerweile mit mir links an die Feldküche heran und mischte sich unter die Leute, die das Essen - holen wollten. Diesen Augenblick benutzte? ich, um ihm zu entwischen und lief nach rechts zu. der anderen Feldküche. Hier sprach ich mit den Köchen, ob sie bereit wären, mich mitzunehmen, da ich hier planlos umherirre und nicht wisse, wo ich hin solle. Sie versprachen mir dies, mußten aber erst warten, bis die Leute das Essen geholt hatten. Diese kamen auch bald und staunten mich mehr oder weniger an, jedenfalls waren sie ganz freundlich und wünschten mir viel Glück. Nun fuhr ich etwa drei Stunden bei einem furchtbaren Regenwetter auf der Feldküche mit, begegnete unterwegs viel französischem Militär, Kolonnen und Autos, bis wir in das Dorf kamen, wo die Leute ihr Quartier hatten. Sie brachten mich in einem Zimmer unter, wo auch ein geborener Elsässer lag, der deutsch sprach und mächtig auf sein ehemaliges Vaterland schimpfte. Hier blieb ich bis zum anderen Morgen, dann brachten mich zwei Franzosen zu einer Gefangenensammelsteüe, die noch zwei Stunden entfernt lag. Bon hier aus wanderten wir in einem längeren Marsch unter französischer Kavallerie zu einem größeren Sammellager, wo nun erst unser Leiden begann. Ohne Mantel und ohne Kopfbedeckung, die uns noch weggetrommen wurde, mutzten wir unter freiem Himmel aus nasser Erde, fünf auch sieben Tage zubringen. Darüber ein anderes Mal. Mit kartellbrdl. Gruß Paul Treitel sSprev.) * * . . ‘ X.C.-3«sammenLünfte in vouai am 18.1. und 16. II. 1918. Wie mögt Ihr daheim Euch unsere „K. C- Tage" in Douai vorstellen? — Wir fitzen bequem und gemütlich zusammen und plaudern und find froh und glücklich, einander zu haben, frei vom Ztriege, wenn auch leider immer nur auf kurze Stunden.. Jy dem von der Heeresverwaltung geleiteten Gafthof „Deutsches Haus", dem ehemals besten Hotel der Stadt, ist eM Räum für uns reserviert. Die beidest wyhl yerträuten Buchstaben „K. C/< draußen an der weisen; den Weg. . Nebenan liest man „K.S.C." zur Rechten, „R.S.C" zur Linken und andere studentische Zeichen. Man glaubt, in, ein Gasthaus einer echten deutschen Musenstadt eiyzutreten. — Der K.E.-Tag in Douai ist'- seinem Namen schuldig, nicht erst abends zu beginnen. Um 3 Uhr nachmittags steht das inDouai bodenständige K.C.- Komitee, vertreten durch Kartellbruder Stamm sBiadrinae-Darmstadt) zum Empfang der Gäste bereit. Aus allen Himmelsrichtungen der kriegerischen Bannmeile eilen sie herbei, die Herren Offiziere und Sanitätsoffiziere in aller Regel im Gefährt, wenn nicht die Elektrische oder das Eifenbahnzügl mit standesgemäßer zweiter Klasse bessere Verbindung bieten. Unteroffiziere und Mannschaften, die auf diesen K.C-Tagen die Minderheit bilden, wandern, wenn'S fein muß, auch lange Kilometer per pedes apostolorum. DaS seltene Glück zu erleben, mitten aus dem Kriege heraus eine K. C.-Sache mitmachen zu können, verlohnt die Mühe eines unbequemen Anmarsches. Zu der Herzenfreude, alte liebe Kameraden froher Studententage oft nach langen Jahren hier draußen wiederzusehen und bislang unbekannte Bundes- und Kartellbrüder kennen zu lernen, kommt hinzu, daß, unsere bodenständigen Kartellbrüder für das leibliche Wohl der Gäste besonders gut zu sorgen verstehen. Carl Kaussmann (Badeniae-Heidelberg) ist Dezernent einer der Heeresverwaltungsbehörden, die das Deutsche Haus regiert, und Leoy-Polzin jBadeniae- Heidelberg) ist Herrscher über den Douaiser Schlachthof. — Nach gutem Nachmittagskaffee folgt ein Dämmerschoppen, der von einzelnen Frischeluftschwärmern durch einen Bummel in den Straßen Douais unterbrochen wird, bei dem die verschiedensten Herrlichkeiten eingekaust werden. Das gemeinsame Abendessen wird an mit weißem Linnen gedeckten Tisch serviert, und für den Rest des Abends bis zur Mitternacht ist wiederum für lukullische Genüsse * reichlich gesorgt. Der Abend vom 16. Januar, an dem wir Gelegenheit hatten, Polzins edle Weine und köstliche, kalte Platten noch in mitternächtlicher Stunde zu kosten,