Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1918-04-01 · Heft 21 (April 1918) · p. Seite 1027

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 21 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 1027 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2268830-2268910-2268912--2112-3523681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

enaue Kartenbezeichnung, anderenHand man an der etreffenden 'Stelle ein kleines Holztäfelchen mit einer bestimmten vierstelligen Zahl als Standplatz für die Munition und die Batterie suchen sollte. Holztäfelchen mit, Nummern fand man zwar eine Masse, nur das, was gerade zu suchen war, war in der Regel schwer zu finden; es kam ja vor, daß Kolonnen in der Nacht vorher das Täfelchen umgefahren hatten, welches dann durch in der Nähe befindliche bereits in Stellung gegangene Battr. als Brennholz Verwendung gefunden hatte. Seinen „Kram" aber lediglich an die in der Karte bezeichnete Stelle hinzulegen und gegen'Fliegersicht fein säuberlich abzudecken, hätte zu einer Verlegung der Munition bis zu 100 Meter führen können, was zu Weiterungen Anlatz gegeben hätte. Trotzdem „klappte es". Hat man nun den betreffenden Platz gefunden, so blieb > man gleich „draußen" und traf die Kolonne am verabredeten Ort, um das Kanonenfutter an die richtige Stelle zu führen. 7 Täglich ging es auf diese Weise zu andern Batterien bez. „Holztäfelchen". ES war auf die Dauer etwas anstrengend, obmohl wir zu zweit abwechselten. Die Munition wurde weit vorgebracht bis zu 1000-Meter hinter unsere vorderste Linie und vor die zweite Stellung. Glücklicherweise waren unsere Verluste hierbei sehr gering. Das englische Streufeuer hielt sich in mäßigen Grenzen. Das änderte sich allerdings die letzten Tage vor dem Angriff. Das Streufeuer der Engländer wurde lebhaft, oa der Feind bei der maffenhasten Anhäufung unserer Munitionsstapeln naturgemäß Treffer erzielte und durch etliche Munitionsexplofionen etwas Lunte gerochen zu haben schien. Die Unruhe wuchs von Tag zu Tag! Waren wir doch im Brennpunkt der bevorstehenden Kämpfe. Die überflüssigen Sachen wurden auf Befehl eingepackt und unter Bewachung zurückgesandt, eiserne Portionen und Rationen gefaßtes mußte also bald loSgehen, aber wann? Die Belegung in Unterkünften und Biwak wurde enger und enger; immer mehr Artillerie und Infanterie kam, dazwischen unsere schwere Artillerie und Kolonnen aller Art. Die französischen Einwohner standen vor den Türen und staunten über die große Zahl der k. v. Deutschen. Tag und Nacht dröhnte eS von Automobilen und Kraftfahrern. „Bald mußte es losgehen"! — In der Nacht vom 2V. bis 21. März wurden wir auf grundlosen Wegen zu einer Ferme vorgezogen, um dort die weiteren Ereignisse abzuwarten. Kolonne an Kolonne.lag hier im Biwak. Am Morgen des 21, März fanden wir in der halb zerfallenen Ferme noch ein Zimmer, in dem man sich vom Schlamm ein wenig trocknen konnte und wo die Offiziere der Kolonnen, die Aerzte der Feldlazarette usw. der kommenden Dinge warteten. Es blieb sehr nebelig. Auch hörte man bei dem dunsthgen Wetter nicht sehr viel von unserer Kanonade. Das Gefühl aber beherrschte alle: „Es muß gehen!" — Am Nachmittag endlich erhalten wir Befehl, Munition zum vorgeschobenen Munitionsdepot (zwischen der deutschen und englischen Stellung) zu bringen. Die Armee des Generals v. d. Marwitz hatte den Feind geschlagen. Und jetzt ging es neun Tage ununterbrochen vorwärts! Massenhaft lagen englische Waffen und sortgeworfene Bekleidungsstücke umher) haufenweise in den Gräben die gefallenen Engländer. Englische Munition gab es in Hülle und Fülle, bei C. standen die Geschütze eines ganzen engl.Arll-Regt. mit den Munitiönswagen, deren Kästen teilweise noch gefüllt und die durch den deutschen Ansturm überrasche worden waren. In großen« Trupps; marschierten allenthalben gefangene Engländer unter Bewachung zurück; einzelne schienen den Weg nach unserer Etappe auch ohne militärische Begleitung zu finden. In den Unterständen, auch weiter, rückwärts, und in den englischen Unterkünften der verschiedenen Depots hatte der Feind auf seiner Flucht alles stehen und liegen gelaffen. Darin fanden wir auf dem Vormarsch für. die Nacht verhältnismäßig anständige Unterkunft. Auch, der Marsch durch das alte Somme-Gebiet bot Dank der guten englischen Straßen keinerlei Schwierigkeit. Jetzt kam aber ein Halt in unserer Marschbewegung und mithin für uns der Pendelverkehr mit Munition, Hinzu trat anhaltend schlechtes Wetter, das Felder, Straßen, Menschen und Pferde in Schlamm und Dreck verwandelte. Ostern verbrachten wir in Baracken und hoffen nunmehr wieder auf einen baldigen Vormarsch durch blühendere Gefilde, als fie das alte Somme-Gebiet bor. Mit herzlichen Grüßen Ihr sehr ergebener Arthur Lewkowicz (Saxo-Bav.) 6. 3. 18. Sehr verehrter Herr Bundesbruder! Seit 31.1.18 bin ich zum sächs. Jagerbatt. . . . versetzt, ein aktives Bataillonsehr gutes Regiment. Nunich war nicht sehr traurig darüber. Ich fuhr also wohlgemut nach längerer alkoholischer Abschiedssitzung von Köwel nach Lemberg, von .da weiter nach dem Süden Galiziens, nach Trombosda am Sereth, wundervoll idyllisch gelegen. Dort erfuhr ich bei der Division das Weitere. Wir zogen 14 Tage in Galizien umher, im Sereth- und Strypaaebiet, wurden am 14.2. verladen in Zlozow und wurden am 2. 3. abends bereits auf französischem Boden in Sedan verpflegt. Die Fahrt durch unser herrliches Deutschland war einzig schön. Bei lachendstem Sonnenschein setzte ich mich auf den Bock meines Sanitätswagens und fuhr so das ganze Lahn- und Moseltal herunter, Marburg, Gießen, Limburg, Naffau, Ems, CoVlenz (über den Rhein) bis Cochem und weiter durch das schöne Lothringen. So gings nochmal so gern nach Frankreich, da man sah, was es zu verteidigen gelten würde. Jetzt liege ich nun in ttefem Minenstollen südlich La . . . . die schöne Sonne sehen wir nur nach längerer Klettertour über 16 Stufen hinaus; doch auch hier unten Hausen wir (unser Gasschutzoffizier und ich) ganz gut, nur fehlt es an anständiger Beleuchtung. Ein Regenschirm wäre auch gut zu verwenden, denn überall tropft es von der Decke. Der Franzmann und wir machen ziemlich viel Spektakel, doch vornehm abgeschwächt klingt es an unsere Ohren. ' Hoffentlich geht es Ihnen und Ihrer verehrten Familie recht gut. Was macht die Saxo-Bavaria? Hoffentlich blüht und gedeiht sie weiter. Wann gibt es 'endlich definitiven Frieden? Ich bitte Sie, Nur Nachricht zu geben, ob und welche Kartellbrüder sich in L . . . aufhalten. Ergebenste Grüße Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin. Ihr Adalbert Stein (Saxobav.) Aus einem Briefe des Kartellbruders Paul Treitel, (Sprev.s der lange in französischer Gefangenschaft war. Während der vier Monate nach meiner Rückkehr aus der französischen Gefangenschaft habe ich mich so gut erholt, daß ich wieder an die Front gehen konnte. Vorläufig bin ich in einem Feldrekrutendepot tätig. Da ich hier Zeit genug habe, so will ich für die K. C.- Blätter einige Erlebnisse aus der ersten Zeit meiner Gefangenschaft mitteilen. Am 16. 4.1017, dem Tage des Beginns der Aisneschlgcht, kam ich, nachdem ich die vielen Verwundeten der Kompagnie verbunden und im i Unterstand untergebracht hatte, in französische Hände.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.