KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 21 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 1026 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2268830-2268910-2268912--2111-3523680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1086 3# requirieren gab eS «och vieldie Engländer haben Wtt gesorgt. Wr schlafeir in großen englischen Zelten, englische Lederjacke schützt vor nächtlicher Mhle, und englischeMäntelvor Regen. Wir sind der festen Meinung, daß es nicht lange zum Stellungskrieg kommen rvird,es muh nächstens ein groher Schlag erfolgen. ES war klar, sobald wir Franzosen gegenüber haben werden, daß die nicht so Klausen würden,wie wir es bei Tommu in den ersten drei Lägen gesehen haben. ES war wirklich eine Freude, drauf loS zu märschieren und den Brühern stets auf den Hacken zu bleiben. In einer größeren Stadt, die wir auf hem vorjährigen Rückzuge passiert haben und die die Franzosen allerdings jetzt aus Zerstörungswut langsam zerschießen, haben wir neulich gut gefrühstückt. Hümmestl in großen Mengen, Kaninchen, Eorned-beef, Felgen, Weißbrot, dazu Bordeaux und Burgunder, Musik auf Grammophon: Graals Wzählungauffranzösisch/wobei ich bemerkte, daß die draußen hörbare Musik doch wesentlich störender empfunden ward, als die am Grammophon, übrigens das einzige Anstrumütt, das ich in höchster Vollendung spiele. Jetzoch in sollher GemütlWkeit konnte unS nichts stören und „alle Ziele wurden erreicht". Leider ist die Cathedrale bereits abgebrannt. Wenn man gerecht sein will, mutz man den Opfermut der Franzosen bewundern, die liÄer ihre .eigenen Städte zerstören, als uns dicht hinter den Gräben ln Ruhe lasten wollen. Die bittere Notwendigkeit des Krieges! Die paar gebliebenen Einwohner wären natürlich froh, wenn wir in Paris wären, daMit 'fie die Sache los find. Die Bilder, die man in den Straßen von N. sieht, find oft schaurig, am Eingang tote Pferde, schrecklich zerMen, daneben die toten Fahrer-in der Stadt Zeichen des RahkampfeS, tote Deutsche und Franzosen, dann Soldaten, die beim Requirieren gefallen sind, oft noch mit Flaschen in der Hand. Namentlich die Gegend des französischen Proviantamtes hält der Feind unter Feuer, dort lagerten enorme Vorräte, die unS sehr gut zu Gesichte standen. Alles Gute und laß mal bald wieder etwas hören. Empfiehl mich bitte Deiner Gattin. Viele herzliche Grüße Dein Fuchs (Thur.) Geschrieben, den 12.4. 1918. Lieber A. H. Goldmannl Lange Zeit fand ich keine Gelegenheit mehr, an Dich zu schreiben. Der Gründe waren verschieden. Einmü mangelte es im Bewegungskriege an Zeit zum Schreiben und dann war die Gelegenheit, die Post fortzuschaffendenkbar ungünstig. Vom 21. 3 bis 6.4. einschlietzl. war unsere Batterie vorn am Feind. Der eigentliche Bewegungskrieg dauerte allerdings nur bis zum 30.3. In den nächsten Tagen haste die Batterie nur die Aufgabe, ihre Stellung zu behaupten. Schon lange vorher zeigten sich die Anzeichen zur Offensive, denn die Orte hinter den deutschen Stellungen waren dicht anaefüllt mit Soldaten. Biele fanden in den Dörfern keinen Platz mehr. ES blieb ihnen daher nur das Biwakieren unter freiem Himmel übrig. Am 21. früh 4 Uhr begann dann das gewaltige Trommelfeuer, das bis 12 Uhr mittags anhielt. Ich befand mich zur Zeit der Arttllerievorbereitungen in einer etwas weiter nach hinten liegenden Ortschaft. Dichter Nebel lag über der Landschaft, der ständig auf Sekunden durch den Feuerschein der Geschütze erleuchtet ward. Sobald die englischen Stellungen durchbrochen waren, ging es»dann immer hinter dem Feind her. Wir kamen so durch die erste, zweite und dritte englische Stellung. Hier konnten wir uns von der Wirkung•; der deutschen Artillerievorbereitung Überzeugen. Bon der ersten Stellung war wenig übrig: geblieben, die dahinter liegenden Stellungen schienen mehr beschoffenworden zu fein, denn in ihnen befanden sich vieleTote, die noch mit der; Gasmaske versehen dalagen, ohne jedoch äußerlich Verletzungen autzurveisen. Am dritten Tage der Offensive lag unsere Batterie etwa 300 m von einer Munitionsfabrik Der Engländer versuchte nun mit allen möglichen Mittelndiese Fabrik zu zerstören. Abends — es war schon Dämmerung^— gelang eS ihm. Die Munition flammte auf. Nun müssen jedoch in der Fabrik große Vorräte einer leicht brennbaren Flüssigkeit, etwa wie Benzin- Benzol oder Terpentin, sich befunden haben, denn ohne jegliche Explosion schossen plötzlich haushohe Stichflammen gen Himmeldie etwa 15 bis 20 Minuten lang brannten und die bereits angebrochene Nacht lagehell erleuchteten.. ES war ein schaurig-schöner Anblick. Sobald jedoch die Flamme erlosch, schflß der Engländer wieder hinein und sofort wiederholte sich dasselbe Schauspiel. Es ist leicht emzusehey, daß während des Bewegungskrieges es ganz besonders schwierig ist, zur Truppe die nötige Verpflegung heranzuschaffen. Hier mußten wir uns selbst helfen und die Umstände begünstigten uns. In den französischen Gräben, die wir duttheilten, fanden wir große Vorräte an Lebensmitteln. Große Säcke mit Reis und Bohnen wurden herangeschafft, Kartoffeln auf die Protze geladen und mitgenommen, was das Zeug hielt. In einem französischen Proviantamt erbeuteten wir zentnerweise Zucker- Nudeln und Makkaroni, sowie amerikanische Keks und Fleischbüchsen. Alles wurde an die Feldküche , abgegeben, und das, was man sofort, essen konnte,^ wurde behalten. Kohldampf/ wie eS in der Soldatensprache heißt, brauchten wir nun Nicht, mehr zu schieben, denn die Feldküchen — auch Kohldampfabwehrkanone genannt — standen ständig unter Dampf, und auch an Fleisch und Fett mangelte es keineswegs. s Man kann sich lebhaft vorstellen, daß alles begierig nach. Zeitungen war, denn jeder wollte doch von den Fortschritten der Offensive auch an den anderen Frontteilen Kenntnis haben. Am 5. Offensivelag gelang eS mir, eine französische Zeitung vom 24 3. — eS war die bekannte Zeitung;,Le Matin" — zu finden Aus dieser erfuhren wir erst, wo die Offensive vor sich ging, und daß die englischen Stellungen vollkommen durch-! brachen waren. Eine Woche später bestätigte dann die deutsche Zeitung die Erfolge der Offensive. Am 7. 4. -früh sollte unsere Batterie endlich in Ruhe kommen. Am ' 6.4 abends meldete ich mich krank, denn lch litt seit einigen Tagen an heftigem Darmkatarrh verbunden mit Fieber und Erbrechen. Der Arzt hält meine Ueberführung in ein Lazarett für notwendig. Z. Zt. befinde ich mich im Reserve-Feldlazarett 115. Bon meiner Adressenänderung bitte ich Dich, lieber A. H., Kenntnis zu nehmen. Herrn Kartellbruder Or. Mainzer habe ich sie bereits mitgeteitt. Für heute grüßt Dich herzlich Dein tr. Bbr. __■ H.Krutz (Thur.) 12.4.1918. Werter Herr Bundesbruder! Für Ihre frdl. Karte herzlichen Dank. Unsere Arbeit bis jetzt will ich kuitz darlegen. Anfang März marschierte unsere Munitionskolonne in ein Dörfchen in Nähe der Front, um „eingesetzt^ zu werden. Acht Tage etwa ließ man uns hier noch in Ruhe, um unsere Bestände an Pferden und Geschirren auszumustern, dann setzte der schwerste und anstrengendste Teil der bisherigen Arbeit für uns ein: Die Vorarbeit zur „Offensive". Täglich ging es am hellen Tage vor, um die Stellen zu erkunden, wohin die Kolonne in der Nacht ihre Munition hinzubringen hatte. Das war nun nicht so einfach: Die Batterien, für welche die Munitton bestimmt war, waren nämlich noch gar nicht da; auch sonst niemand, der einen hätte dahinweisen können. .Der, MunitionSstah beim Artb-Kdr. gab lediglich die