KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 21 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 1024 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Amman 1× ep/1044017
- Beirut 1× ep/1047833
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1024 Nachstehend veröffentlichen wir zwei sehr interessante Schilderungen au» dem heiligen Lande, die von unserem Kartellbruder Di*. N. Wöls (Frih..Vhib.) herrühren. Feldpostbrief vom Jordan. 11. Januar 1918. Am Jordanufer, beim Toten Meere, mittags 1 Uhr. Meine Lieben, die Sonne brennt schon so warm, Latz ich eS vorziehe, unter das Zelt zu gehen in den Schatten. E» ist hier wie bei Luch daheim Ende Mai oder Anfang-Juni. Hier, unweit von Jericho und im Angesicht de- Oelberge-, liegt ein Zug unserer Abteilung, der wieder einmal den Arzt haben wollte. Darum bin ich hier heruntergekommen, mitten aus dem Winter heraus in das Gommerland, wo die schönsten Nazissen blühen, wo wilde Papageien mit schönstem grünem blauen Gefieder und roten Köpfchen von Plantane zu Plantane stiegen, wo Schmetterlinge, so groß wie Schwalben, fich auf Blumenkohlköpfen gütlich tun, wo die großen Fische deS Jordan», die man mit wenig Pulver in Ermangelung einer Angel auch — fischen kann, vor Lust an der Sonne in die Lust schnalzen, hier unweit des Feindes, der uns gestern mit einem Geschwader von 19 Aeroplanen überraschte und von dessen Bomben neulich mein Sanitäter verletzt wurde, die aber die türkischen Abwehrbatterien, die recht gut schossen, wieder vertrieben) hier an der südlichsten Ecke unserer Front, wohin Eure Briefe mehrere Wochen brauchen, bleibe ich, solange eS nur möglich ist, denn in NabluS, woher ich kam, frieren sie noch alle und vor drei Tagen noch marschierte ich unter den ärgsten Schneewehen und Hagelschauern über da» hohe Gebirge. Mein Marsch, der zehn Tage lang dauerte, bei einer Lustlinienentfernung von nur 70 km, also nur zwei Tagesmärschen, war voll der seltsamsten Ereignisse. Uebernachten mit verlausten Beduinen am offenen Feuer, wenn eS gut ging in Zelten, wenn e» schlecht ging, überhaupt nicht und mitten im wüsten Gebirge, wo m«m stets dem Ueberfall und Raub der schwarzen Araber und Beduinen auSgesetzt war. Nur einmal habe ich sehr ordentlich gewohnt und zwar in 1509 m Höhe in einem vollkommen emgeschnriten Dorf der Tscherkessen, die ähnlich wie die Russen, mit denen sie auch stammverwandt sind, weitzgetünchte Häuser und Stuben haben, bei denen die Männer lange doppelte Sttefel tragen, weiße lange Leinenröcke und darüber Juppen mit Silberknöpfen und unheimlich große schwarze Pelzmützen, während die Buben weiße Pelzmützen tragen, die Mädchen fast europäisch angezogen und nicht verhüllt find. Sie verstanden weder türkisch noch arabisch, noch auch russisch, da sie das Cirkassische sprechen wie im Kaukasus, aus dem sie eingewandert sind. Einmal kam ich über eine Stadt — Amman — die ein wundervoll erhaltenes römisches Amphitheater von 6000 Sitzplätzen hat und in biblischen Zeiten die Hauptstadt der Ammoniter war, wo sich auch Abraham und später David aufgehalten har. Hinter diesem Dorf wurden wir — ich und mein Bursche — von bösen Wettern überrascht, so baß wir in der Stunde kaum 1 km vorwärts kamen und alles liegen lassen mußten. In der Nacht erst erreichten wir ES Salt, das berühmt ist durch feine Rosinen — es produziert ungefähr jährlich 10000 Zentner Rosinen — und seinen Wein) alle Hänge sind voll von baumdicken Reben, die nicht aufrecht stehen, sondern an der Erde liegen. Die Stadt, die in der Nacht wie eine unendlich große Ritterburg auSsteht, die sich an zwei Bergen hineingemauert hat, liegt, obwohl man ttef herab zu ihr, wie in einen Kessel hinein, steigen mutz, doch 1100 m hoch. Da wir hier 300 m unter dem Meeresspiegel sind, so beträgt der Höhenunterschied 1400 m, ähnlich wie! der vom höchsten Punkt des Libanon zu Beirut, nur daß eS hier noch viel wärmer ist. Wir haben in der Sonne 37 Grad Wärme gemessen) das empfinden wir hier als FrühlingStemperatur sehr angenehm, während. Ihr da. heim schon recht schwitzen würbet. Dagegen geht die Temperatur in der Nacht herunter bis auf -j- 8 Grad, sodaß wir unS fest zudecken müssen, um nicht zu frieren/ Ich schlafe in einem Zelte, daS man kaum findet, so verdeckt liegt e» inmitten mannshoher Büsche, die jetzt zu blühen anfangen) eS ist die reinste Prärie, fast un. durchdringlich, belebt durch viele wilde Tiere, inSbe. sondere Schakale und Hyänen, aber auch Wildsauen, Wildenten und allerlei Vögel. Jeden Nachmittag, wenn die Sonne sich zum Toten Meer hinabneigt, gehen Leutnant Singer und ich zur Jagd durch das Dickicht hindurch und streifen die verborgenen Furten de» Jordan ab) eine Wildente und ein paar Fischedie noch besser schmeckten — eS war eine Art Barbe — als die aus dem See Genezareth, die wir vor 10 Tagen un» unterwegs gebraten hauen, waren bisher unsere Beute. Das Land hier bringt nur Oel, Oliven und Sesamöl sowie Rosinen und Ekmek hervor, alles andere erbeuten wir uns nach Robinsonart, so neulich einen Büffel, der unS für fünf Tage Fleisch gibt. Weit und breit sind keine Ansiedelungen, auf all' den tausend Bergen, die die Ebene deS Jordan einhüllen, sind nicht einmal ein paar elende Fellachenhütten. DaS nächste Dorf ist Jericho, das man mit dem Esel in zwei Stunden erreicht, e» liegt jenseits deS Jordan, über den bizarren Lößfelsen) morgen will ich hinüberreiten, um mich dem dortigen Pascha und Korpskommandeur vorzustellen und ihm meine Dienste anbieten. Meine Tätigkeit wird sich aber beschränken auf die Errichtung einer chirurgischen Station hinter der Front, die, wie ich hoffe, ein großer Segen sein wird für alle. Daß die Israeliten damals trockenen Fußes über den Jordan kamen, daß sie singen konnten: O Jordan, warum weichst du zurück? begreife ich jetzt, denn in den zwei Tagen, wo ich hier bin, drohte die Brücke wegzuschwimmen) das Pegel des Wassers stand am Morgen auf 20 cm, am Abend schon auf 3 m und ist in zwei Nächten wieder auf 20 cm gefallen, so daß man also tatsächlich an manchen Stellen trockenen Fußes hinüberkam. Diese Hügel längst des westlichen Jordanufers, die ich vor mir sehe, schauen aus wie eine Herde junger Schafe. Samstagabend, 12. Januar zu schreiben, scheue ich mich fast, denn daS Gewitter, das vom Toten Meere heraufzieht über die Berge deS Ostjordanlandes, bat ganz sommerlichen Charakter. Oh könnte ich Euch doch diese Stimmung und diese Farbenpracht der Landschaft schlldern. Zwei Regenbogen hängen wie breite Fahnen vom Himmel herab, grün und rot, hinter ultramarinen schweren dicken Wolken sind mattgoldcne Engelein verborgen, die letzten Berge wie von Scheinwerfern beleuchtet, hellgelb und kontrastierend mit den dunkelgrünen Hängen vor ihnen,.gegen die sich die vordersten hügelarttgen Sandsteinberge in marmorweiß abheben. Drüben gegen Bethlehem wandert die Sonne hinab. Ein leises Frösteln geht über uns hinweg, das ln den Wipfeln der asiatischen Eichen zu eurem mäßigen Sturm anschwillt. Wir empfinden diesen Umschwung im Wetter als eine Abkühlung und lesen am Thermometer nur noch + 19 Grad. Freilich sitzen wir noch draußen vor dem Zelte, schauen, in unsere Pelzjackerr gehüllt, dem Braten der Wildenten am offenen teuer zu, daS sich knisternd in den Büschen fängt. angfam und feierlich senkt sich die Nacht herab. ES fällt mir schwer, mich zu Euch heim zu denken, die Ihr vielleicht frierend um den Kachelofen herumsitzt oder I dem Schneegestöber zuseht, oder neugierig auf die