KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 1014 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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1014 enffchuldigen sucht, daß eS «oft viel wirksamer sei, einem anttsemitischen Lümmel mit dem Degen entgegenzutreten." Damit wM auch er anscheinend den Zweikampf unter Mischen Studenten aus -er Welt schaffen. Auch das märe immerhin ein Fortschritt. Ich vermag mir immerhin nicht zu denken, daß ein „antisemitischer Lümmel" dadurch von seiner judenfeindlichen Gesinnung geheilt wird, daß er von einem Juden, den er angerempelt hat, die Wange aufgeschlitzt oder die Schädeldecke verhauen erhätt, — sofern er nicht etwa dieses Schicksal selbst dem Beleidigten bereitet. Mir ist ein aus solche Weise bekehrter Sünder noch nie begegnet. Für die bloße Tatsache aber, daß auch ein Jude seine Haut zu Markte zu trägen verficht, brauchen wir nach diesem Kriege keinen Beweis mehr zu erbringen. Den Böswilligen und Beschränkten — und was anderes ist der Antisemit? — werden wir durch das im Vergleich zu den Leistungen unserer Krieger lächerliche Mittel des Duells keines Besseren belchren. Der Zweikampf ist aber nicht'minder wie die Unmäßigkeit im Alkoholgenuß etwas absolut UnjüdischeS. In gleicher Weise wie gegen Religion verstößt er gegen Gesetz, Vernunft und Moral. Eines solchen Mittels darf sich deshalb ein Jude nicht zur Verteidigung seiner Religion und ihre» Anschens bedienen. Viele jüdischen Akademiker, die im Felde dem Tode furchtlos ins Auge sahen, und denen niemand den Borwurf der Feigheit zu machen wagen wird, bleiben aus diesem Grunde den jüdischen Verbindungen fern. Auch sie haben ein warmeS Herz für ihren Glauben, wenn sie auch keiner tendenziöS- Mtfchen Verbindung angehört haben. Wir sollten un» überhaupt vor einer Ueberschätzung deS Verbindungswesens hüten. Es scheint zuweilen, als verfielen wir hierbei in den gleichen Fehler, den man unserer Verwaltung mit ihrer einseitigen Bevorzugung der Angehörigen gewiffer Korps vorwirft. Noch immer bildet sich ein Charakter im Strom der Welt, nicht zwischen den vier Wänden eines KneipzimmerS. Weder Saufen noch Raufen kann dabei veredelnd wirken. Deshalb fort mit dem einen wie mit dem andern! Rechtsanwalt Foerder-BreSlau, zurzeit Kriegsgerichtsrat in Stettin. Was Herr Rechtsanwalt Foerder über den K. C. denkt, kann uns gewiß ganz gleichgiltig sein, und wenn sein Angriff sich in der „Wahrheit" gefunden hätte, würden wir fraglos eine Erwiderung für unnötig gehalten haben. Wie aber ein größeres Blatt, das die Interessen des Judentums vertreten will, die ungeheuren Verdienste des K. C., die er fraglos vor allem auch durch sein festes und energisches Auftreten mit der Waffe errungen hat, dergestalt verkennen, wie es eine solche Kritik der Verbreitung für wert erachten kann, wäre völlig unbegreiflich, wenn man eben nicht bedächte, daß das Familienblatt augenblicklich auf dem Kriegspfade gegen den K. C. begriffen ist und darum selbst einem so verständnislosen und unsachlichen Angriff Aufnahme gewährt. . Sächlich hat der deiHeitige Vorsitzende des „Geschäftsfiihrenden Ausschusses mit folgenden Zeilen geantwortet, die würdig und energisch Unseren'Standpunkt vertreten: Nochmals der Raufzwang und die jüdischen Studentenverbindungen. Nachdem jüngst sich Herr l)r. Haymann- Amberg gegen den „Saufzwang" in den jüdischen Studentenverbindungen gewandt hat, hat Herr Rechtsanwalt l)r Förder-BreSlau, z. Zt. Kriegsgerichtsrät in Stettin, die Zeit für gekommen erachtet, gegen den Rautzwang in ihnen vom Leder zu ziehen. Der Schluß seines Artikels freilich läßt den Pferdefuß deutlich erkennen : ihm sind offenbar die jüdischen Verbindungen überhaupt ein Dorn tm Auge. Daß übermäßiger Alkoholgenuß in jedem Betracht unvernünftig ist, wird niemand bestreiten. Zu bestreiten ist nur, daß der Saufzwäng heute und seit vielen Jahren in den jüdischen studentischen Korporationen auch nur im entferntesten eine prakttsche Bedeutung hätte. Ich überblicke die Generationen des K.E. von 86 Semestern und kenne keinen K.C.er, der durch den in deutschen Studentenkreisen üblichen, im Laufe der Jahre mehr und mehr eingeschränkten Bierkonsum pp. im allerentferniesten in seiner Gesundheit geschädigt oder seiner Arbeit entzogen worden wäre oder Schiffbrüch erlitten hätte, und andererseits: ich kann mit den Namen mehrerer jüdischer nicht inkorporierter Akademiker dienen, die reguläre Säufer waren und geblieben sind, obwohl, vielleicht sogar, weil sie nicht einer Verbindung angehörten. Man wende sich also gefälligst gegen den Alkoholgenuß schlechtweg und spitze seine Kritik nicht auf Kreise zu, die, wie die Erfahrung beweist, zwar fröhlich smdentisch zu leben, aber nichtsdestoweniger ihren ernsten Aufgaben nachzukommen pflegen. Auf einem andern Blatt steht das Angehen gegen den „Raufzwang." Es handelt sich hierbei nicht um die Frage, ob der Zweikampf von unseren politischen oder irgend einem sonstigen theoretischen Standpunkt aus zu billigen oder zu verwerfen ist, sondern — in dieser Beziehung wird es in beiden Lagern der korporativ-organisierten jüdischen Studenten kaum einen Zwiespalt der Meinungen geben — um eine rein taktische und praktische Frage. Ich kam im Sommersemester 1890 als junger Student näch Heidelberg. Damals konnte e» Vorkommen, daß einem jüdischen Studenten von nicht jüdischen Kommilitonen „Jud, Srinker" zugerufen wurde. Die Badenia wurde gegründet,und hat, - wer Heidelberger Verhältnisse kennt, wird eS bestätigen, — mit Schläger und Säbel, wenn eS fein mußte, mit Faust und Knüppel, dafür gesorgt, daß derartige Beschimpfungen bald unterdrückt wurden. Glaubt Herr Dr. Foerder, daß, gesetzt den Fall, alle Heidelberger jüdischen Studenten wären, um den technischen Ausdruck zu gebrauchen, „Kneifer" gewesen, die roheste und für den ehrliebenden jüdischen Studenten kränkendste Art antisemitischer Exeeffe sobald aufgehört hätte? Glaubt er wirklich, daß das Ansehen der jüdischen Studenten in solchen Fällen etwa hätte gewahrt werden können, wenn der Betroffene den Beleidiger vor der akademischen Kadi zitert hätte? Allgemein gesprochen: der studentische Zweikampf, wie immer wir auch theoretisch über ihn denken mögen, war und ist praktisch eine geradezu unentbehrliche Waffe, um das bedrohte Ansehen deS jüdischen Studenten gegebenenfalls wirksam zu wahren und damit die Selbstachtung zu schaffen, die notwendig leiden müßte, wenn in der Art, wie es Herr vr. Foerder zu wünschen scheint, das „Kneifen" zum Prinzip für den jüdischen Studenten erhoben würde. Lediglich dieser Gesichtspunkt muß für uns entscheidend sein. Der Zweikampf als Selbstzweck ist gewiß Unsinn, aber als Mittel im Kampf für die angegriffene Ehre des einzelnen Juden und unserer Gemeinschaft hat er sich trotz Herrn l)r. Foerder als wirksam, ja geradezu al» unentbehrlich erwiesen, wofür