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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 1013

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 1013 (sequence 35)
Language
German
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1013 Saus- und Raußwang. DaS Hamburger „Israelitische Familienblatt" ist in dieser schweren Zeit in der beneidenswerten Lage, absolut keine Gorgen zu haben, und so hat es Umschau gehalten, um einen Gegenstand zu finden, der diesem drückenden Mangel abhilst. Hierbei ist es nun auf den K. C. gestoßen! Als in unserem Blatte Kbor. Goldmann die Forderung aufstellte, daß die jüdischen Organisationen, soweit sie aus deutsch-vaterländischem Boden stehen, die K. C.-Berbindungen unterstützen müßten, hat keine der in Betracht kommenden Vereinigungen irgendetwas erwidert, weil sie eben die Selbstverständlichkeit und Richtigkeit dieses Wunsches einsahen. Nur das „Familienblatt" fühlte sich berufen, für die — paritätischen (!) Verbindungen eine Lanze zu schwingen, obwohl es wissen mußte, daß diese oft die Brutstätten des Taufjudentumsundimmer diedesJndifferentismus in jüdischen Fragen find. Der Erwiderung, die von unserer Seite einlief, wurde der Wert dadurch genommen, daß das Familienblatt in einer Anmerkung wiederum, obwohl es über den Charakter der paritätischen Verbindungen abermals belehrt worden war, das deutsche Judentum ausforderte, die paritätischen Taufjuden als gleichberechtigt mit den bewußt jüdischen Studenten im K. C. zu betrachten und demgemäß zu behandeln. Auf die eindringlichen Fragen, die in begreiflicher Empörung von Kbdr. Weil gestellt wurden, blieb das Hamburger Familienblatt einfach eine Antwort schuldigt Aber vergessen hatte man uns keinesfalls! Erst fing es sanft an. Ohne daß der K. C. direkt genannt wurde, erschien die folgende Veröffentlichung, die bei aller Anerkennung des Wertes jüdischer Verbindungen ihnen den geraden ungeheuerlichen Vorwurf macht, er erziehe die jungen Studenten systematisch (sie!) zum Saufen': Trinkzwang und die jüdischen Studentenverbindungen. Von Dr. Martin Haymann, Amberg. Leider ist von der großen Masse des Judentums immer noch nicht hinreichend erkannt morden, welch hohe Bedeutung den jüdischen Studentenverbindungen zukommt. Man betrachtet sie eigentlich mehr als gesellige Unterhaltungsvereine, statt in ihnen Sammelpunkte jüdischer Intelligenz zu sehen, deren Bestreben dahin geht, ihre Mitglieder zu aufrechten Juden und selbstbewußtem Festhalten an dem Glauben ihrer Väter zu erziehen. Hierzu tritt noch die besonders wichtige Aufgabe, dem in akademischen Kreisen sich breit machenden Antisemitismus in jeder Weise kraftvoll entgegenzutreten, ein Ziel, da» wohl deS Schweißes der Besten wert ist. Nun bringt er der ganze Zuschnitt unseres akademischen Lebens mit sich, daß eS nicht immer möglich ist, allen Anfeindungen nur mit geistigen Waffen zu begegnen. Der Mische Student weiß, daß e» oft viel wirksamer ist, solch einem antisemitischen Lümmel n mit dem Degen in der Hand entgegenzutreten. Und die jüdische Jaust hat eS auch verstanden, sich, den nötigen Respekt zu verschaffen. Ist eS nun durch die Umstände erzwungen, den Unfug des DuellierenS mitmachen zu mttffen, so gilt es dafür in um . so schärferer Weise gegen eine Unsitte Front zu machen, die schon großen Schaden angerichtet hat, ohne sich auch nur im geringsten rechtfertigen zu lasten, nämlich die Unsitte des sogenannten Trink- oder schon mehr Saufzwanges. Wir Juden haben alle Ursache, stolz daraus zu sein, daß mau uns die nüchternste Raffe der Welt heißt, und daß alkoholische Ausschweifungen in unseren Reihen, zu den verschwindenden Ausnahmen gehören. Nun sollte man meinen, daß die jüdischen Studentenverhände darauf hinarbeiten würden, diesen Ehrenschild auch wetterhin hochzuhalten. Aber statt besten gehen sie daran, die jungen Studenten systematisch zum Sausen zu „e^iehen" Das ist hier durchaus keine Uebertreibung. Wer den' Kneipbetrieb mit seinen Begriffen von Bierehrlichkeit, Hörauspauken, Ganzen melden, Bor- und Nachkommen nfw. kennt, wird mir darin recht geben Mästen. UM nicht mißverstanden zu werden: nichts liegt mir ferner, als aus einem Kreise lebenslustiger, in» Wonnerausch akademischer Freiheit sich ihrer Jugend freuender Studenten nun zimperliche Banausen machen zu wollen. Wer gerne trinkt, den» mag eS unbenommen bleiben, auch mal ein Glas zu viel hinter die Binde zu gießen. Was mir hingegen zu bekämpfen notwendig erscheint, ist, daß die Verbindungen jedes ihrer MitgliÄer, selbst wenn dieses vor Saufereien den größten Abscheu hegt, dazu zwingen, gegen feine Gesundheit zu wüten. Ganz abgesehen davon, daß ein solches gezüchtetes Saufoerhälrnis einen durch das erhebende Bewußtsein höchst ideeller Zielsetzung geweihten Freundschaftsbund heräbwürdigt, haben sie dadurch schon manche wertvolle und innerlich starke Persönlichkeit ihren Reihen serngehalten. Zum Schluffe möchte ich noch betonen, daß hier Wandel zu schaffen vor allem eine dankbare Aufgabe der AÜ- Herren-Berbände wäre, die frellich mit der Meinung brechen müssen, daß sie mit der bloßen Beitragsentrichtung allen Pflichten gegen die Aktivitas Genüge, getan hätten. Dann kam es aber ganz grob. Die erste Nummer im neuen Jahre brachte folgenden Angriff, der sich gegen die jüdischen Verbindungen überhaupt und insbesondere gegen den mehrrnals genannten K. C. wendet: Der Raufzwang und die jüdischen Studentenverbindungen. In NumMer 50 dieser Zeitung wendet sich Dr. Haymann-Amb erg gegen den „Saufzwang" in den jüdischen Studentenverbindungen. Er will ihn als durchauS unjüdisch beseitigt wissen. Jeder vernünftige Mensch, vor allem aber jeder, der für die geistige AufwärtSentwickelung unserer Gemeinschaft eimritt, wird ihm hierin beistimmen. Befremden Muß jedoch, daß der Herr Verfasser einen anderen Zwang gelten läßt, der von jeher bei unserer Studentenschaft mit dem übermäßigen Alkoholgenuß in engstem Zusammenhänge steht und in nicht minder unheilvoller Weise die jüdischen Verbindungen beherrscht: der Raufzwang. In den beiden bedeutendsten Sammelpunkten der akademischen Jugend jüdischen Glaubens, den K. C.-Berbindungen und den Vereinen jüdischer Studenten, wird das Raufen mit Säbel und Schläger geduldet und begünstigt. Die K. C.-Berbindungen üben gegen ihre MitgliÄer tztst durchweg sogar den Zwang zum Antreten au». Di. I Haymann nennt das einen Unfug, denerdadurch zu

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