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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 1010

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 1010 (sequence 32)
Language
German
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1010 grundfalsch und irreführend. Zunächst bilden die Juden nicht, wie diese, eine geschlossene Minorität, die auf zusammenhängendem Territorium, durch Sprache und Kultur geschieden, sich von der deutschien Umgebung abhebt. Aber vor allem, jene Nationen streben ja von Deutschland weg, wollen Wiedervereinigung mit dem Staatswesen ihrer Nationalität. Wir dagegen würden, schon aus Mangel an Raum in Palästina, keine solche Wiedervereinigung erstreben können, wir könnten Und wollten keine jüdische Jrredenta bilden, die der Staat in ein Untertanenverhältnis zwänge, sondern wären lästige Ausländer, die Deutschland austreiben würde, wenn sie als National- Fremde deutsche Staatsbürgerrechte verlangten. Der Pole und Däne, der nicht mehr Deutscher sein will, wird gezwungen, es zu bleiben und erhält zum Ausgleich für diesen Zwang die Rechte der Staatsangehörigkeit. UnS würde man aber mit Recht nach Palästina verweisen, um dort jüdisches Recht zu sprechen, in jüdischen Schulen und Hochschulen zu lehren, im jüdischen Heere die Achselstücke zu tragen. Napoleon hat, ehe er den Juden Frankreichs die volle gesetzliche Gleichberechtigung verlieh, das große Sanhedrin zu Paris berufen und ihm die grundlegenden Fragen vorgelegt: Erkennt ihr in Frankreich euer Vaterland, wollt ihr französischer Nationalität sein und die gleichen bürgerlichen Pflichten wie die anderen Franzosen auf euch nehmen? Er wollte sich damit vergewissern, ob sie die französische Staatsgesinnung hegten. Und die Frage wurde bejaht, nicht von irgendwem und leichten Herzens, sondern von den ersten Juden Frankreichs, nach verantwortungsbewußter Ueberlegung. Das gab den Anstoß und die Grundlage der Emanzipation. Heute will der politische Zionismus die hundertjährige Entwicklung, die uns Juden in der europäischen Kultur mit allen Herzensfasern hat verwachsen lasten, die uns zu organischen Bolksteilen unserer Heimatstaaten umgebildet hat, rückgängig machen uttd am Ghetto anknüpfen, denn etwas anderes bliebe den in Europa zurücküleibenden Juden jüdischer Nationalität nicht übrig. Mögen sie auch in den Gaststaaten dem Buchstaben nach alle Gesetze erfüllen, sie könnten den liebenden Geist, den Patriotismus, den jedes Staatswesen als Erstes verlangt, nicht aufbringen und wären daher nicht mehr berechtigt, die Staatsbürgerstellung zu fordern. Es glaube ja keiner, daß heute ein deutscher Zionist, der im Felde steht und sagt, ich kämpfe, weil es meine StaatSbürgerpflicht ist, aber nicht mit dem Herzen, nicht für mich, sondern für einen fremden Staat, der mich beherbergt, daß ein solcher daS voll und ganz leisten könne, was Deutschland von seinen Offizieren verlangt. Wer nicht sich und seinen Staat in allen politischen Beziehungen identifiziert, hat nicht das moralische Recht, Gleichberechtigung zu verlangen. Seelisch arm und haltlos muß der Zionist werden, der nicht nach Palästina gehen kann. Der unglückselige Zwiespalt im Herzen des Golusjuden, der die Tausende zum Zionismus trieb, wäre nur hundertfach verschlimmert. Heute fühlt er sich noch unterwegs nach der Heimat. Aber die wäre ja nur für die andern, die Wenigen da; die Zurückgebliebenen wären für immer verbannt. Sie wären für alle Zukunft in einer Fremde, aus der es keine Heimkehr mehr geben könnte. Die Verwirklichung wäre, wie so oft, auch hier der Tod des Ideals. * * * Wir haben in Deutschland unser Vaterland, wir suchen keine neue und ferne Heimat. Wir wollen von den zionistisch-politischen Plänen nichts wissen. Aber deren Verwirklichung ist heute nicht mehr in unerreichbarer Ferne. Wenn morgen der Friedenskongreß Zusammentritt, so könnten die Grundlagen zu einem Judenstaat in Palästina geschaffen werden. Darum müssen wir uns heute schon darüber schlüssig werden, welche Stellung wir zu einem jüdischen, sei es autonomen, sei es von England abhängigen Staatswesen auf palästinensischen Boden, wenn er wirklich vorhanden ist, einnehmen müßten. Da heißt es, unseren Standpunkt mit aller Schärfe sestlegen. Da kennen wir kein Kompromiß, keine Verhandlungen: Wir lehnen aus tiefstem Gefühl unseres Herzens heraus das Dogma von der jüdischen Internationalen ab. Wir lehnen es ab, uns von irgendeiner fremden Großmacht als weltpolitischen Faktor benutzen zu lassen, wir wollen so wenig auf dem Friedenskongreß den „Schutz der kleinen Nationen" in Anspruch nehmen, als uns von England, welches Land der Erde auch immer, schenken lassen. In alledem läge stillschweigend ausgesprochen, daß wir deutschen Juden etwas anderes sind, als Deutsche an.sichfranzösische und englische Juden anderes als Franzosen und Engländer. Gegen diese Voraussetzung wehren wir uns. Unserem Empfinden nach ist sie nicht wahr. Eine ungeheuer drohende Gefahr liegt in all den Ereignissen und scheinbar so judenfreundlichen Aeußerungen des letzten Jahres für uns verborgen. Darum sei eS erklärt: Ein jüdisches StaatSwesen in Palästina hat mit uns Deutschen, die wir der Religion nach Juden sind, wenn wir vom Religiösen absehen, innerlich so wenig zu tun, wie Aegypten

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