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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 1009

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 1009 (sequence 31)
Language
German
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1009 pathie des größten Teildes deutschen Judentums finden, es würde nicht nur von der deutschen und der türkischen Regierung gebilligt werden können, eS würde auch die Zionisten selbst von dem inneren Gegensatz erlösen, den die englische Erklärung zwischen ihrem deutschen Vaterlandsgefühl und ihrem jüdischen Nationalempfinden geschaffen hat. Aber der deutsche Zionist hat sich bisher zur klaren Entscheidung in diesem Sinne nicht durchgerungen. Er schwankt und vermag die weitergehenoe Hoffnung aus Verwirklichung seiner jüdischen Staats ideale nicht aufzugeben, wenn auch die Erfüllung ihm nur von England, dem Feinde seiner deutschen Heimat, werden kann. „Der deutsche Staatsbürger jüdischer Nation", wie er sich neuerdings selbst bezeichnet, müßte also logischerweise einen Sieg der Feinde des Lande-, dem er als Staatsbürger angehört, wünschen, weil nur von feindlicher Seite seine jüdische Nationalität ihr Heil erwarten kann. Um diesem Konfiikt zu entgehen, verzichtet er mit heroischer Geste auf die Führerstelle für daS deutsch-zionistische Judentum. Denn auch ohne, selbst gegen die Juden Deutschlands wird seiner Ueberzeugung nach die „Logik der Tatsachen" zur Schöpfung des jüdischen Reiches führen. Sein deutsches Staatsbürgertum verlangt von ihm, daß er blutenden Herzens andere den Bau vollenden sieht, dessen Grundstein von ihm gelegt ist. Darum vermag er sich auch der Freude über den Erfolg nicht rückhaltlos hinzugeben. Ihm wird, nun er „am Vorabend der Erfüllung des zweitausendjährigen Traumes steht", vor seiner eigenen Gottähnlichkeit bange. Lassen wir den Anhänger des politischen Zionismus diesen Zwiespalt der Empfindungen mit sich selbst ausmachen! Mag er sich von dem Gedanken schmeicheln laffen, daß die jüdische Internationale mit ihrem durch Kapital und Preffe geschaffenen Einfluß aus die Stimmungen der Völker ein Faktor der Weltpolitik geworden sei, den zu gewinnen, nun der Friede in näherer Aussicht sieht, Entente wie Vierbund sich mühen! Er wird vielleicht darüber frohlocken, daß das antisemitische und alldeutsch-konservative Dogma von den drei gefährlichen Internationalen: Rom, Sozialdemokratie und Judentum nun vor aller Welt seine Berechtigung erwiesen hat. Die Freude wird bald verstummen, wenn er sich in nüchterner Ueberlegung einmal die Folgen klar macht, die die Verwirklichung seiner Hoffnungen für ihn haben müßte. Setzen wir einmal den Fall, das Ziel wäre erreicht: Friedenskongreß. Wiederherstellung der kleinen Nationen. Palästina den Juden, unter wessen Protektorat auch immer. Maffeneinwanderung von allen-Ländern der Erde. ^Obwohl schon hier der Hauptsaktor, das Ostjudentum, von der zaristischen Knute befreit, versagen wird.) Nach zionistischer Höchsischätzung kann Palästina 2*/,- 3 Millionen Juden saffen. Was wird aus den übrigen 9 Millionen, die doch auch wohl noch ein gewiffes Anrecht, aus Existenz als Juden haben? Die Preffe hat diese wichttgste aller Fragen bisher keineswegs übersehen, geht aber, da die Beantwortung unbequem ist, meist mit Stillschweigen darüber hinweg. Die Lösung steht aber in erschreckender Klarheit vor unseren Augen. Am Tage der Gründung des jüdischen Reichs wird jeder Staat an seine Juden die Frage stellen: Wollt ihr euch, nachdem nun eure besondere, der unseren fremde Nationalität bewiesen ist, bei uns naturalisieren laffen, oder nicht? Je nachdem die Antwort bei jedem einzelnen ausfällt, werden also die im Golns, wie es die Zionisten zu nennen belieben, zurückgebliebenen Juden naturalisierte oder nicht naturalisierte Ausländer in einem fremden Staate sein. Nach der zionistischen Lehre ist etwas anderes nicht möglich. Denn der Zionismus kennt nur ein nationales Judentum. Wer Jude ist, ist es für ihn der Nation nach, und hat nur die eine Wahl: Läßt er sich naturalisieren, so verzichtet er auf seine jüdische Nationalität bis aus den letzten Rest und tauscht dafür die bürgerlichen Rechte der Staatsangehörigen ein, in deren Mitte er lebt.. Damit entsagt er allem Jüdischen überhaupt, das ja — nach zionistischer Auffassung — nur im Jüdisch-Nationalen bestand. Er wird gleichberechtigtes Glied einer fremden Nation und geht dafür dem Judentum — immer im zionistischen Sinne — unrettbar verloren. Der Nicht-Naturalisierte bleibt Jude, wird aber ebenso ein Ausländer im fremden Staat, wie heute in Deutschland ein Amerikaner, Schweizer oder irgend ein anderer. Er wird solange gern gesehen sein, als er Geld zu verzehren hat und von dem Gaststaat nichts verlangt. Er hat in diesem weder die Rechte noch' Pflichten eines Staatsbürgers, braucht keinen Militärdienst zu leisten, kann aber auch nicht Anwalt, Richter, Lehrer, Professor oder sonst Staatsbeamter werden. Er hat sein Staatsbürgerrecht in Palästina. Palästinensische Konsuln werden darüber wachen, daß er in keinem seiner internationalen Rechte gekränkt wird. : Man wende hier nicht ein, es lebten, um bei Deutschland zu bleiben, im Reich Polen und Dänen als fremde Nationalitäten. Diese hätten doch, staatsbürgerlich naturalisiert, aber national getrennt, alle Rechte und Pflichten.der deutschen Staatsangehörigkeit. — Der Vergleich wäre

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