KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 1008 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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1008 rechtlich gesicherten Heimstätte für daß Wische Volk" in - Palästina als Ziel aufstellt. Aber nur für deyWoWschep Zionismus ist daS Dogma von der eigenen Wischen Nation notwendige Voraussetzung und Schaffung eines eigenen autononlen Juden-Staätes Programm, Dagegen erstrebt die von Achad Haäm beeinflußte kulturelle Richtung des Zionismus für ihre Zwecke Ansiedlung von Juden in Palästina unter Erwerb türkischer StaatSangehörigkeit. Zu diesen Bestrebungen kann der politische Begriff der Nation nur in künstlichen Zusammenhang gebracht werden. So wie wir den Kulturzionismus verstehen, soll eine türkische Provinz, deren Bewohner Juden sind und hebräisch sprechen) zur Förderung jüdischer Geisteskultur Schulen Und Universitäten schaffen, jüdische Geschichte und Wiffeuschaft pflegen. Von ihr aus soll ein belebender kräftiger Strom Wischen Geistes sich ergießen und befruchtend aus die Juden aller Länder wirken. Wie .einst das alte Judentum, auf dem Boden Palästinas vereint, die höchsten geistigen Güter, die die Welt bis Heute besitzt, hervorgebracht hat, so kann vielleicht Mieder eine einheitliche jüdische Kultur neue ewige Menschheitswerte zeugen. Möglicherweise wird eine gesunde Weiterentwicklung der jüdischen Religion von Palästina ausgehen können, ein neues Synhedrion als geistiger Mittelpunkt für das Judentum der ganzen Welt geschaffen werden. Wie Rom Zentrum und LebensqueÜe des Katholizismus, so könnte auch Jerusalem daS Herz werden für ein aufs neue lebendig pulsierendes selbstbewußtes religiöses Judentum. Solch eine geistige Wiedergeburt des Judentums auf altem erinnerungSgeweihtem Boden müßten wir deutschen Juden, welcher Richtung auch immer, freudig begrüßen. Sie könnte uns zu unserem Deutschtum in keinen Konflikt bringen. So wenig jemand dem papsttteuen Katholiken Mangel an deutschem Empfinden vorwirft, so wenig hätte es Berechtigung, ein Judentum, das nur feine religiöse und geistige Erneuerung aus dem heiligen Lande schöpfte, als national fremd zu bezeichnen. In diesem Sinne bedeutet der Kulturzionismus eine schöne Erfüllung. Die politischen Aufgaben des K. C. und des Centralvereins liegen allerdings auf anderem Gebiete. Es ist unsere Sache nicht, kolonisatorische Bestrebungen in Palästina, soweit sie nichtphilantropischen Zwecken dienen, zu fördern. Unser Kampf geht um die Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern der Erde. Wen» auf dem Friedenskongreß, wie wir bestimmt.annehmen dürfenauch dieJudenfrage einen Gegenstand der /Verhandlungen bilden wird, so muß dar gesamte deutsche Jndentum einig und in geschloffener Phalanx dafür eintreten, daß alle beschämenden Beschränkungen und kränkenden Zurücksetzungen besettigtm»erdeyin welchem Land und in welcher Form sie auch immer bestehen mögen. So müffen auch die unbilligen /Erschwerungen, die heute noch in der Türkei den jüdischen Einwanderern auserlegt sind, restlos fallen. Der rote Zettel erniedrigt dasJudentum ähnlich, wie der gelbe Judenfleck des Mittel, alters. Die Maßnahmen, die von der türkischen Regierung zur Unterdrückung aller Betätigungen der jüdischen Kolonien auf dem Gebiet der Selbstverwaltung angewendet werden, sind drakonisch Die Türkei erblickt voll Argwohn darin Ansätze zu staatlichem Eigenleben und will sie im Keim ersticken. In Wohlfahrtsmarken sieht sie den Beginn einer eigenen jüdischen Post, in Schecks der jüdischen Bank den Ansatz zur Ausgestaltung eigenen MünzwesenS, Beiträge zur Erhaltung von Schulen und Straßen sollen eine selbständige Steuergesetzgebung einleiten, eine Handvoll Gendarmen, Dorf- und Stadtwächter den Grundstock zu einer jüdischen Armee darstellen. Djemal Pascha, der Herr von Syrien, setzt auf all das die Todesstrafe. Wtt hoffen zuversichtlich, daß die deutsche Regierung einsichtig genug sein wird, um ihren türkischen Bundesgenossen von seiner Ausnahmegesetzgebung und allgemein feindseligen Stellung gegenüber loyalen Bestrebungen abzubringen. Im deutsch-vaterländischen Interesse müffen wir darauf Hinweisen, welche Vorteile für Deutschland, ein offenes Eintreten der Regierung für die Gleichberechtigung der Juden haben könnte, wie in der ganzen Welt so auch in der Türkei. Bon volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ganz abgesehen, läge darin die beste Gegenwirkung gegen die englische Aktion, und die Juden der neutralen Länder, die gegebenen Mittler des deutschen Welthandels, wären nach dem Kriege für die deutschen Jntereffen gewonnen. Von diesem Gesichtspunkt des Kampfes gegen den Antisemitismus aus könnten wir also der Schöpfung eines reinen jüdisch-kulturellen Milieus in Palästina unsere Unterstützung leihen. Erste und unbedingt notwendige Voraussetzung dafür wäre allerdings, daß sich der deutsche Zionismus auf das Programm des Kulturzionismus in dem eben angedeuteten Sinne einigte und das Schlagwort vom Judenstaat fallen ließe. Es bedürfte einer offiziellen unzweideutigen Erklärung, die unter Verzicht auf jede polnische- Betätigung im Sinne der Schaffung eines eigenen autonomen Staates lediglich freie Anfiedlung von Juden in der türkischen Provinz Palästina unter türkischer Staatshoheit erstrebte. Solch ein Programm würde nicht nur die Sym-