KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 1004 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1004 ZürütHetzung gefallen lassen müssen, die unserem AnsehenAbbruch tut und den Erfolg des Kampfes um die individuelle Gleichberechtigung immer rviÄer gefährdet. Alle diese Aufgaben, die sich in verwirrender Fülle vor uns auftun, sind für den Centralverein nichts neues. Sie bedeuten nur ein konsequentes Fortarbeiten auf dem einmal beschrittenen Wege. Ihre Größe wird aber einen Begriff davon geben, welche unendliche Arbeitslast den Centralverein in den kommender Tagen erwartet. Und wenn man die traurige Reaktion dieser Kriegszeit hinzunimmt, den neu auflodernden Judenhaß, mit dem alle rückschrittlich gesinnten Elemente den Einzug einer neuen Zeit der Freiheit und der Demokratie abwehren wollen, so wird man gewiß zugeben, daß niemals dringender als heute' an die deutsche Judenheit der Ruf ergangen ist, alle Kraft in den Dienst des Centralvereins zu stellen. Und für den K. C.er ist es aus Selbsterhaltüngsgründen von der allergrößten Wichtigkeit, für ihn zu arbeiten. Wenn auch der K.C. seine studentischen Sonderziele hat, die in der Eigenart seines akademischen Arbeitsbodens begründet sind, so fügt er sich doch in das Ganze ein, und er bedarf auch des Resonanzbodens, wenn die Gesamtheit ihm den Nachwuchs liefern soll. Durch viele Jahrzehnte hindurch haben sich junge Studenten dem K.C. angeschlossen, obwohl sie damit in einem Gegensatz M dem Geiste und dem Willen ihres Elternhauses traten. Einmal muß es aber dahin kommen, daß der junge Jude sich ihm deshalb anschließt, weil die ganze Erziehung in Schule und Haus ihn auf diesen Weg als eine Selbstverständlichkeit weist. K. C. und Centralverein stehen in einem unlösbaren Zusammenhänge. Die geistigen Kräfte der Führer, die der K. C. ihm liefert, kann der Centralverein nicht entbehren, und umgekehrt kann die studenttsche Organisation keine rechte erfolgreiche Tätigkeit entfalten, wenn sie nicht in der großen bürgerlichen Welt den Boden findet, auf dem sie wirkt. Wenn darum besonders an den alten K. C.er, der längst im Leben steht, die Aufforderung zu regster Betätigung im Centralverein ergeht, so wird von ihm etwas Selbst, verständliches verlangt. Er arbeitet dort für sich elber, für die Ideale seiner Jugendzeit, ür die innere Festigkeit und die Ausbreitung eines Verbandes. Praktisch sind ja dann auch in den letzten Jahren die Beziehungen zwischen K. C. und Centralverein immer regere geworden. Syndikus des Vereins, dem er seine reiche Kraft restlos widmet, ist unser KärteÜbruder Ludwig Holländer. Als ständige Mitarbeiter hat er unsere Kartellbrüder Erich Böhm und Kurt Alexander gewonnen. Dasselbe Amt bekleidete auch der vortreffliche, vielversprechende Witz Rahm er, der aus dem Felde der Ehre sein junges Leben lassen mußte.- Zum Hauptvorstande des Vereins Whören die -Wartellbrüder Max Mainzer, Edmund Werner, Fritz Baron und Josef Lewy sowie der Verfasser dieses Artikels. Und die große Anzahl der K. C.er, welche in Landesverbänden und Ortsgruppen eine Rolle spielen und ihre Kraft den vielen Aufgaben widmen, kann an dieser Stelle nicht namentlich aufgezählt werden. Das deutsche Judentum, hat zum Centralverein Vertrauen. Es weiß, daß man in ihm stets auf der Wacht ist und daß er jederzeit bereit ist, das Recht der Gesamtheit ebenso zu verfechten, wie das des kleinsten Gliedes. Im höchsten Sinne aber wird ihm dieses Vertrauen erst dann entgegengebracht werden können, wenn jeder deutsche Jude sich von der Wahrheit seiner Ideen, von der Wichtigkeit seiner Ziele, von der Tauglichkeit seiner Methoden hat überzeugen lassen. Und so viel auch erreicht ist, bis dahin ist der Weg noch weit! Nicht rauschende Feste sollen in der Kriegszeit gefeiert werden, sondern nach kurzer Rückschau mag es frisch wieder an die schwere Arbeit gehen. Zunächst an die organisatorische, damit der Centralverein wirklich zu einem freiwilligen Zusammenschlüsse aller deutschen Juden wird. Und auch j der K. C. wird das Fest nicht bester begehen i können als durch den unerschütterlichen Vorsatz, j diesem Ziele mit aller Kraft zu dienen. Die Mische Internationale.*) ' Die Judensrage eine internationale Ange-! legenheit, die auf dem Friedenskongreß zu regeln ist! Palästina im Brennpunkt des weltpolitischen! Interesses! Wie ein weckender Alarmruf brausen j diese Sätze über das deutsche Judentum hin und , fordern von einem jeden Stellungnahme, dafür oder dawider. Am wenigsten dürfen wir, die wir uns deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens oder als Studenten K. C.er nennen, dazu schweigen. Wir müssen klar sehen, wie es dahin gekommen ist, und uns darüber schlüssig werden, was wir dazu zu sagen haben. Das Erste und Wichtigste ist, die sich überstürzende Entwicklung in den Ereignissen des letzten Jahres zu übersehen, um mit Verständnis die entscheidenden Fragen des Augenblicks lösen zu können. *) Unter Benutzung der Mitteilungen des „Köpenhagener Büro der Zionistischen Organisation".