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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 1002

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 1002 (sequence 24)
Language
German
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IMS die Stellung/ welche der Centralverein unterhalb -eS deutschen Judentums einnimmt, die unS an dieser Stelle zu einem Rückblick aus seine Tätigkeit veranlaßt. Mehr noch find es die engen Beziehungen zwischen der Idee des K.C. und der des CentralvereinS, die uns mit besonderer Teilnahme seine Leistungen und Hoffnungen betrachten lasten. Als der Centralverein gegründet wurde, war er eine Notwendigkeit und alle Juden, denen die Zukunst ihrer Gemeinschaft Sorge machte, begrüßten sein Entstehen wie eine Erlösung von schwerem Druck. Und das war der beste Beweis dafür, daß die Saat, welche vorher durch die jüdischen Akademiker im K. C. ausgesät worden war, einen fruchtbaren Boden in der Seele der deutschen Judenheit gewonnen hatte. Es ist ja oft genug hervorgehohen worden, daß der Centralverein aus weitere Kreise des bürgerlichen Lebens alle jene Grundsätze übertragen hat, die vom K.C. in den engen Bereinigungen jüdischer jünger Akademiker verfochten worden waren. Sein Verdienst wird darum nicht gemindert, denn es war ganz etwas anderes, ob man junge Studenten, die sich mit Begeisterung zu einem Prinzip bekannten, in diesen Ideen erzog, oder ob man sie in große Mafien hineintiug, die man erst gewinnen mußte und die sich nur widerwillig davon überzeugen ließen, daß energisches Auftreten und offenes Kämpfen am Platze war. Der Centralverein hat jene Gedanken, die einstmals von der Viadrina in Breslau ausgesprochen und in die Tat umgesetzt worden waren, fast unverändert übernommen, nur daß er sie natürlich taktisch den Ansorderungen des bürgerlichen Lebens gemäß umgestaltete. Er erhob sich auf dem Grundprinzip, daß man seine Verteidigung nicht guten Freunden überlassen dürfte, sondern daß man sich selber rühren wüste und keine andere Gewähr für die Zukunft habe, als die eigene Kraft. Auch er war davon durchdrungen, daß die Forderungen des Judentums gut und ehrlich waren, daß sie das Licht der Sonne nicht zu scheuen hätten und daß darum der Kampf im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit geführt werden müsse. Mit dem K. C. stellte er das Erziehungsideal auf, daß der Jude, der als gleichberechtigt güten wolle, auch getreulich die gleichen Pflichten übernehmen und sich kulturell der Allgemeinheit einfügen mttffe. Gleich dem K. C. wollte er gut deutsch und gut jüdisch zugleich sein. Und wie mit diesen Grundprinzipien, so war es auch mit der Taktik. Wenn die junge Viadrina mit dem Säbel in der Faust so vortrefflich verstanden hatte, sich die Achtung ihrer Kommilitonen zu erringen, ft erreichte das der Centralverein mit seinen Mitteln für die große deutsche Judenheit auch. Er griff den Antisemitismus an, wo er ihn fassen konnte^ Er ließ sich durch keinerlei Mißerfolge einschüchtern und entmutigen und bewies durch seine Tat, daß der deutsche Jude auch seinem zähen und freiheitsliebenden Charakter nach« ein vollberechtigtes Mitglied der deutschen Kulturgemeinschast ist. Das Aufblühen des Centralvereins ist ein lebendiger Beweis dafür gewesen, daß der K.C. auf dem rechten Wege war. Natürlich können die Ergebniste seiner langjährigen Arbeit — rein äußerlich und materiell behandelt — nicht denen gleichen, die der K C. errungen hat. Hier kam es darauf an, jedes einzelne Mitglied ganz und gar in den Bann des Ideals zu ziehen und es nicht nur zu einem Mitläufer, sondern zu einem Vorkämpfer der guten Sache zu erziehen. Im Centralverein, der mit den Massen rechnete, war natürlich eine so intensive Erfaffung des einzelnen nicht möglich. Ein großer Volksverein erzieht seine Mitglieder nicht in dem Sinne, daß er ihr ganzes Sein packt und beeinflußt. Aber gerade wenn man diese unvollkommene Möglichkeit seelischer Beeinflussung mit in Rechnung stellt, sind die inneren Errungenschaften deS CentralvereinS geradezu wunderbar zu nennen. Es ist ein ganz anderer Geist, der heute die deutsche Judenheit erfüllt. Die Worte Stolz und Selbstbewutztsein sind keine bloßen Phrasen mehr, sondern sie wer^n empfunden. Der Jude hat Rückgrat bekommen. Er biegt sich nicht mehr wie das schwankende Rohr im Winde, sondern er verlangt sein Recht und arbeitet dafür. Und dieser Geist der Besinnung und der Selbsteinkehr ist ja auch für die jüdische Arbeit im weitesten Sinne von großer Bedeutung geworden. Es ist geradezu frappierend, was durch die Erweckung jüdischen Willens, die der Centralvereinstätigkeit zu danken ist, in diesen fünfundzwanzig Jahren an posittven jüdischen Werten in Deutschland geschaffenworden ist. Das Gemeindeleben hat einen unverkennbaren Aufschwung erfahren. Große religiöse Bereinigungen sind gegründet worden. Die Wissenschaft des Judentumes hat unendliche Förderung erfahren, zu der auch die großen Masten herangezogen worden sind. Auch eine Bewegung, wie die n ational-jüdische, die sich in einen bewußten Gegensatz zu dem vom Centralverein eingenommenen Standpunkte der unbedingten. Einfügung in die deutsche Kultur stellte, hat ihren freilich nicht starken Widerhall in solchenDreisen

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