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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 995

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 995 (sequence 17)
Language
German
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995 voranmarschieren, darf nicht verwundern. Sie find ja wesentlich jünger und darum nicht so mit hemmenden Traditionen belastet wie die Universitäten. Das Studium an den. Technischen Hochschulen bringt auch eine viel größere Gemeinschaft der Berufsinteressen mit sich. Mer die Universitäten werden sich an dem Erfolg, dieser-jüngeren Hochschulen ein Beispiel nehmen. Wenn der Studententag nach dem Kriege endgültig Zusammentritt, werden alle auf einheitlicher Lrnie marschieren. Die Jenenser Tagung zeigte in ihrem Verlauf dasselbe Bild, das die ganze Bewegung kennzeichnet: von einem disharmonischen Suchen zur Einigkeit." voctor peeuniae causa. Die Studierenden der Universität Marburg erheben folgenden Einspruch dagegen, daß jemand für irgendwelche Geldspenden mit der wissenschaftlichen Würde des Doktorgrade» bedacht werden kann: Wir Angehörige der Universität Marburg protestieren dagegen, daß es an deutschen Hochschulen möglich ist, sich die gelehrte Würde eine» „vr. h. c." durch geldliche Leistungen erwerben zu können. Wir bedauern, daß eine hohe Juristische Fakultät der Hochschule zu Heidelberg Herrn Kommerzienrat Netter und Herrn Geheimen Kommerzienrat Mosse die Würde eines „vr. juns utriusque h. c." für Schenkungen verliehen hat. Wir fragen: Ist es nicht möglich, solche an sich dankenswerte Taten, die aber höchstens mittelbar gelehrter Arbeit dienen, auf andere Art hervorzuheben? Wir fragen: Ist e» nicht durch einen organisatorischen Mangel der Hochschule bedingt, daß sie sich durch gelegentliche Schenkungen aus ihrem Bildungsziel sich ergebende prmzipielle Forderungen erfüllen lasten mutz? Soziale Wohltätigkeit löst nicht die soziale Frage. Schenkungen machen nicht aus Hochschulen einen lebendigen, geistbestimmten Organismus einer gelehrten BudungSanstalt, Hierzu bemerkt die „Tägliche Rundschau": „Sehr richtig und sehr unwiderleglich. Die akademische Doktorschaft leidet ohnehin nicht an einem Uebergewicht von wahrer Würde. Sie mutz deren durch solche widernatürliche Kreuzung von Geld und Geist noch immer mehr verlustig gehen. Dieser voctor pecuniae causa ist doch weiter nichts als eine Geschmacklosigkeit." — Wir aber möchten uns die ganz bescheidene Anfrage gestatten, ob die Wogen der Entrüstung ebenso hoch gehen würden, wenn die neuen Doktoren nicht zufalllg die Juden Moste und Netter wären! Daß die Universitäten durch Schenkungen des Hochadels oder der Schwerindustrie nicht in solche Verlegenheiten ge. brächt werden - der alte Fontane hat diese Tatsache schon hervorgehobrn —, mag ja ein glücklicher Zufall sein. Er rechtfertigt aber keineSweg» diesen Angriff auf Männer, deren uneigennütziges wiffenschaftlicheS Interesse außer jedem Zweifel steht. Und wenn man die Gründe politischer Natur bedenkt, die schon zur Verleihung so manches Ehrendoktorhuts geführt haben, wird man sich des Eindruck» nicht erwehren können, daß die Marburger Studenten bei anderen Gelegenheiten weit geeigneteren Anlatz zu heftigen Protesten gehabt hätten. Allerdings, und das mag entschuldigen, handelte es sich nicht um Juden! Wauderbewegung. Der zionistische „Bund für jüdisches Jugendwandern in Deutschland" (Blau- Weiß) und der „Jüdische Wanderbund Blau-Weitz" in Oesterreich zählen in Deutschland und Oesterreich im-ganzen dreiunddreitzi g Gruppen. Davon bestehen vierzehn in den reichsdrutschen Städten Berlin, Breslau, Cöln, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig, Mannheim, Mühlhausen i. E., München, Posen, Ratibor, Stratzburg und Wiesbaden. Die beiden Verbände geben eine Zeitschrift, die „Blau- Weitz-Blätter", heraus, welche neben den eigentlichen Wanderzielen sich die Aufgabe stellt, die Kinder im nationaljüdifchen Parteisinne zu erziehen. Die Not- Wendigkeit einer Gegenbewegung, welche ohne ausgeprägten Parieistandpunkt die jüdischen Schüler und Schülerinnen auf 'ganz allgemeiner jüdischer Grundlage zum Wandern sammeln will, ist längst erkannt worden. Bisher ist eS gelungen, zwei Bereinigungen (in Posen und Breslau) zu gründen, die in.diesem Sinne arbeiten. ES ist aber zu hoffen, datz nach dem Kriege in diesem Bestreben fortgefahren wird. An einigen anderen Orten bestehen bereits kleinere Gruppen, die auSgebaut und. vermehrt werden muffen, damit die schönen Ziele eines fröhlichen JugendwandernS, unbeschwert durch parteipolitischen Hader, Gemeingut der jüdischen Jugend werden. Daß dabei unseren jungen Akademikern ein gutes Stück der Arbeit zufallen wird, ist jüngst in einem Artikel der „Internen Beilage" betont worden. Statistische Weinigkeiten. Das „Statistische Jahrbuch für den preußischen Staat" bringt sehr intereffante Üebersichten über die Prüfungsergebnisse bei den verschiedenen Fakultäten und Berufen, aber nur für die Kandidaten des höheren Lehramt» auch nach Konfessionen getrennt. Wenn auch nicht recht ersichtlich ist, auS welchen Gründen gerade hier die Konfession besonders angegeben ist (denn für die Rektor- und Mittelschullehrer-Prüfungen wäre doch wohl derselbe Grund maßgebend; aber da erfolgt keine Ausweisung de» Bekenntnisses), so seien die Zahlen des Interesses wegen doch genannt. Bon den geprüften Kandidaten bestanden d»e erste Prüfung, WiederholungS- und ErgänzungSprüfung im Jahre 1912 1318, bestanden nicht 855 (38,8 Proz), von 63 geprüften Damen bestanden drei nicht (5,1 Proz.). Bon den geprüften Kandidaten waren evangelisch 1490, katholisch 6W und jüdisch 30, von den geprüften Damen waren 49 evangelisch, 10 katholisch und drei jüdisch. Davon bestanden nicht 551 Protestanten (37 Proz.), 296 Katholiken (42,7Proz) und 7 Juden (35 Proz.). Bon den Damen befremden nicht zwei evangelische (4,1 Proz.), eine katholische (10 Proz.) und 0 jüdische (0 Proz.). — Die Erweiterungsprüfung legten ab 383 Kandidaten und 7 Kandidatinnen. ES fielen durch 69 Kandidaten (18 Proz.), die weiblichen Prüflinge bestanden alle. Bon den Durchgefallenen waren 43 Protestanten <16Prozent), 26 Katholiken (31,9 Proz.) und ein Jude <30 Proz.). — Beachtung verdienen die Feststellungen über die konfessionelle Gliederung der württ. Akademiker, die erstmals erhellen, wie die Konfessionen im württ. Staatsdienst vertreten sind. Nach einer genauen Stattstik RienhardS beträgt in Hundertteilen der Anteil der Evangelischen 64,43, der Katholiken 33,15, d er Juden 3,32 oder bei Ausscheidung der Theologen da» evangelische Bekenntnis 68,48 Proz., da» katholische Be. kenntniS 37^5 Proz., das israelitische Bekenntnis 4,18 Proz, woraus fich ergibt, daß auf keiner Seite Anlaß zu Klagen besteht. Die Bevölkerungsquoten find: Evangelische 68,14, Katholiken 30,79 und Juden 0,50 Prozent. Kösener S.C.-Verband. Die Frage, ob während des Krieges auch solche, die die vorgeschriebenen Bestimmungsmensuren nicht geschlagen haben, in das Korps ausgenommen werden können, wird in dem BerbandSorgan de» Kösener S. C. von mehreren Seiten behandelt. In einigen Zuschriften wird gefordert, daß Kriegsteilnehmer, die keine Mensuren geschlagen haben, nur als Konkneipanten ausgenommen werden und nach einer der Fuchsenzeit entsprechenden, aber etwas kürzeren Zeit die Korpsschleife erhalten. Im Hinblick auf die besonderen Verhältnisse sollen zwar Milderungen emtreten, diese sollen aber den Kösener Statuten nicht widersprechen. Daher sollen da- KorpSband auch nur

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