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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 989

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 989 (sequence 11)
Language
German
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989 rechter deutscher Student, der war er, eiuMensch, mit dem man ernst, sehr ernst sprechen und doch ausgelassen lustig sein konnte. Welch sonniger Humor wohnte ihm inne und welch prächtiges Bortragstalent besaß er! Wer seine eigenen Gedichte kannje, der konnte die Tiefe feines Gemütserfassen. Nie werde Ich vergessen,' wie er mir an einem Winterabend auf meiner Bude das Gedicht vorlaS, das er am Grabe seiner früh verstorbenen Mutter verfaßt hatte! Und wie hing er an Heidelberg und an der Verbindung! Er war Feuer uno Flamme für unsere Ideen. Aber nicht blinder Autoritätsglaube leitet ihn. Oft haben wir zusammen über diesen oder jenen Tendenzsatz diskutiert. Und es war eine Freude,; mit ihm irgend eine Frage zu besprechen! Es wäre! entsetzlich, wenn ihn wirklich schon der Rasen deckte! —! Unser Bund hat wirklich furchtbar für das Vaterland! geblutet. Gibt es denn noch nicht bald Frieden? —! Du wähnst mich noch in Italien. Wir find jedoch; schon wieder im treuen M ... lande in Ruhe und feiern j hierWeihnachten, hoffentlich das letzte Kriegsweihnachtsfest. Die Leute sind riesig nett zu uns und ttschen uns; alles nur Verfügbare auf, um uns das Fernsein von! daheim vergeffen zu machen. A. H. Gutmann ist für j die Dauer unseres Hierseins zu einem Feldrekruten- , depot abkommandiert. Gestern abend war er jedoch! hier und Wählte mir schon von dem Tode unseres ' A. H. Marx, der auch nach seiner Schilderung ein Pracht-! mensch gewesen sein mutz! Ueberall Tod, wo man hinfchaüt! Sylvester kommt A. H. Gutmann wieder,! und ich werde ihm dann Deine Grüße ausrichten. i Bor einigen Tagen war ich in Fr:, um etwas! einzukaufen. Leider habe ich im Kaffee „Kopf" keinen Kbdr. angetroffen. Ich hätte mich sehr gefreut.! Die Grüße Deiner werten Frau Gemahlin erwidere; ich aufs herzlichste. Dir selbst heimliche Grüße Deines tr. Bbr. Kurt Oppenheimer (Bav.)! Berlin, den 13. 1. 1918. Lieber Mainzer! Aus den heute bei mir eingetroffenen K. C.-Blättern entnahm ich mit tteser Erschütterung, daß unser Adolf Marx den Heldentod geftmden hat. Es ist für uns alle ein ttefer herber Schmerz, daß dieser frohe, prächtige Mann dahingehen mußte. j Ich hatte ihn ja leider seit langer Zeit nicht mehr gesehen und auch sonst nichts von ihm gehört; aber er stand uns alten Spreven doch so unendlich nahe wegen seines heiteren frischen Wesen», mit dem er unsere Studentenzeit geradezu verschönte. Meine letzte dauernde Zusammenkunft hatte ich Anfang 1913 mit ihm, als ich auf meiner Hochzeitsreise an der Riviera war; wir trafen uns zufällig rm Zuge von Mailand nach Genua. Und eS machte mir damals Vergnügen, meiner jungen Frau einen der beliebtesten K. C er vorzustellen. Wir verbrachten dann in Monte Carlo miteinander frohe Stunden. Sein Heldentod wie der all unserer gefallenen Helden macht uns stolzer und fester in dem Gedanken, auch in Zukunft als K. C.er weiterzuarbeiten. Nimm auch in Deiner Eigenschaft als Vorsitzender des A. H.-VervandeS den Ausdruck meiner innigsten Teilnahme entgegen. Mn den herzlichsten Grützen Dein alter Salier (Spr.) Den 31. 10. 1917. Lieber Mainzer! Für die rasche Erfüllung meiner Bitte nimm vielen herzlichen Dank. Du kannst Dir keine Vorstellung machen, was uns hier in der entzünd ereignislosen Einöde Nordrußlands die Nachrichten bedeuten. Einsarm auf Monate ohne Aussicht auf menschliche Gesellschaft und Geselligkeit, liegen wir hier vorm Feinde. Keine Kampfhandlung, kaum ein Flintenfcljitj) fiöit &ic xtitfr incttt Tcu zu verblöden. Sonst leben wir hier jaganz gut."Ich habe mit meinen drei Mann einen geräumigen Unterstand, elektrisches Licht, euren guten Ofen >und eine brauchbare Falle. Die einzige Rettung bleibt noch, daß man 31 Stunden täglich schlafen lernt. Dir und Deiner werten Familie, die ich wohl und gesund hoffe, herzlichsten Gruß Deines Siegfr. Simon (Biadr.-Darmstadt.) 19.12.1917. Lieber Mainzer! Wir beide, die wir unS zufällig hier in den Vogesen getroffen haben, haben beschlossen, auf dem umsettig abgebildeten Hartmannsweilerkopf einen K. C.-Stammttsch zu gründen, um damit eineur längst gefühlten Bedürftris abzuhelfen. Wir bitten alle K. C.er, die über ihr nächstes Semester noch nicht disponiert haben, darauf aufmerksam zu machen. Glänzende Verpflegung ohne Marken, Gelegenheit zu allerlei Sport für Leute, die weniger auf Lebensgefahr als Bequemlichkeiten sehen, 3 Drahtseilbahnen zur Kuppe (Benutzung gratis). Sonst sind wir gesund. Herzlichste Grüße Dem Manfted Strauß (Bad.) Lieber Mainzer! Also der K. C.-Stammtisch ist änfgemacht. Einen dritten K. C.er, der auch in der Gegend ist, hatten wir zu dem heuttgen Stiftungsfest infolge der hiesigen allgemeinen und besonderen internationalen politischen Lage leider nicht einladen können, werden ihn aber demnächst gemeinsam besuchen. Es ist sogar möglich, daß sich auch Siegfried Rofenthal zurzeit hier aufhält, wir Haben ihn nur noch nicht finden können; vielleicht haben unsere Bemühungen in der Richtung Erfolg. Die Sitzungsberichte usw. unseres Stammttsch'S werden Dir fiir die Folge immer regelmäßig zugehen. Für; heute herzliche Grüße Dein _ Arthur Bär (Bad.) Südostgalizien, 16. 10. 1917. Lieber Mainzer! Nachdem tcg 2l/4 Jahr in der Garnison Nürnberg beim Ers.-Batl. des Landw. Jnf.- Regt. „Abrichter"-Dienst getan hatte, gelang eS mir im September dieses Jahres, gegen den Wunsch meines mir sehr gewogenen Kompagnieführes, der mich noch weiter als Abrichter behalten wollte, zu einer Bay. ation im Osten abgestellt zu werden. S-ld hier Kampftruppe, unmittelbar gegenWer; aber es ist eine sogenannte „ruhige Stellung", wo nur die Artillerie ab und zu schießt. Meine Tättgkeit, in der Regel nur Nachts, besteht in der Beaussichttgung der Schanzarbeiten und in Feldwachen (Unteroff. Posten). Bei letzterer Arbett heißt es Augen und Ohren offen haben, da die RußkiS lieben, Feldwachen zu überfallen und auszuheben. In der Garnison drückte mich immer das Bewußtsein, daß ich als Gesunder und Gedienter, als deutscher Jude zur Dienstleistung an der Front berufen sei und, nun ich an der Front bin, freue ich mich darüber. Mit den Vorgesetzten und Kameraden läßt fichs sehr gut arbeiten. Dre Verpflegung ist durchaus be- " ledigend; nur die Unterkunftsverhältniffe bedürfen r den Winter einer Verbesserung. Herzliche Grüße Dein Siegfried Strauß (Sprev.) ...den 30.11.1917. Lieber Mainzer! Am 33. 11. war ich im Ruhequartier und benützte die Gelegenheit, nach denr 7 1cm wett entfernten Jwaniebuste zum Feldgottesdienst zu wandern. Diesen hielt unter Beteiligung von zehn Mann

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