KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 988 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Riga 1× ep/1000826
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Ich liege noch immer als Komp.-Führer im Osten, jetzt dicht bei Jakobstadt an der Düna. Den sehr interessanten Vormarsch nach Riga haben wir nicht mitgemacht, obschon unser Regiment fast 1'/, Jahr vor dessen Toren gelegen hat und uns wohl auch der Einzug Au gönnen gewesen wäre. Anstatt dessen kamen wir im Frühjahr in die ziemlich öde Gegend von Jakobstadt. An der Einnahme dieses Städtchens waren wir allerdings beteiligt; jedoch handelte es sich nur - um ein ziemlich unbedeutendes Unternehmen, da nur beabsichtigt war, unsere Linie 7—8 km, bis an die Düna vorzuschieben. Der Bormarsch ging für unser Regiment sehr einfach vor sich, da der uns gegenüber liegende Pänje nach dem nördlich erfolgten Durchbruch so rasch äbzog, daß wir nicht einen von ihnen zu Gesicht bekamen. Im übrigen war unsere Front im allgemeinen recht ruhig. ' Jetzt.herrscht völlige Waffenruheda wird nun wohl auch vätt» unsere Zeit im Osten vorüber sein, da man uns wo anders - nötiger haben wird. AebrigeriS habe ich neben der Führung der Kompagnie, die mir viel Arbeit, aber auch viele Freude macht, immer noch die.Funktion eines GerichtsoffizierS, sodaß ich wenigstens einetr gewiffen Zusammenhang mit. der Berufstätgkeit behatte. AugenbliMch weile ich zu, einem vierwöchigen Urlaub in Aachen, ich hösfe,7 in einigen Tagenauch meinen Bruder Leo zu trenen, der em Kommando nach Berlin hat. Bon A. C.ern treffe ich sonst nur Felix Loeb, der in derselben Brigade ist. Ich würde mich freuen, gelegentlich auch etwas von Dir zu hören; insbesondere vermiffe ich sehr Deine Rundschreiben, die uns früher in so vorzüglicher Weise ebenso'über Deine Tätigkeit, wie über K. C. und Judenpolttik unterrichteten. Ich bitte Dich, mich Deiner Frau Gemahlin bestens zü empfehlen und verbleibe mit den herzlichsten Grützen Dein Karl Löwenstein (Sie. Rh.j. Speyer, den IS. Januar 1918. Lieber Mainzer! Besten Dank für die Uebersendung der Quittung. Die verzögerte Ankunst erklärt fich aus meiner achtwöchigen Abwesenheit von hier. Ich war als begleitender Arzt mit einem Truppentransport in Italien. Wir fuhren (in ungeheizten Wagen bei IS Grad Kälte) über die Tauern, durchquerten zu Futz die Borberge von Karfreit über Tolmein nach Cividale. Der wettere Weg tellS im Güterwagen, teils im Lastauw, führte über.... ., den Tagliamento bis fast zum Piave. Auf dem Rückweg hielt ich in Monfälcone, Gör», Gradine rc. an, dann Triest, Wien. Bon Bundesbrüdern traf ich in Cividale zufällig. Eugen Strauß, in Pordenone Robert Lerchenihal. Die Details dieser wohl einzigartigen Reise werde ich . Dir gelegentlich in Frankfurt schildern. Hoffentlich geht es Dir und Deinen Angehörigen gut. Die K.C.- Mitter bekomme ich pünktlich. Herzlichen Gruß Dein Oskar May (Lic., Fr.-Ghib ). Bom Tode Adolf Marx war ich sehr überrascht. Ich traf ihn öfter, er sah schlecht aus, doch wer dachte an Sterben?. Zur Beerdigung war rch nicht hier. Oberitalien, den 2. Dezember 1917. Mein lieber Atter Herr! Ich habe Dir schon lange nicht mchr ausführlich geschrieben, aber gelt: ut desint vires; . . .! Also ich habe wieder mal Flandern zu meinem großen Schmerze unsicher machen müffen. Wir hatten wirklich geglaubt, man ließe uns mit dieser Gegend in Ruhe, nachdem wir dort schon zwei Monate ausgehalten .hatten. Aber umgekehrt wird ein Schuh drauS ü Am 7. Oktober steckte man uns schön hinter das vielumstrittene PaSschendaele, diesen Brennpunkt der englischen Angriffe. ES herrschte ein Sauwetter, von Untevkunst keine Spur. Vorherrschend waren Dreck, aber gleich kniehoch, und feindliche Granaten bis zu 38 em Kaliber, dazwischen eingestreut zwei Großkampftage, die an Güte nichts zu wünschen übrig ließen. Man hatte Tag und Nacht keine Ruhe. Kurzum, es ging unbeschreiblich toll zu! Am 12. Oktober verdiente ich mir das E. ft., das ich dann auch Anfang November verliehen bekam. Aber mag's auch noch so schlimm gewesen sein in dem Hexenkessel dort, jetzt, nachdem man mit Gottes Hilfe wieder heil heraus ist, hat man doch das wohltuende Gefühl, „Du bist dabei gewesen und hast ein winziges Stück Weltgeschichte mttmachen helfen." Von Flandern au» ging'S in die Vogesen. an ein ruhiges Plätzchen; aber auch dort blieb ich nicht lange; denn schon nach einigen Tagen wurde ich an ein Feldlazarett versetzt. Und wen traf ich dort als „Inneren"? Unfern A. H. Zivilarzt Dr. P. Gutmann aus Berlin. Na, die Freude! So ganz zufällig haben wir unsere Bundesbrüderlichkeit erst nach einigen Tagen entdeckt. Das Lazarett war gerade auf dem Sprung hierher nach dem „sonnigen Süden", wo's aber ganz schön kalt ist. Die Reise durch Tirol war-herrlich. Jetzt liegen wir in einem kleinen italienischen Dicke in Rüde. Wo wir unsere Zelte äufschlagen werden, ist noch unbekannt. Die Zrvilbevölkerung ist hier sehr zuvorkommend und gibt uns, was sie hat. Wein kann man direkt vom Faß trinken in unbegrenzten Mengen. Unsere Leute leben fett einigen Tagen nur noch im Ealbdusel. Kaffee trinke ich auch nicht mehr, nur Milch. ornehm muß der Mensch sein. Ach so, Du weißt nicht mehr, was Milch ist? Das ist die weiße, in Deutschland früher auch oft bläuliche Flüssigkeit, die r Zetten auch bei Euch daheim existierte. — Wir hoffen hier fest auf einen nicht allzufernen. Frieden. Wie viele prächtige Menschen hat der Krieg auch unserem Verband genommen! Wenn ich bedenke, daß man von unserem lieben Bbr. Fritz Meyer, diesem so viel versprechenden Menschen, immer noch keine Nachricht hat, dann zieht sich mir das Herzusammen. Aber hoffen wir das Beste für ihn! Wie geh-es Dir und Deiner werten Familie? Ist es wirUich wahr, daß Du auch heraus sollst? Ja, was soll denn dann der K.C. machen? Ich grüße Dich berzlichft. Dein treuer Bbr. Kurt Oppenheimer (Bav.). 35. 12. 17. Lieber alter Herr! Ich weiß es außerordentlich zu schätzen, daß Du, deffen Arbeitsüberlastung ich aus eigener Anschauung kenne, mir jungen BunoeSbruder auf meinen Brief persönlich antwortest. Hab herzlichen Dank dafür, ebemo für Deine l. Glückwünsche. — ES hat mich ttef erschüttert, daß Du nicht mehr an dem Tode unseres lb. Bbr. Fritz Meyer zweifelst. Ich kann mich noch gar nicht an den Gedanken gewöhnen, daß ich sein treues, stets so lustiges Gesicht nicht mehr Wiedersehen soll. Fritz Meyer ist auch einer derjenigen, deren wir nach dem Kriege in der schweren Ubergangszett bedurft hätten und der sicher nicht versagt hätte. Sein schriftstellerisches Talent und seine Literaturkenntniffe sind ja schon fast K. C.-bekannt. Selbst noch Fuchs habe ich ihn im Wintersemester 1918/16 gekeilt und ihn genau kennen und schätzen gelernt. Er brauchte nicht mehr allzuviel in den Fuchsenstunden, zu lernen, er war schon, als er zu uns kaük, uns innerlich nahe, em Fuchs, auf den man stolz sein, mit dem man Staat machen konnte. Herrliche Fuchsenzeit, die wir zusammen verleben durften! Ein feuriger Kopf in seinepStuxm- und Drangperiode, manchmal noch überschwenglich, ein