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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 987

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 987 (sequence 9)
Language
German
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m Kbr. Freudenthal brachte. Am gleichen Tage erfuhr ich es auch noch auf anderem Wege. Sie werden sich leicht vorstellen, können, wie nahe einem dasgehen mutz, wenn man selbst bei der Verwundung unmittelbar zugegen war. Zwar habe ich den armen Kbr. nürwemge Stunden gekannt, aberdaSEntsetzliche der Stunde hat uns näher zusammengebracht, als es sonst Monate vermögen. Diese gemeinsame Nacht, die mit zu den furchtbarsten meines Lebens gehört, könnten wir uns doch gegenseitig etwas erträglicher gestalten. Auf dem kalten vereisten Felsen saßen wir so dicht beieinander, daß wir uns buchstäblich gegenseitig gewärmt haben. Es wird Sie sicher interessieren noch einiges über die letzten Tage von Freudenthal zu hören. Insbesondere dürfte es wohl für seine Angehörigen von besonderer Wichtigkeit sein, deren Adresie ich leider nicht habe. Vielleicht könnten Sie sie mir mitteilen, damit ich selbst schreiben Anfangs Dezember fuhr der Batl.-Arzt des .. Batl. unsere- Regiments in Urlaub. Vom Divisionsarzt wurde ein Oberarzt eines Feldlazaretts als Vertreter für diese Zeit bestimmt. Bei dem gleichen Regiment war seit einigen Wochen F. wegen Krankheit — was, habe ich vergessen, ihn zu fragen — tätig. Aus irgend welchen Gründen mochte öder konnte der betr. Oberarzt nicht, und so schob man statt dessen den guten dicken Freudenthal, der zuvor schon viele Monate bei einem Jägerbätaillon gewesen war, zur Jägertruppe. Nach meiner Ansicht eignete er sich für unsere Spezialtrüppe, die eigentlich als Gebirgstruppe besonders hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit des einzelnen stellt, > nicht infolge seiner Korpulenz. Das war der zweifellose erste Eindruck, den ich hatte, als ich ihn zum ersten Male, ohne ihn zu kennen, von weitem sah. Am 13.12. rückten unsere Bataillone vor in Stellung, bei Nacht aus dem Tale ging es steile vereiste Gebirgspfade hinauf, wo nicht einmal mehr unsere Tragtiere folgen könnten. Unterwegs hatten wir bereits einige Verluste durch das feindliche Artilleriefeuer. Am 14. 12. nachmittags ging das .; . Ball, und abends unser Batl., das. in Stellung. Das . . . Ball, ist übrigens ein bayrisches Bataillon. Das .. Bataillon hatte sich bereits zuvor durch glänzenden Heldenmut und kühnes Draufgehen ausgezeichnet, leider mit schweren Verlusten. Es folgte dann die entsetzliche Nacht, der ein so grausamer Wintersonnentag folgen sollte, bei dessen Anbruch der liebe Freudenthal so schwer verletzt wurde. Gar viele gute Karneraden sah ich außerdem damals noch bluten. Die Strapazen und all das Elend hatten einen abgestumpft. Erst setzt komme ich dazu, ein klares Bild wieder zu bekommen. Wie fröhlich wir Weihnachten da gefeiert haben, können Sie sich denken. Außerdem fegte damals noch ein Schneesturm über die Berggipfel. Es ist das zweite-Mal, daß ich in unserem Regiment einen jüdischen Akademiker bluten sah. Als unser Regiment in vorderster Linie am 24. Oktober am Tolmemer Brückenkopf die feindliche Front durchstieß, würde dem Bizefeldwebel d. Res. Referendar vr. jur. Walther Bing aus Straßburg, Vetter meiner Bundesbrüder Felix und Ernst Loeb aus Sobernheim, beim kühnen Sturm an der Spitze seines Zuges durch ein italienisches Geschoß der Oberschenkel vollkommen zersplittert. Ich habe nicht erfahren können, ob er durchkam/ zweifelhaft ist eS mir immerhin. Zum mindesten war der Verlust deS Beines zu erwarten. So toben wir halt weiter, nur daraus wartend, bis eS uns selbst trifft. Leben Sie wohl und seien Sie heimlichst gegrüßt von Ihrem Ir. Kbr. '' Zftitz Hertz (Rh.) 28. 10. 1917. Lieber A. H. Mainzer! Ich gratuliere Dich herzlich zu Deiner Auszeichnung, die ich durch die K. C- Blätter erfahren habe. Als ich neulich anläßlich der Festtage mit Kbr. Lazarus in Borczskowo zusammen war, sprachen wir auch von dem Ereignis. UebrigenS ist Kbr. Lazarus der einzige K. E.er, den ich ab und zu einmal bei einem Gottesdienst zu Gesicht bekomme. Ist sonst niemand hier in dieser finsteren Gegend? Wir liegen am Zbruez an der Grenze Podoliens, GalizienS und der Bukowina. Ich fahre Mitte November in Urlaub und will Dich, lieber A. H., auf der Durchresse in F. besuchen. Bis dahin viele Grüße und auf frohes Wiedersehen Dein treuer Bbr. Heinz Cohn (Bav.) O., 16. 12. 17. Lieber Mainzer! Bia Beverloo erhalte ich heute Deine Karte vom 6., Hab Dank für den freundlichen Hinweis. Alsberg ist inzwischen von B. weg und bereits verwundet (Granassplitter am rechten Arm und Schulter) im Lazarett, wie ich von meiner Frau höre, die mit Alsbergs Frau (Gine Fetth) verkehrt. Es geht ihm relativ gut, bald wird er einem Kölner Lazarett überwiesen. Getroffen haben wir uns in Bev. leider nicht, erst zögerte A. zu lange, der meine Adresse von seiner Frau hatte, dann ging ich auf Transport nach Osten und blieb anschließend zu vierzehntägigem Urlaub in Köln. Nach meiner Smckkehr fuhr ich hierher, um an einem Lehrgang beim Sturmbatl. teitzunehmen. Zu Weihnachten bin ich wieder in Beverloo. Der Dienst ist zwar hochinteressant, aber anstrengend, fast mehr aw ich noch zu leisten vermag. Jn'Warschau hielt.ich mich bei der Rückfahrt vom Transport einen Tag auf und besuchte Haas, der leider nur wenig Zeit hatte. Dankenswerter Weise verschaffte er mir durch Führung seines Bürovorstehers einen ungemein interessanten Einblick in das Judenviertel. Darüber mich hier zu verbreiten, fehlt es an Zeit. Es ist wohl auch nichts zu bemerken, was Du nicht schon wüßtest. 'Die Eindrücke waren erschütternd, ohne Lichtblick: Wenn Du glaubst, Neues erfahren zu können, bin ich gern berett. Dir von Bev. aus mehr zu schreiben. Immerhin kann ich keinen Anspruch auf maßgebliche Beurteilung erheben, es war eben nur. ein oberflächlicher Einblick in die Tiefe. Biele herzliche Grüße und angelegentliche Empfehlung an Deine Gattin Dein Gerson (Bad., Rh.) den 16. Januar 1918. Berehrtester Herr Kartellbruder! Durch A. K. O. vom 13.12.17 bin ich zum Leutnant der Landwehrfeldartillerie befördert worden und damit hat meine fett Kriegsbeginn ununterbrochene Tätigkeit als Fronssoldat endlich die langentbehrte Anerkennung gefunden. Ich bin fett dem ersten Tage der Mobilmachung bei der 6. Batterie des Feldartillerieregiments ... Mein Regiment hat besonders im vergangenen Jahr sehr stürmische Zeiten verlebt, wir waren im Frühjahr vier Wochen ber Arras eingesetzt, nahmen im Julr an dem Vorstoß bei Nieuport teil, kämpften zehn Wochen w der Flandernschlacht und beteiligten uns Ende November und Dezember an der Tankschlacht und an den Offensivkämpfen bei Cambrai. — Augenblicklich liegen wir auf einem Schießplatz in Ruhe und machen fleißig Dienst, der hauptsächlich in der Ausbildung des zahlreichen Nachersatzes besteht. Wir sehen mit größter Zuversicht den im Frühjahr zu erwartenden Kämpfen entgegen. Mit hen besten Grüßen Ihr Martin Goldfchmidt (Ghib.) Aachen, den lo. Dezember 1917. Lieber Mainzer! Sett langem plagt mich mein böses Gewissen, weil ich Dir gar nicht geschrieben habe.

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