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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 986

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 986 (sequence 8)
Language
German
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Die „Allgemeine Zeitung des JüdentumeS" vom 35. Januar 1918 brachte Über die Trauerfeierlichkeit für unseren gefallenen Kartellbruder folgenden Bericht: Eine würdige, von edlem Ernst getragene Trauerfeierlichkeit, wie man sie im Feldewohl noch kaum gesehen hat, fand am 30. v. M. auf dem Militärfriedhofe in T. statt. Den äußeren Rahmen derselben bildete einerseits die Teilnahme eines unübersehbaren Kreises hoher militärischer Würdenträger, andererseits dertraurige'Umstand, daß drei in der Vollkraft ihrer Männlichkeit stehende deutsche Offiziere, ein Jntentant und zwei Oberärzte, von denen vr. Dahlmann evangelischer, vr. Harry Freudenthal auS Beuthen i/Schlefien mosaischer Religion, ihren an der Front erlittenen schweren Verwundungen hier im Lazarett erlegen sind und gemeinsam zu Grabe getragen wurden. Lange vor der festgesetzten Stunde war der große Säulengang des Friedhofs derart überfüllt, daß die Leichenfeier im Freien abgehalten werden mußte. Die ernste Friedend« stätte stand so recht im Zeichen des Krieges, denn preußische, bayrische und österreichische Regimenter hatten größere Deputationen zur Leichenfeier entsendet. Es war ein glücklicher Gedanke, daß die beiden amtierenden Feldgeistlichen, unbeschadet des verschiedenen Ritual» ihrer Religion, sich schon vorher verständigt hatten, um sich in der Ausübung des Zeremoniells gegenseitig zu ergänzen, was auch nach außen einen vortrefflichen Eindruck machte. Zunächst nahm Pfarrer Thom die kirchliche Einsegnung der Leichen vor, indem er für die gefallenen Kameraden ein tiefergreifendes Gebet vortrug. Hierauf hielt Feldrabbiner vr. Link die Leichenrede. Der Redner ging von dem Gedanken aus, daß der deutsche Jude in seinem geistigen Ringen nach Selbstbefreiung mit einem heißen Sehnen nach Wahrung seiner gefestigten Glaubenstreue, begeistertes Deutschtum dem teuren Vaterlande entgegenbringt, mit allen Fibern seines Herzens in der deutschen Kulturgemeinschaft wurzelt, für die er an allen Fronten kämpft, blutet und stirbt, sein aufrechtes Judentum so zu Ehren bringend. In glühenden Worten wertete hierauf der Feld, rabbinex den idealen Beruf des Arztes im Felde, der in. eisigen. Gletschern deS Hochgebirges auf dem Posten schwerster Arbeit und mühevollster Pflicht steht, gegen Freund und Feind ein warmes Herz edler Menschlichkeit sich bewahrt und mit fester, starker Hand oft zugreifen muß, die der Schwerverwundete doch gern streichelt, weil sie soviel Barmherzigkeit und Wohltun in sich ballt. Dann nahm Pfarrer Thom im Namen der trauernden Angehörigen in der fernen Heimat wehmütigen Abschied von den gefallenen Helden. Mit dem „Vom Staube bist Du genommen", das Pfarrer Thom sprach und vr. Link auch hebräisch zitierte, schloß die einheitliche, den Geist der Versöhnlichkeit atmende Trauerzeremonie, die allen Teilnehmern zu einem läuternden, religiösen Erlebnis wurde. Seelisch erhoben verließen wir die ernste Stätte. aus unserer Zeldpost-vriesmappe. L-,8- Im Felde, den 19. 13. 1917. Lieber Herr Kbr.! Hierdurch möchte ich Ihnen Mitteilen, baß am 15.12. unser Kbr. Assistenzarzt Harry Freudenthal, neben mir durch einen italienischen Granatsplitter sehr schwer verwundet wurde, Steckschuß der rechten Hüfte, mtt Zersplitterung des Femur, so daß eS zweifelhaft erscheint, ob er durchkommen wirb. Ausführliches teileich Ihnen über ein trauriges Zusammentreffen zweier K. C.er dicht hinter den vordersten Feuerlinien im Hochgebirge im Winter noch mtt. Schwere- Tage liegen'hinter mir. Sobald wir in Ruhe kommen, sende ich einen kurzen Berichtfür die K. C.-Blätter. Herzliche Grütze .. Ihr vr. Hertz (Rh.) Im Felde, den 5. 1. 1918. Lieber Herr Kartellbruder! Hoffentlich ist meine Kartein der ich Ihnen die Verwundung unseres lieben Kartellbruders Harry Freudenthal am 15.13. mitteilte, in Ihren Besitz gekommen. Ich Habe bisher nicht» Weiteres darüber gehört, al» daß er „noch lebend" nach Deutschland abtransportiert worden sei. Das erfuhr ich beim Adjutanten deS Divisionsarztes. Wettere Nachricht habe ich bisher nicht bekommen können. Vielleicht wird es aber Sie und den Verband interessieren, wie merkwürdig das Schicksal spielte, da» uns zusammenbrachte. Am 14. Dezember kam ich mtt meinem Bataillonßstab znr Ablösung in Stellung und traf dort in dunkler Nacht den Bataillonsarzt des . . . Bataillons, der erst vor einigen Tagen für einen beurlaubten Arzt hen Dienst übernommen hatte. Wir lernten unS dort oben am dunklen Abend nach einem blusigen Tage in 1509 Meter Höhe kennen. Es war auf einem steilen vereisten FelS, den man nur mtt Steigeisen besteigen konnte, und ich hatte im Heiden aufrichsige Bewunderung für den etwas korpulenten Kollegen, der da hinauf gebimmen war. Wir verabredeten un», den Verbandsplatz für beide Bataillone gemeinsam zu legen und erkannten un» bald gegenseitig als K. C.er. Für uns beide war e» da» erste Mal, daß wir einen Kartellbruder im Felde trafen. So ermüdet wir waren, so sehr freuten wir uns und tauschten unsere Gedanken aus. Das brachte uns über das Fürchterliche der Situation hinweg. Wir saßen an einem Steilabfturz, konnten kein Feuer machen und uns auf dem kalten Felsen nicht rühren. Mitte Dezember in 1509 Meter Höhe! Es war eine schreckliche Nacht. Am anderen Morgen ging ich, oder vielmehr kletterte ich zum Telefon, um den Abtransport einiger Verwundeter zu organisieren. Da schlägt plötzlich neben mir, kaum 2 Meter entfernt, eine feindliche Granate als Volltreffer in den Unterstand des Basi.-Stabes vom . . . Batl., der vollkommen verschüttet und wie sich später herau»- stellte, auch getötet wurde. Ich veranlasse gerade das Nötige, um die Offiziere auSzugraben, da höre ich den Kollegen Freudenthal und noch viele andere schreien, daß sie verwundet seien. Freudenchal lag blutüberströmt da, auch meme Decke war voll von seinem Blut. Ich schnitt ihm die Kleider auf, gab chm Morphium, versorgte seine schwere Wunde und veranlatzte den Abtransport. Seitdem habe ich nichts mehr von chm gehört. Ich hatte auch damals alle Hände voll zu tun, da durch die gleiche Granate noch viele andere Offiziere und Mannschaften verwundet wurden. Ich habe dann noch bis zum 28. 13. in Eis und Schnee, ohne Untere kunst im schweren Granatfeuer aushalten müssen, als einziger Arzt für zwei Bataillone, jetzt find wir endlich in Ruhe, allerdings habe ich auch halberfrorene Füße. Selbstverständlich bin ich noch bei meinem schönen Jägerregiment und hoffe bis zum Kriegsmrde dabei auszuhauen. Die gleiche Angelegenheit gab mir die große Genugtuung, daß es mir gelungen ist, dem swlzen Regiment Achtung vor den Juden in Kämpfen und Strapazen aozuringen. Besten Gruß Ihr vr. Hertz (Rh.) , Wenn Sie von Freudenthal etwa» hören, bitte e» mir doch auch mttzutetten! Er versprach mir zwar, selbst zu schreiben, aber dazu wird er zurzeit kaum fähig fein. Im Felde, den 19. 1. 1918. Lieber Herr Kbr.! Gestern empfing ich Ihre Starte, die mir die Trauerbotschaft vom Heldentod unseres l.

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