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KC-Blätter · 1918-01-01 · Heft 20 (Januar 1918) · p. Seite 985

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 20 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 985 (sequence 7)
Language
German
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Harry Zreudenthal. . sGhibelliniae). Harry Freudenthal ist nicht mehr/ unser .quter „Dicke", mein lieber, treuer Freund und Schulkamerad, mein Studien genösse und Lebensgefährte ist den Tod für düs Vaterland qestorben. Wieder einer unserer Besten, ein K. C.er durch und durch hat uns verlassen. Am 15. 12. 17. wurde Harry Freudenthal durch Beckensteckschuß und Zertrümmerung derechten Oberschenkels im Hochgebirge der italienischen Front schwerverwundet und starb am 28.12. in Trient. Auf dem dortigen Militärfriedhof ist er zwei Tage später bestattet worden. Ein Mensch, der neben köstlichem Humor eine tiefe Herzensgüte sein eigen nannte, ein Mann von lauterem und edlem Charakter ist dahingegangen. Wer Freudenthal nicht näher kannte, mochte wohl meinen, daß er daS Leben nur von der sorglosen, der heiteren Seite nahm. Dem war aber nicht so. Freudenthal wollte keine Rolle spielen, sondern etwas sein, etwas werden- AuS einer tiefen und klaren Selbstempfindung und Besonnenheit quoll eine feste Entschlossenheit zu selbständiger und eigenqearteter Lebensführung. Es war ein bewußtes, organisches Selbstwerden, stetig, ebenmäßig und zielbewußt, zu dem Freudenthal sich emporgearbeitet hatte. And sein lebendiger Frohsinn könnte ihn nur darin unterstützen. Ein starkes, stolze- Selbstbewußtsein, aber keine Selbstüberhebung zeichnete ihn aus. Füst fünfzehn Jahre haben wir Freude und Leid zusammen getragen. Innigste Freundschaft verband uns während der Schulzeit, und noch enger schloffen wir uns während der Studienzeit aneinander an. Mit Wehmut gedenke ich der schönen Stunden, die wir zusammen verbrachten/ unvergessen werden mir die Tage und Nächte bleiben, in denen wir uns gemeinschaftlich für die Examina vorbereiteten und uns nach aller Arbeit bei seiner nun so schwer getroffenen Mutter ausruhten. Nicht nur innige Mutterliebe, sondern auch wahre, echte Freundschaft verband diese trefflichen Menschen. Schon während der Schulzeit keilte unS Freudenthal für den K. C. Mit .ganzer Seele, mit echter Begeisterung hing er am Verband, wirkte er für den K. C. Wie sehr liebte er seine Liearia und besonders die Ghibellinia. Er war einer der eifrigsten, die dabei mitwirkten, als die Ghibellinia Couleur aufsetzte, und als es vorübergehend der Verbindung in Freiburg schlecht ging, war er es, der sofort ihrem Rufe folgte. Und ich darf wohl sqgen, daß der Aufschwung unserer Ghibellinia mit eine Folge seiner rastlosen, unermüdlichen Tätigkeit war. Unvergeßlich bleiben uns die Stunden, die Harry Freudenthal als Fuchsmajor sahen. Der Fröhlichste und Lustigste konnte er sein und war es auch, aber ebenso sachlich und überlegt war er auf den Conventen. Nach bestandenem Examen blieb Freudenthal kurze Zeit in Breslau und ging dann nach Königshütte, wo er bis zum Kriege weilte. Als aber alle inS Feld zogen, wollte Freudenthal nicht länger zurückstehen. Gar oft kam er zu mir, als ich eine Zeitlang zu Hause war, und klagte mir seine Unzufriedenheit, daß er in der Heimat bleiben müßte. Er wollte und mußte „raus". Im Februar 15 kam er als landsturmpstichtiger Arzt ans Seuchenlazarett Czenstochau, dann nach Lublinitz und wieder zurück nach Czenstochau. Bon hier meldete er sich freiwillig am 1. Mai 16 als Soldat zum Jnf.-Regt. 51, da er Sanitäts-Offizier werden wollte. Am 1. Juli 16 ging er als Unterarzt mit einem Jäger-Regiment in- Feld, machte die schweren Karpathenkämpse mit, kam durch Rumänien und von dort wieder nach den Karpathen. Im Oktober 16 wurde er Assistenz-Arzt und erhielt Weihnachten 16 daS Eiserne Kreuz. Ende Februar 17 war er daS letzte Mal auf Urlaub. Oft schrieb mir Freudenthal, wie er sich freue, mit draußen tätig zu sein, obwohl es ihm mitunter gar schwer fiele. Sommer 17 machte er die Offensive in Galizien mit und kam dann nach Italien. Die Kämpfe um Udine und am Tagliamento sehen ihn in vorderster Linie. Hier erlitt er eine Quetschung eines Beines, kam infolgedessen in ein Kriegslazarett, von hier wieder zur Front und im Dezember ins Feldlazarett 44. Von hier datiert sein letztes Schreiben, in dem er mitteilt, daß im . . . Jäger-Regiment der Bataillons-Arzt erkrankt sei und er ihn vertreten müffe. „Das werden 4 schwere Wochen werden, denn es geht dort scharf zu, aber nachher, um den 15. Januar, erhalle ich weinen Urlaub." Leider kam eS anders. Am 15. 12. wurde Freudenthal dicht neben unserem Kbdr. I)r. Fritz Hertz verwundet und erlag nach 13 Tagen seiner Verletzung. So mußte auch er den vielen, den Ungezählten folgen, fern der Heimat, fern von seinen Lieben. Einen getreuen Mitkämpfer, einen Menschen von hervorragenden Charaktereigenschaften, von reiner, warmer Herzens güte haben wir verloren. Eine große, tiefe Lücke hat sein Tod in unseren Verband und insbesondere in den Verband oberschlesischer K. C.er gerissen. Schmerzlich und bitter empfinden wir seinen Verlust. vr. W. Reichmann sGhibelliniae).

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