KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 984 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gelitten. Ueber 2 Jahre bekleidete er diesen Posten.. Da-kam — während Adolf auf Urlaub war — die berüchtigte Judenzählung und verletzte chm in seinem Innersten. Aber er fand darauf eine Antwort/Hie seiner, des alten K.C.ers, würdig war: Vom Urlaub zurückgekehrt, Uetz er sich von seinem Kommandeur, mit dem er eng verbunden war, eine Kompagnie übergeben, damit er im vordersten Schützengraben dabei sei. Sooft er auf Urlaub war, sprachen wir uns. Im Mai 1917 hatte er längeren Urlaub. Wir hatten damals in der Loge eine kleinere Festlichkeit,, die wir beide mitmachten. Er hielt dabei eine längere Ansprache, die uns erfahren lietz, wie er als jüdischer Offizier gefühlt und gearbeitet hat. Er hat in feiner Stellung viel für unsere Sache geleistet! Er sagte damals zu mir: durch den Krieg hat sich mein jüdisches Gefühl, wenn möglich, noch vertieft. Und wenn Adolf Atqr; etwas sagte, dann war es auch so! Im Juli 1917 mußte er dann aus der Front zurück! Verschiedene Schwächeanfälle zwangen ihn zum Wege hinter die Front. Wir stellten damals eine leichte Herzerweiterung fest, von der er sich durch entsprechende Kuren wieder erholt zu haben schien. Nach mehrmonatigem Urlaub ging er in seine Garnison Landau zurück und kam wieder zum 18. bayer. Infanterie- Regiment, bei dem er gedient hatte und Reserveoffizier geworden war. In Landau erlitt er am Abend des 14. Dezember 1917 einen Herzschlag. Innerhalb weniger Stunden hatte er ausgelitten, vielleicht erst in der letzten Stunde ahnend, daß der Tod ihm nahe! Seine letzten Worte waren: „Wenn es mir schlecht gehen sollte, dann grüßt weine Frau und mein Kind!" Er war, wie bei der Sektion sich herausstellte, einer Verkalkung der Kranzgefäße des Herzens erlegen. Auf solch tragische Weise mußte ein Herz, das: so treu und lebhaft zu schlagen wußte, zu Grunde gehen! Wir alle, insbesondere unser Mannheimer Kreis, haben mit dem Hinscheiden unsers Lieben Adolf viel, unendlich viel, verloren. Wir durften den Tränen, die uns an feiner Bahre in die Augen traten, freien Lauf lassen, denn er war ihrer wert. Die wenigen Worte, die ich ihm im Namen der Mannheimer Freunde in der hiesigen Tagespresse widmete, möchte ich an den Schluß dieses Nachrufes fetzen: „Er war einer unserer Besten!" 0r. Gustav Cahen ____ (Badeniae). Mit militärischen Ehren und unter dem Ehrengeleit seiner Heidelberger Verbindung und einer sehr zahlreichen Traueroersammlung aus allen Kreisen Mannheims und v on auswärts-besonders vieler Kolleaen des verstorbenen, hat man am 19. Dezember 1917 einen der bellebteste» ». C.er, unseren lieben vr. Ado lfMarx zur letzten Ruhe geleitet. Außer den wenigen ortSänwesenden Mannheimer K. C.ern waren auch aus den benachbarten Städten alle Bundesbrüder, denen des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr die Reise ermöglichte, herbeigeeilt, um dem so jäh Heimgegangenen Freund die letzte Ehre zu erweisen. Nach der Rede des Geistlichen und einerwärmherzigen Wü^digung des Heimgegangenen durch seinen chm beruflich verbundenen Kollegen, Herrn Rechtsanwalt Or. Loeb, sprach zunächst Namens der August Lamey-Loge A. H. Dr. Gustav Cahen (Badeniae): Aus gemeinsamen Jugenderinnerungen ließ er noch einmal die Gestalt des Jünglings und Mannes lebendig werden, in der Fülle seiner Herzens- -und Geistesgabenin der überströmenden Krast seines Wesens, die er in treffendem Gleichnis dem Wildbach verglich, der über alles Hemnis und Hindernis reißend hinwegsetzt, aber rein ist bis in den tiefften Grund: Nach ihm gab Ä. H. 1)i\ Mainzer, Frankfurt a. M. (Badeniae, Spreviae), Namens des A. H. B. Badenia und der K. B. Bavaria, der K. B. und des A. H. B. Sprevia und des A. H. V. Friburgo-Ghibeüinia und der K. B. Ghibellinia, den Empfindungen Ausdruck, die alle diejenigen beseelten, die in fast 23jähriger bundesbrüderlicher Freundschaft unserem Adolf Marx nahe standen. Er schilderte Adolf Marx als den Mann ohne Furcht und Tadel, der in selbstloser, aber selbstbewußter stolzer Hingebung an die gemeinsamen Ideale als aufrechter Jude und treuer Deutscher gelebt und gewirkt und imDienste des gemeinsamen.Ideals sein Leben fürs Vaterland geopfert hat. Noch einmal lietz er das Bild des allzeit temperamentvollen Feuerkopfes lebendig werden, der in seiner grenzenlosen Hingabe an das als recht Erkannte auch im beruflichen Leben ganz derselbe geblieben war, der er als jugendlicher Student einst gewesen, ein Kämpfer von lauterster Gesinnung, ein Freund von vorbildlicher Treue, deffen ewig jugendsrische Gestalt zumal im Kreise der Heidelberger Freunde zu allen Zeiten schmerzlich vermißt werden wird und in deffen Spuren den Kampf für unser Recht weiterzuführeu, unser Dank für sein Wirken sein müßte. — Namens des Ersatz-Bataillons des bayerischen Infanterie-Regiments Nr. 18 legte deffen Führer mit Worten hoher Anerkennung für die militärischen und menschlichen Tugenden des toten Kameraden einen Kranz an der Bahre nieder. Nachdem noch ein Offizier des 8. bayerischen Landwehr-Jnf. RegtS., in dem Adolf Marx 3 Jahre als Regimentsadjulant und Kompagnieführer gewirkt hatte, und Vertreter der Unteroffiziere und Mannschaften der Kompagnie, die er zuletzt-geführt hatte, ihren „guten Hauptmann" mit schlichten Worten gefeiert hatten, sprach für den Mannheimer Anwaltsverein deffen Vorsitzender, Rechtsanwalt König, und für das Landgericht Mannheim deffen Präsident Dr. Stein, und schlietzlich brachte in einfachen, aber tief empfundenen eindrucksvollen Worten der Vorsitzende des Vereins ehemaliger bayerischer 18er den Dank seiner Kameraden an ihrem langjährigen, stiller Wohltätigkeit ergebenen Vorsitzenden zum Ausdruck. Unter Orgelklängen sank dann der Sarg in die Tiefe. — Wir aber, unseres „Adolfs" älteste Bundesbrüder, denen allen sein unerwarteter Tod gewaltig ans Herz gegriffen hat, verließen tief erschüttert und das schmerzliche Ereignis noch kaum fassend, die Stätte, wo die Asche dieses Mitkämpfers, der wie kein anderer nach Temperament und Wesen das Leben selbst zu sein schien, so allzufrühe die letzte Ruhestätte gefunden hat. 'S**-