KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 983 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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983 Atolf Marx. (Badeniae, Spreviae, Friburgo-Ghibelliniae.) Wenige Wochen sind es her, da hatte ich mit Mainzer einen schriftlichen Gedankenaustausch über unser Verbandsorgan und sagte ihm damals unter anderm, wenn ich nur ein wenig Zeit hätte, würde ich gern auch einmal die Feder zu einem Artikel eintauchen. — Und nun zwingt mir das Schicksal die Feder in die Hand, um einen Nachruf zu schreiben für Adolf Marx. — Ich glaube, bis an mein Lebensende werde ich den Schauder und die Erschütterung nicht vergessen, die mich überfiel, als in der Frühe des 15. Dezember der Fernsprecher mir die Kunde brachte, daß Adolf Marx von uns gegangen. — Ich wußte ja, da ich ihn im Juli nach seiner Heimkehr von der Front untersucht hatte, daß sich infolge der Mühen und Aufregungen des Frontdienstes auch an dem stählernen Gerüst seines Körpers mancher Sprung und Riß gezeigt hatt», aber daß er schon ein vom Tode Gezeichneter war, das ahnte ich nicht, das ahnte keiner von all denen, die ihn in den letzten Monden und Wochen seines Lebens gesehen, gesprochen und ärztlich behandelt hatten. — Annährend 23 Jahre sind es her! Eine große Corona war in der Harmonie zu Heidelberg versammelt, wir feierten unser großes 5. Stiftungsfest. DaS erste in Couleur, meines Erinnern-. Da tauchte Adolf Marx auf. Ein schlanker Jüngling mit leuchtenden Augen, frisch gebackener Mulus, im üblichen, schlecht sitzenden Bratenrock. Noch, wie wenn es gestern gewesen wäre, steht mir der Augenblick in Erinnerung, da Adolf Marx das Wort ergriff, in noch unbeholfen jugendlichen Worten sich zu uns bekannte und später, als ob er damit seinen Worten noch Nachdruck verleihen wollte, an der ganzen, großen Kneiptafel vorbeidefilierte und einem jeden von uns feierlichst seine Visitenkarte überreichte. — Da ich selbst in den nächsten Semestern nicht in Heidelberg war und den jungen Füchsen nur durch meine allerdings recht häufig nach Heidelberg unternommenen Gastspielreisen nähertrat und auf Herz und Nieren prüfen konnte, so lernte ich auch Adolf in den ersten Jahren eigentlich mehr von Hörensagen kennen. — Was uns Aeltere damals ja immer am meisten interessierte, das war der persönliche Schneid des Nachwuchses. Und da konnten wir bei Adolf ohne Sorge sein. WaS wir da immer von ihm zu hören bekamen, das ließ unsere He^en hoch und höher schlagen. Wo immer er auf Mensur stand, da flogen die Späne. Wehe dem, der ihm unter die Klinge kam. Wo man ihn hinstellte, da . stand er, nie besiegt, fast immer Sieger, seinen Mann. — So war es in seinen jungen Jahren, so war es später, da! er im Leben stand. Wie er in Heidelberg durch sein kerniges, temperamentvolles, dabei liebenswürdig-frohsinniges Wesen sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, so erwarb er sich' auch bei den Berliner und Freiburger.Bundesbrüdern,bei denen er einen Teil seiner späteren Semester verbrachte, die Freundschaft aller, und mit Recht konnte ein alter Spreve in diesen Tagen schreiben, daß Adolf Marx wie kaum einer den Freunden die Jugend verschönen half und einer der beliebtesten K. C.er war. In Mannheim trafen wir uns wieder. Ich stand schon lange in der Praxis, er kam als junger Referendar hierher. Er noch in voller Gährung, ich schon etwas abgeklärter. Gar manches Geplänkel gab es mit ihm, gar manches heftige, später bereute Wort fiel auf beiden Seiten, wenn es zwischen ihm und dem einen oder andern Bundesbruder zu Meinungsverschiedenheiten kam. Und doch wußte man immer, daß man es mit einem grundehrlichen, treuen Menschen zu tun hatte. Unbeugsam und wie ein Feuerkopf wild bis in seine letzten- Tage hinein war er, sodaß ich in dem Nachruf, den ich an seiner Bahre hielt, von ihm sagen konnte: er kam mir immer vor wie ein junger Wildbach, aufschäumend, aufbrausend, alle Hemmungen und Hindernisse aus dem Wege räumend, dabei von einer tiefen, kristallhellen Seele. — Sein Temperament kannte keine Grenzen, bis zuletzt rvar er der jugendliche Feuergeist. Wie glühte es in ihm, da er in den ersten Augusttagen 1914 hinauszog! Wir mußten uns beide in Germers- Heim stellen! Als ich am ersten Abend, es war am 3. August, in Bermersheim ankam und durch die krummen Straßen des alten Nestes zog, da kam mir ein Feldgrauer mit seinem Roß entgeaen. Es war Adolf. Erst besorgten wir dem Roß ein gutes Nachtquartier, dann uns. Und dann saßen wir beisammen. Ungewiß über das Schicksal, das uns beschieden wäre und doch stolz, daß wir dabei sein durften. Bis in den Morgen hinein saßen wir beisammen, die wir vorher schon so oft beisammengesessen hatten. Alles gemeinsame Erleben ließen wir-noch einmal an uns vorüberziehen. Die Sorge um uns selbst trat zurück hinter manch anderem und die Hoffnung, daß wir als Juden gestärkt und besser gelitten aus dem Kriege hervorgehen möchten, durchflocht unsere Gedanken und Worte. ZumAbschied ein fester Händedruck, der von Adolfs Worten begleitet war: wenn es sein muß, dann eine sicher tötende. Kugel l — Er zog. hinaus und von allen Seiten hörten wir, wie' glänzender sich immer bewährt hat. Er war als Regimentsadjutant — ein seltener Fall — überall wohl-