KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 976 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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m Ideale der Gründungszeit Stückfür Stück inS Grab Munken, und auf dem Sockel, auf welchem einst die «ichtgestalt einesr Schiller sich erhob, aus..tiefster SeeleGwon freiheitsdürstenden deutschen Jünglingen jedes Glaubens verehrt, thront jetzt in erhabener - - Größe Ler DeuÜchengländer -H. EllüChanrherlgM, -der Herold WerRäffentheorie und-des finstersten Judenhasses. „O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden!" -- . . Das ,Jubiläum einer Burschenschaft. Der Tagespreise entnehmen wir folgende Notiz: „Wenige Lage 'nach dein Wartbürgfest wurde in Breslau eine Burschen- .schäst', gegründet, die sich) als andere an derselben Universität hinzukämen, die „alte Burschenschaft'der Raczeks" 'nannte.' 'Der letztgenannte Name zur näberen Bezeichnung der Verbindung ist eigenartig und insofern im studentischen Leben wohl einzig in seiner Art, als Raczek lediglich den Namen des Wirtes bezeichnet, der -der Burschenschaft.zurzeit! -her slDemagogenverfolguyg- Unterschlupf gewahrte. 'Unter diesem Namen wären ft« in Schlesiens Hauptstadt bald allenthalben bekannt und seine offizielle Annahme als Ehrentitel kennzeichnete, als günstigere'Zeiten kamen, lediglich den Tribut der Dankbarkeit gegenüber dem wackeren Kneipwirt Später fiedelten sie zum Früh--und Dämmerschoppen nach dem Ratskeller,'imBolkswunde ,/Schweidnitzer Keller^ genannt/ 'Überwb-äm'vordersten' Raum vor einigen Jd'hreN eine Bronzetafel ^angebracht wurde) die in : goldenen Buchstaben die-Inschrift-trug: ' /,Hier zechten vn die 70 Jahr die Raczeks? für Freiheit -und Recht, hoch FreihÄt, »Ehre immerdar!^ 'Sre von dein FreibütgerHistorikerProf.Dr.Rachfahl verfaßte Jubiläums- -LenWrift zählt über 4800 ehemalige Mitglieder auf, darunter Namen mit recht gutem Klang) wie Ferdinand . Läffalle/ den verstorbenen Fürstbischof Förster und Weihbischof Mlmczanowski, den verstorbenen' Berliner ' Oberbürgermeister vonForckenbeckund den einige Jahre 'vorher 'dahingeschiedenen Stadtverordnetenvorsteher Dr^Sträßmann, Geh. LegatioNsrat Qr. Hellweg'usw/^ HieW "ist äiir bemerken, daß schon vonden - hier mtgeführten Lass alle 'und 'Sir atz m an n Juden waren. Die' Zähl 'sonstigerjüdischer Mitglieder ist gerade bei ben Räczeks bemerkenswert groß gewesen und ihnen verdanken sie-wie die Burschenschaft überhaupt einen nichtunbeträchtlichen Teil ihrer Kraft und ihres Ruhms. Berthold Auerb a ch - war - ebenfalls Mitglied einer Burschenschaft in Tübingen.- Wenn auch die Burschenschafter allesamt' stramm antisemitisch - geworden sind, ftibt eS noch heute eine große Menge von jüdischen Alten Herren, die trotz der Schwenkung das Band derjudenfeindlichen Verbindungen - tragen/ selbst solche, die im öffentlichen jüdischen -Leben eine große Rolle spielen! Auch ein erheiterüdesBild zur Psychologie des modernen jüdischen Lebens! i . - " Mr größere politische Freiheit der Studierenden. ,Aus Anlatz ber Demonstrationen im Hörsaale des Hrofeffürs Försters in..München erheben Studenten undStudentinnen der. Heidelberger Universität Protest g^n das Vorgehen der Demonstranten und . fordern gleichzeitig für die . Studierenden dieselben politischen - ynd rechtlichen Freiheiten wie ste jeder andere 18jährige Staatsbürger,'besitzt, also! die Aushebung der Sonder- Mchranküngen. für . .Akademiker. „Mr empfinden es ,.beutp als besonders erniedrigend und beschämend" — heiIt es in.der Kundgebung)— „daß wir für den Bestand einer staatlichen Ordnung nicht mitverantworlich .Wd^ fyr^die .wir Leben und Kraft einsetzen müffen." - Duellverböt. Der junge'Kaiser von Oesterreich hat Zeinen: Armee- und 'Mottenbefehl erlaffen,, der wegen. der rveitgehendenFolgen/ dieer auch für das akademische Leven der'Doppelmonarchie — vielleicht auch Deutschlands. — haben kann, - an dieser: Stelle wörtlich mitgeteilt zu werden verdient. Er lautet:. /-Aus längst vergangenen Zeiten hat Meine .bewaffnete Macht den tweikampf übernommen, und ihn als -eine) traditionelle inrichtnng beibehalten. Das Festhalten aNiallenUeberlieferungen kann aber nicht dazu führen), daß wider bessere Ueberzeugung, wider, göttliches Gebot und wider das Gesetz die Austragung vonEhrenkränkungerr auch fernerhin der? Geschicklichkeit:.im Wgffengeprauchtzüber. antwortet und dadurch. dem. blinden<Zufall überlassen wird. Zu einer Zeit, in der jedes einzelne Leben dem Baterlande, der Allgemeinheit gewidmet sein muß, dürfen Ehrenkränkungen nicht mehr im Kämpfe mit den Waffen ausgetragen werden. . Wer sein Leben im Zweikampf auf das Spiel setzt, handelt nicht allein gegen das Gebot und Gesetz,/erhandelt auch gegen sein Vaterland, daß. auf die ungeschwächt.« Kraftiedes Mannes jetzt zur Verteidigung , seiner Grenzen,. dann zum .Wiederaufbau, und zum Fortschritte zählt.- Das allbewährte Pflichtgefühl' und das sichere Urteil der militärischen Ehrenräte geben Mir eine Bürgschaft «dafür, daß sich ihrem Ausspruch jeder wahrhaft ritterlich denkende Mann , freiwillig unterwirft und daß durch ihxe. Entscheidung Ehrenangelegenheften in. Hinkupft auch ohne Zweikampf nach Ehren und Pewiflen aüsgetragen, werden können. Ich verbiete daher allen .Angehörigen Meiner 'bewaffneten Mächt . den ^Zweikampf, und jedwede Teilnahme an.einem Zweikämpf," — Cs ist sicher, daß 'dieser. Schritt auMzü)e.in.er umfang, reichen Agitation.^'Mauders.seitM.djL.Z«ftrqmS in Deutschland führen wird, ummichhier' Aehnliches zu erreichen- Ob natürlich --«in bloßer,Erlaß die' Kraft haben kann) die von ihm erstrebtencAenderungen zu erzielen, kann fraglich erscheinen.' Es. gibt genug wirkungslose Befehle und Verordnungen von - Herrschern/- die sich gerade mit der-tief-eingewurzelten Sitte des Duells befaßen. Immerhin - verdient die! hier - .angestrebte Reform —- mag man sich sachlich zu ihr stellen, wie man wolle - $ die ernsteste Beachtung. Denn wenn der kaiserliche - Wille -zu einer völligem Abschaffung des Duells führen sollte, würden: einerseits bei-.der-engen Waffenbrüderschaft auch die reichsdeutschenBerhältniffe berührtwerden, andererseits würde aber auch-ein Einfluß auf das akademische Leben sich mit Notwendigkeit gellend machen. Denn mag auch die Schlägermensur in der Form der BestiMmungs- oder BerabredUngspartie keineswegs unter den Begriff des Duells fallen, so trägt die Säv ei Partie unbedmtzM diesen/Charakter. Würde sie aber durch eine vom Militär ausgehende duellgegnerische Strömung abgeschafft werden, so wäre damit auch die ihrer Vorbereitung dienende Schlägermensur in einem Hauptpunkte zwecklos und damit gleichfalls zum Verschwinden verurteilt Die aus diesem Erlaß entspringenden' Folgen könnten demnach für die ganze Gestaltung des Waffenstudenteniums von unabsehbarer Bedeutung sein. Bis zur Stunde, da diese Zeilen in den Druck gehen/ liegen Aeüßerungen der großen Waffenverbände Deutschlands und Oesterreichs nicht vor. Sobald sie erfolgen,, werden wir auf den Gegenstand zurückkommen. Vom Antisemitismus. In unserer an Ueberraschungen so reichen Zeit/ da meist gerade das Ungewöhnliche und Unerwartete Ereignis wird, haben alle Voraussagen über den künftigen Werdegang politischer Ereigniffe. nur - den Wert von lustigen Prophezeihungen. So geht es auch hinsichtlich des-Antisemitismus, über deffen Zukunft sich die einen die düstersten und hoffnungslosesten Gedanken machen, indem sie nach dem Kriege ein Anwachsen der juden. feindlichen Bestrebungey zu ungeahnter Macht und Größe befürchten, wohingegendie anderen , eine Zeit der Verständigung und Versöhnung, einen Ausgleich