KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 975 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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975 schonum das Empfinden der jüdischen Staatsbürger aufs tiefste zu kränken. Das hätten sich die, die den Entwurf bearbeitet haben, eigentlich selbst sagen müssen. Und verwunderlich ist es auch, datz es nicht gelungen ist, eine solche Fassung des Entwurfes zu erzielen, die wenigstens in einem solchen Punkte keine Er- und Verbitterung schafft. Vielleicht wird man sich damit entschuldigen, datz man auf die Schwierigkeiten hinweist, die> bei der » fehlenden staatlichen Organisatton der deutschen Juden die Entsendung eines Vertreters bereiten würde. Man wird dann auch wohl auf die Verfassung für Elsaß-Lothringen deuten, die bei einer vorhandenen Organisation der Juden auch deren Vertretung m der Ersten Kammer vorsieht. Gewitz, die Schwierigkeiten, die in Preußen sich ergeben würden, sollen nicht verkannt werden. Aber sie sind zu lösen. Jedenfalls begründen auch sie in keiner Weise eine Zurücksetzung, wie sie hier geplant ist.- Uns Juden mögen diese Dinge aber wieder ein Ansporn dafür-sein-, mit allen Kräften die Verwirklichung der Organisation in die Hand zu nehmen. Vielleicht sind nun auch manche von denen, die bisher sich der Durchführung dieser Arbeiten aus höchst egofftischen und kleinlichen Motiven widersetzen, eines besseren belehrt. ' Wir Juden müssen wieder einmal auf der Hut sein. Vielleicht mehr denn je. Bekommen wir bei, diesem Akt, der von höchster welt- und kulturgeschichtlicher Bedeutung ist, nicht unser Recht, so wird man. es uns auch fernermn in der gleichen Weise wie bisher versagen. Der Wendepunkt in der inneren Geschichte unseres Landes mutz auch der Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Juden sein. K.A. Akademische und Allgemeine Nachrichten Ein «Deutscher Studententag" soll auf einer Tagung der deutschen Studentenausschüsse am 19. und 20. Januar 1918inJena gegründet werden. Der Deutsche Studententäg soll sich planmäßig auf den offiziellen Vertretungen der Studentenschaften an den einzelnen Hochschulen den behördlich anerkannten Studentenausschüssen, aufbauen und die Zusammenfassung dieser Orgarusattonen darstellen. Ferner soll er vornehmlich den sozialen Berufs- und Standesinteressen der Studentenschaft dienen. Das Frauenstudium im 6. Kriegssemester. Der starke Zugang der Frauenwelt zu den Universttätsstudien hat im Kriegszustand in so hohem Grade angehaltendatz diesen Sommer von der ihren Studien tatsächlich obliegenden Studentenschaft 34 v. H und von der Gesamtzahl der Universirätsstudierenden 10 v. H. weiblichen Geschlechts sind, gegenüber je 6,5 v.H. zur Friedenszeit. Die Zahl der studierenden Frauen ist von 4130 im Sommer 1914 neuestens auf 6205 gestiegen. In Heidelberg war diesen Sommer die Zahl der Frauen grötzer als die der Männer und in Marburg und Münster hielten sie sich die Wage, während in Berlin, Bonn, Göttivgen, Greifswald, Königsberg, München, Tübingen und Jena die weibliche Hörerschaft die Hälfte und mehr bildete. Die einzelnen Besuchsziffern sind : Berlin 1208, München 817, Bonn 524, Heidelberg 439, Marburg 362, Münster 340, Leipzig 298, Göttingen 296, Breslau 270,: Jena 248, Frankfurt 246, Königsberg 187, Halle 167, Tübingen 159, Kiel 129, Freiburg 119, Greifswald 101, Rostock 71, Würzburg 69, Stratzburg 66, Gießen 54 und Erlangen 35. In der Wahl des Studiums zeigt sich gegen bisher keine nennenswerte Abweichung: Lehramt und Medizin sind nach wie por die Domänen der Frau, und nur das Studium der Volkswirtschaft ist neuestens stärker bevorzugt. Philosophie, Philologie und Geschichte studieren zurzeit 2891 Frauen gegen. 2124 vor Kriegsausbruch, Medizin und Zahnheilkunde 1637 gegen 1026, Mathematik und Naturwissenschaften 1080 gegen 781, Staats. Wissenschaften und Landwirtschaft 334 gegen 132, Rechtswissenschaft 119 gegen 57, Pharmazie 47 gegen 14 und evangelische Theologie 17 gegen 16. Die deutsche Burschenschaft. Am 18. Oktober dieses Jahres beging die deutsche Burschenschaft die hundertjährige Wiederkehr des Wartburgfestes. Interessant »st es nun, in unseren Tagen in den „Grundsätzen und Beschlüssen des 18. Oktobers, gemeinsam beraten, reiflich erwogen, einmütig bekannt und den studierenden Brüdern auf andern Hochschulen.zur Annahme, dem gesamten Vater, lande aber zur Würdigung vorgelegt von den Studierenden zu Jena" zu blättern. Spricht ja doch aus ihnen der ganze schöne Geist der jungen freiheitlichen Bewegung. So lesen wir in ihnen:- „Alle Deutsche sinh Brüder und sollen Freunde sein." Und es kommt uns so vor, als ob nichts in diesem Worte davon stände, datz man zu Ungunst«» des Juden eine Ausnahme machen müffe. Wie wird dem Burschenschafter von heute zu Mute, wenn er Worte liest wie die folgenden: „Jeder, von welchem der Staat Bürgerpflichten fordert, mutz auch Bürgerrechte haben. Wer dem Feinde gegenüber als Mann stehen, bluten undsterben soll, der darf auch in der Versammlung der Bürger als Mann stehey, gelten und sprechen." Es scheint also kaum im Sinne der alten Burschenschaft gelegen zu haben, dem Juden, den das Gesetz für gleichberechtigt erklärt, auf dem Verwaltungswege seine mühsam erworbene Freiheit mieden zu nehmen. Und doch dürfte es genug alte Burschenschaftler geben, die in Amt und Würden sich keineswegs im Sinne alter burschenschastlicher Ideale betätigen, wenn es um die Stellung der Juden geht, obwohl eS in den „Beschlüsien" so schön heitzr: „Wenn wir die Hochschule verlassen, und mit irgendeinem Amte, eS sei hoch oder »riedrig, bekleidet werden, so wollen wir dasselbe ehrlich, redlich, dem Fürsten treu, dem Vaterlande ergeben und auf. eine solche Weise verwalten, welche dem Sinn vorstehender Grundsätze entspricht." Wer die Entwicklung in der modernen Burschenschaft verfolgt hat, wer da weiß, wie sie allmählich in einem Hort raffenantisemitischer Voreingenommenheit und judenfeindlicher Reaktion geworden ist, wird nicht ohne ein gewisses Lächeln einen Ausspruch lesen könne» wie den folgenden: „Ehrenvorzüge mannigfacher Art können unter den Bürgern, unbeschadet der Freiheit und Gleichheit, stattfinden, und scheinen in einem Staate, dessen Oberhaupt ein Fürst ist, fast notwendig zu sein. Aber sie müssen von jedem Bürger gewonnen werden können. Die Geburt ist ein Zufall." (Bon uns gesperrt ) So dachte man einmal in der deutschen Burschenschaft, die über Freiheit und Gesetz das wundervolle Wort geprägt hat: „Freiheit und Gleichheit 'ist das Höchste, wonach wir zu streben haben Aber es gibt keine Freiheit, als in dem Gesetz und durch baS Gesetz, und keine Gleichheit, alS mit dem Gesetz, ünd vor dem Gesetz. Wo kein Gesetz ist, da ist keine Frei, heit, sondern Herrschaft, Willkür, Despotismus. Wo kein Gesetz ist, da ist keine Gleichheit, sondern Gewärmt, Unterwerfung, Sklaverei Es war einmal! Die Urenkel der Freiheitsheldeu bilden gewitz eine» großen Verband, der sich einer Mitgliederzahl von 1^000 rühmt Aber mit dem äußeren Anwachsen sind die