KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 977 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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der bestehenden Differenzen erwartem Beide Rkchtungew vermögen sich auf deutlich wahrnehmbare Zeit^ erscheinungen.zu' berufen. Die. Optimisten weisen muß den unzweifelhaft immer stärker werdenden demokratischen Zug, der durch die Völker geht. Wenn in Nutz-?; land die Revolution das stärkste Bollwerk der juden-i feindlichen Reaktion fortgefchwemmAhät, so' ist^ eine, solche Aenderung selbstverständlich geeignet, die künftige? Judenpolitik der ganzen Welt in. andere Bahnen zw lenken. Und wenn» in unserem deutschen Vaterlands jene Parieren dre Führung übernommen haben, die für Gleichberechttgung aller Staatsbürger ohne Unterschied« des Glaubens und des Standes eintreten, ,so bedeutet das einen starken Damm gegen yebergriffe des nick-, schrtttlrchen Judenhasses. Auf der anderen Seite können aber dre Pessrmrsten auf Hunderte von Einzelfällen hinzeigen, in denen der wildeste Hatz und Vernichtungswille gegen. Judenund Judentum wüste Orgien feiert. Und gerade für jene Organisationen, die — wie der K. C. — dem Antisemitismus wirksam entgegenrreten wollen, ist es unerlätzlich, datz sie sich über die Ausbreitung und Tiefe der Erscheinung keinerlei schönfärberischen Illusionen hingeben. Mag man auch im allgemeinen Zuge der Zeit den gewaltigen Aufstieg nach oben erkennen, die Erscheinungen des Tages stimmen nachdenklich, sie werden jetzt und nach dem Kriege unendlich viel Kampfeskraft erfordern. Was; man heute bereits zu drucken wagt, ohne datz die sonst so eifrige Zensur es hindert, ist unglaublich. Der mutige Berfasier einer anonym bei Erich. Matthes in Leipzig erscheinenden Broschüre (Eindeutschung und Hudensrage), deren üblicher alldeutscher Inhalt, ihre Anwürse und Verdächtigungen gegen alles Jüdische, nicht weiter erörtert werden sollen, weil hierin keine Abweichung von sonstiger alldeutscher Methode zu finden ist, schwingt sich sogar zur Androhung eines Pogroms auf: „Aber vom Kopfschütteln (nämlich über Macht, Einfluß Schamlosigkeit, Drückebergerei usw. im Judentum) ist es — für den, der Ohren hat — zum Raunen und zum Faustballen in der Lasche gekommen, und selbst der geduldigste Michel kann eines Tages, wenn Leidenschaft ihn blind macht, die Faust auch einmal hervor? ziehen, wobei dann weder für Freund noch für Feind; Gutes herauskommen würde. Das ist keine Drohung, sondern eine Befürchtung und Warnung^ i ch? sehe,, datz das Judentum nicht allein die Schuld trägt an der wachsenden Erbitterung, sehe auch seine guten Seiten/ eine sich empörende Menge, und wäre ihr Beweggrund wirklich nur „Neid^, wie die argen Juden glauben machen wollen, wird nicht erst um drei oder vier Gerechte mit Jehova ringen wie Abraham um Sodom/ sondern alles Jüdische in einen Topf werfen und den am liebsten — übers Feuer setzen. Discite moniti." Nicht die Rohheit und Gehässigkeit des Tones und der Gesinnung macht uns nachdenklich^ Datz aber eine so brutale Drohung — die praktisch' gewiß dem ohnmächtigen Gekläff deS kleinen Pintfchers gleicht und am gesunden Sinne des deutschen Volkes abprallt überhaupt ausgesprochen werden kann, datz keine Behörde gegen eme solche Aufreizung einer Bolksklaffe^ gegen eine ändere etwas einzuwenden hat, ist ein Zeichen der Zeit und ein Mahnruf an alle selbst, bewutzten Juden, vornehmlich an die künftigen Führer. „Discite. moniti" dürfen, äuchi wir sagen. Dass-.übrigens auch hißse Schrift für . den Zionismus schwärmt^, sek der Vollständigkeit halber' erwähnt, obwohl es in unserer antisemitischen Literatur aus neuerer Zeitkaum eilt Buch geben dürste, das. nicht dem Zionismus alles Lob spendete. Ob nicht dem Nätionäljudentum vor dem 1 Lobe aus dem Munde des Pogromfreundes etwas hänge werden sollte?"Wird «muTaufzkoNWUer GML wo nach der Versicherung.des nach JuhenverbrennungeM lüsternen AnonymW) //§ie ^ehrlichsten, überzeugtestem und idealsten Juden" zu finden sind, die „wissen, dam sie nie voll einzuheütschen sind^Mchtr endlich einsehenI Satz unsere Warnungen'vorsolchen Freunden nicht derß Abneigung gegen den Zionismus, sondern der Liebe; zum Judentum entspringen? r Statistik jüdischer Kriegsteilnehmer. Bei den heftigem Angriffen, die gegen das jüdische Element im deutschen« Heere gerichtet worden sind, ist es ganz natürlich, datzz jeder Jude gern darüber Bescheid wissen möchte," wi« gross tatsächlich die Beteiligung seiner Gemeinschaft arm Kriegsdienste ist, wie viele Juden mit dem Eisernen; Kreuze erster und zweiter Klasse ausgezeichnet worden^ sind, wie viele ihr junges Leben fürs Vaterland dahin-? gegeben haben. « Nun wird ja unter» Beihilfevielerjüdischer Korporationen — auch der K^ C? hat»fich-derr hierzu gebildeten Vereinigung angeschloflen — etnef genaue Statistik der Kriegsteilnehmerjüdischen Glaubens« entworfen. Irgendwelche auch nur?'annähernd präzise Zahlen hat sie aber bisher noch nicht der Oeffentlichkeitt Unterbreiten können, was ganz natürlich ist^ wenn mam die ungeheuren i Schwierigkeiten -? der zuverlässigem Materialbeschaffung erwägt. Von privater Seite auf-ß gestellte Statistiken sind natürlich absolut unbrauchbar^ und sie schaden mehr als sie nützen können/ weü dm antisemitische Presse, sich: mit Behagen auf die von? ihnen mitgeteilten falschen Zahlen stützt und die niedriges Ziffern besonders der Gefallenen? bemängelt. Datz dieses yun nicht grotz sein können, ist selbstverständlich, weist diese Priyatstatistiken einfach auf — den Todesanzeigen^ von Soldaten mit jüdisch klingenden- Namen 'in-'derst Tagesblättern beruhen! Was nun die wirklichen Er-? gebniffe der Stattsttk anbetrifft, so ' kann heate-fchorr gesagt werden, datz« die Zahl der gefallenen " Indem unter Berücksichttgung aller von einer wirklich wissen-! schaftlichen Statistik zu beachtender Momente keinesfalls unter der Höhe zurückhleibt, die. .erwartet-Werden durfte^ Ebenso steht - es mitden Auszeichnungen. ' ' Wenn mach bedenkt, datz das herrschende Vorurteil dem Juden dia Erlangung einer Auszeichnungweit schwerer als seineutz christlichen Kameraden macht, wenn man fwmer be4 denkt, datz jeder Offizier daö Eiserne Kreuz zweites Klasse besitzt und fast jeder Stabsoffizier die erste Klaff« desselben Ordens — jüdische Offiziere sind selten undj jüdische Stabsoffiziere gibt es überhaupt nicht, — sch ist der Bruchteil der jüdischen Auszeichnungen, der? bisher bekannt geworden ist und von der Stattstiker-i fatzt ' werden konnte, ein ganz erheblicher' und bewundernswerter. Ebenso bedeutsam ist die Zahl dev jüdischen Offiziere, von denen jeder einzelne nicht nur? eirr untadeliger Soldat uriss Führer sein mutzte, sondern' auch einen oft hartnäckigen Kamps um "die 'ErdangMgi seines Rechtes auSzufechiew hatte? - Wo ein engeres Ge4 biet eine Prüfung der Verhältnisse gestattete/' haben di« Juden überall gut abgeschnitten. AlS Flieger beispielsweise— in den K C.-Blättern ist ein kleiner Teil des vorhandenen Materials veröffentlicht worden — haben sie: sowohl was ihre Zahl wie auch ihre Leistungen be-. (risst, hinter ihren christlichen Kameraden? nicht -zurück^ gestanden.: Und ein hervorragend gutes Beispiel füst den Pflichteifer und die Tüchtigkeit des jüdischen Soldateri bietet der KC., dessen Beförderungs-und Äuszeichnungsi listen ebensoviel zu künden wissen wie die ungewöhnlich grosse Zahl der Kartellbrüder, die den Heldentod erH litten haben.'..Diesel - wie andere Teilergebnisse; mycheni es gewiss, daß eine genaue und vollständige- Statistik dereinst der Opferfreudigkeit und dem Pflichteifer dev deutschen Juden ein glänzendes Zeugnis ausstellen wird! Verantwortlicher Redakteur: Dr. pkil. Felix Göldmann, Leipzig, König-Johannstrahe 17. Verleger: Dr. meä. Max Mainzers Frankfurt a. Marn, Neckarstraße 3. - «■- ^Druck:^Aächener VEags- Kaffenverwaltung: Rechtsanwalt Dr. Sewald Jaffe, Düsseldorf, Schäferstratze 43, Ecke Benloerstratze. Postscheckkonto: Cöln 33487.