KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 971 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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9?1 Zahl der Teilnehmer hier, trotz gleichfalls kostenloser Erteilung, geringer fein als im Gymnasialunterricht. Denn hier hätte es einer Erklärung des Vaters des Schülers gegenüber der christlichen Schule bedurft, um die Befreiung des Schülers von dem offiziellen Religionsunterricht zu ^-veranlassen. Dort aber, beim hebräischen Unterricht, brauchte der Vater gegenüber der Schule nichts zu erklären: er schickte den Sohn eben nicht-dahin, damit war die Sache erledigt. Die Söhne waren damit natürlich nur oft genug einverstanden. Denn wo gäbe es Jungen in den Flegeljahren, die nicht lieber allerhand anderen Belustigungen nachgingenanstatt zweimal wöchentlich ungefähr je zwei Stunden noch nach der deutschen Schule im hebräischen Unterricht zu sitzen. Immerhin gelang es, dem Leiter dieses Unterrichts, durch die bezaubernde Macht seiner von allen, die ihn kannten, gleich geliebten wie verehrten Persönlichkeit, sich.'einen Zuhörerkreis aus Schülern des Gymnasiums und der Oberrealschule zu schaffen. Diesem Manne brachte man eben manche sonst der Schwimmanstalt, Eisbahn oder dem Tennisplatz gewidmete Stunde zum Opfer. Daß es damals schon, gern geschehen wäre, hieße zuviel behaupten, denn damals fehlte noch der Maßstab, um das Gebotene richtig zu bewerten. $n den ersten Gymnasialjahren wurden in diesem, besonderen Unterricht närnlich zunächst die auf der Elementarschule erworbenen hebräischen Kenntnisse vervollständigt. Es wurde aus dem Pentateuch übersetzt, ebenso aus dem Gebetbuch, und zwar ebenso Gebete des Alltags und Sabbaths wie hie der Festtage. Die Stunden wurden von Lehrern der Elementarschule und außerdem von einem nur hebräisch lehrenden Lehrer unter der Oberleitung des genannten zweiten Rabbiners erteilt. In ihnen wurde natürlicherweise auch auf den Ritus eingegangen, sodaß den Schülern nicht nur die Uebung der Gebräuche, sondern auch deren Sinn und Bedeutung klar wurden. In den Mittel- und Oberklaffen, in denen der zweite Rabbiner den Unterricht selbst erteilte, wurden andere Teile der Bibel, Auszüge aus den Büchern der Richter und Könige, vor allem aber Abschnitte aus den Propheten, so z. B. fast der ganze Jesaias übersetzt. Mit dem Fortschritt der Kenntnisse steigerten sich die Aufgaben, es wurden Auszüge aus dem Pentateuch mit dem Kommentar des Raschi und schließlich Abschnitte aus der Mischnah und Gemarah gelesen. Die Festtage endlich gaben Gelegenheit, besondere Teile der Bibel, wie das Buch Esther, aber auch hebräische Dichtkunst, wie die Piutim, und sogar hebräische Religionsphilosophie, wie die Königskrone des Jbu Gabirol, kennen zu lernen. All das vollzog; .sich ohne Zwang und ohne Kosten. Nur die Zeit wurde manchmal mit ein wenig Unmut, weil man die Größe des Gebotenen nicht erkannte, im ganzen aber doch dem verehrten Lehrer zu Liebe gern zum Opfer gebracht. ManchenBerbandsbruder,derdieseSchilderung soweit gelesen hat> und besonders diejenigen- Heren jüdische Bildung: nicht gerade aus der Höhe steht, sehe ich erstaunt fragen, was denn das alles solleob man-denn aus unseren feuchtfröhlichen Verbindungen .Betschulen und Heimstätten für Schristgelehrte Mächen wolle. Nichts von alledem ist der Fall. Hier soll nur die Rede von der jüdischen Bildung sein, die die Schule zu ei teilen hat unddie der K. Cer der Zukunft fertig zur Universität mitbringen soll. Vielleicht wird trotzdem der eine oder andere sagen, man solle dys lassen, es sei zuviel des Guten, man solle: auch auf die jugendlichen Geister keinen Zwang ausüben. Nun, einen Gewissenszwang kennt das Judentum in seiner gegenwärtigen Organisation nicht, es ist auch nicht erfindlich, wieso : das Eindringen in jüdische Geschichte und Kultur das Gewissen beengen sollte. Auch dem Schüler steht bei uns frei zu glauben, was er will. Den Einwand, diese Art der Bildung sei ,-zu jüdisch" — ein übrigens mehr von Frauen bevorzugter Vorwurf — hat man ja im Kreise von K: C.ern nicht zu fürchten. Es bedarf also nur noch des möglichen Einwändes allzu besorgter; Väter, ob'ihr Sohn die Zeit für all diese Dinge werde erübrigen könnenob nicht die Inanspruchnahme durch die Wichten der Schule die Nerven des Sprößlings so sehr belaste, daß eine weitere Verkürzung der freien Zeit durch ein Mehr an jüdischem Unterricht nicht angängig sei. Diesen allzu Besorgten kann versichert werden, daß die Mehrbelastung äußerst gering ist. Der deutsch-jüdische Religionsunterricht findet zur selben Zeit wie der christliche stattdurch ihn werden also die jüdischen-Schüler gegenüber den christlichen überhaupt nicht besonders beschwert. Aber auch der hebrÄsche Unterricht, zweimal wöchentlich am Nachmittag, oder wie es in meiner Heimat der Fall war, auch des Sonntagsmorgens ertellt, nimmt nicht soviel Zeit in Anspruch,, daß der Schüler dadurch übermäßig belastet würde. An dem Ort, von welchem ich spreche, blieb immer noch für Eislauf, Schwimmen, Wandern und sonstigen Sport Zeit genug. z Es ist nicht ausgeschloffen, daß man gelegentlich auch anderen Einwänden der Väter gegen die geschilderte Art des Unterrichts begegnen wird. Vielleicht wird einer von denen, die jüdischen Unterricht nicht genossen haben, sagen, es fei; unnötig, daß die , Kinder von diesen