Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1917-11-01 · Heft 19 (November 1917) · p. Seite 967

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 967 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268909--2049-3523617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

967 dem' Werke, sich und ihren Nachkommen gesunde Beruf-Verhältnisse und damit die Grundlage für ein harmonische- Leben zu erkämpfen. ES gilt, sich dafür einzusetzen, daß in unserer künftigen Generation ein Geschlecht beranwächst, dafest auf der Heimaterde steht, das gar nicht mehr'begreifen 'darf, man habe je an dieser ihrer Liebe zur Heimat, zur Scholle, zur Arbeit auf ihr gezweifelt. K. C -Arbeit muß esein, nicht die irgend einer sonstigen Bereinigung: denn es gilt, die deutsche Judenheit mit K.C.-Gelst zu erfüllen, den zu übertragen, keine andere Organisation berufen ist, da keine ihn bisher begriffen bat. Unsere jüdische Jugend wird nicht versagen, wenn ihr nur gezeigt wird, um welche große Sache es sich handelt, wenn ihr nur der Weg gewiesen wirdden fie zu gehen hat. Dr. Max Seefeld (Sprevlae). Nachbemerkung der Redaktion: Den vorstehenden AuSfiihrungen sei eine Ergänzung hinzugefügt. Den Unterschied zwischen der..produktiven" Landwirtschaft und:dem nnr vermittelnden Händel beront die moderne BolkswirtschastslehrekeineSweas mehr in dem Sinne, daß sich daraus ein minderer Wert des Handels ergehst. Im Kreislauf des Wirtschaftslebens bedeutet die Vermittlung durch ihre Änregimg zur Produktion und äuS anderen Gründen'dasselbe wie die Erzeugung selber.. Man darf des ferneren nicht übersehen, das; die so oft'stmpfundenen Mißstände in der Hauptsache daher rühren, baß.die Juden eine städtische Bevölkerungsklässe geworden sind, und gegen wirtschattsgeschichtliche Tatsachen läßt sich— so wünschenswert eine Berufsumschichtung wäre auch mit dem besten Willen wenig autzrichten. Auch aus den christlichen. Kreisen, die zu Städtern geworden sind,, kehrt fast niemals ein Glied auf das Land zurück. ES'liegen bei Juden und Christen wenigerBorurteile als wirtschaftliche Gesetze vor. Auch der Zionismus verdankt fraglos seine Erfolge nicht der Sehnsucht nach der Scholle, die er zu stillen versucht. Im Gegenteil! Wer in die praktische Politik des Zionismus ein wenig tiefer eindringt, erkennt sogleich — - man denke an die arabischen Arbeiter auf den jüdischen Gütern in Palästina, an die Pemeniten und die mit ihnen gemachten Versuche, an die Fragen der Kolonistenfrauen — daß gerade hier der. Verwirklichung der Ideale sich die ernstesten Hindernisse entgegenstellen. Maximilian Horwitz — ein deutscher Jude. Kein müder Kämpfer sank dahin. AuS seiner Berufsarbeit, aus dem steten Streben für das Wohl des deutschen Judentums wurde er uns allen allzufrüh entrissen. Eine klaffende Lücke tut fich auf. Und doch, wenn die Trauer, daß Horwitz so früh von unS scheiden mußte, in den 5kreisen der deutschen Juden auch' allgemein und groß ist/ so ist er doch wohl so gestorben, wie er eS sich stets gewünscht hat? und' wer ihn gekannt hat/ konnte'fich keinen andern Tod für ihm vorfiellen, als den in den Sielen. Der Lebensgang Maximilian Horwitz' ist schnell erzählt. Er hat die übliche Vorbildung eines preußischen Juristen durckaemacht, fich in seiner Heimatstadt Berlin als Anwalt niedergelaffen und bald dank seinen reichen Geistes* gaben eine große Klientel erworben. Die Arbeit in seiner Praxis, die für manchen andern ausgereicht hätte, um ihn vollauf zu beschäftigen, genügte dem regen Geiste, der gewaltigen Arbeitskraft und -lust eines Horwitz nickt. Bon früh an zeichnete ihn eine seltene Energie aus, eine Kraft, Dinge zu vollbrinaen, an denen andere scheitern würden. Als Unterprimaner trat er in daS väterliche Geschäft ein und nachdem er einige Jahre in ihm tätiq war, veranlaßte ihn sein Hang zur Jurisprudenz, umzu* satteln und sich auf das Abiturium vorzn bereiten. Während dieser gewiß nicht leichten Borbereitungszeit starb fein Vater, und Horwitz; war qezwungen, die Liquidation deS väterlichen Geschäftes vorzunehmen. Er fand trotzdem Zeit zur Vorbereitung fürs Examen und zur Arbeit im Beruf, und so hat er zeitlebens Zeit gefunden für all die Arbeit, die ihm ht immer reicherem Maße von allen Seiten aufgebürdet wurde. Gab es doch Jahre, wo er früh um sechs Uhr am Schreibtisch saß und nur mit dev notwendigsten Unterbrechung für Mittag- und Abend» essen bis ivät in die Nacht hinein an ihm verweilte. Müdigkeit kannte er nickt und bedauernd sägte er mir einmal in diesem Sommer: „Ich habe früher von frühmorgens bis spät in die Nackt hinein ohne Unterbrechung geistig arbeiten können, ohne etwas zu spüren. Neulich babe ich mich das erste Mal matt gefühlt." Wahrlich, mancher Jüngere hätte Veranlassung gehabt, schon früher einen solchen Ausspruch zu tun. Er erhoffte von seinem dieSjäbriaen Som- Meraüfenthalt in FriedrichSroda Erholung, um Weiterarbeiten zu können. Sie mar ihm nicht befchieden. Nach dem jähen Tode der Tochter kam der Heldenod des einzigen SobneS, um die in ihm ruhenden Keime der Vernichtung zu wecken und zu seinem sähen Ende zu führen. Des Wirkens Maximilian Horwitz' in jüdischen Dingen richtig zu gedenken/ hieße die Geschichte der deutschen Juden während dev letzten Jahrzehnte schreiben. Ueberall, wo es galt für Deutschtum und Judentum einzutreten, war Horwitz der geborene Führer. Zu ihm blickte alles auf, wenn Rat notwendig war, von ihm erhoffte man Klärung verwickelter Dinge. Es war fast natürlich, daß bald nach Gründung des Centralvereins deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens Horwitz zu feinem ersten Borfitzenden gewählt wurde, welchen Ehrenposten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.