KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 966 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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966 Daß wir in gehässiger Weise bekämpft werden, . weiß jeder Jude. Daher soll auch jeder Jude «ufhören, sich über die üblichen üblen Begleiterscheinungen eines solchen Kampfes zu wunder« und, ^sollte statt dessen; den allein möglichen Schluß auS dieser Erkenntnis ziehen. Was jeder von -unS empfindet, wenn er als Fuchs zum erstem Male mit Band und bunter Mütze über die Straße geht, was im Lause der Aktivität jedem K. C.er in Fleisch und Blut übergeht, dies muh von jedem Juden erkannt werden: Der Jude wird in jedem Augenblick, was er auch immertut-vonder christlichen Mitwelt als Angehöriger der jüdischen Allgemeinheit angesehen. Er'rlft-ralfo in jedem Augenblick Vertreter der Jrchenheit - und wird je nach seinem Tun der Allgemeinheit zur Ehre oder Schande gereichen. MemalS dars eS uns genügen, daß es unter uns Juden nicht wehr und nicht größere Schufte gibt i als unter den übrigen Manschen. Diese vorhandenen Schufte so nachdrücklich wie möglich zu kennzeichnen, sie hinzuweisen, daß sie sich des Ehrennamens „Jude" unwürdig erwiesen haben, dies muß ein Bestandteil der positiv-jüdischen Arbeit sein. An den Pranger mit jedem jüdischen Schuft! Nicht dulden, daß auch mur einer unerkannt bleibt, um seine Schuld von der jüdischen Allgemeinheit tragen laßen, * statt persönlich dafür zur Rechenaft gezogen zu werden, dies sei ein Tell der allgemeinen Erziehungsarbeit. * So eröffnen sich Hunderte von Aufgaben positiven Wirkens, seien sie auf religiösem, politischem oder einem der anderen vielen Gebiete deS menschlichen Lebens. Sie auch nur zu skizzieren,-halte ich mich nicht befugt. Doch eine wichtige Aufgabe bleibt, die ich zu schildern unternehme, weil -ich denke, daß das Recht, über diese ein Urteil abzugeben, jedem zugestanden werden muß.- - Betrachten wir die deutschenJuden im Wirken des gewöhnlichen Lebens, so sehen wir etwas sehr- Merkwürdiges, Unnatürliches und mithin Ungesundes: in erzeugenden Berufen sind die Juden höchst selten zu treffen, dagegen besoffen die meisten sich damit, fremde Erzeugnisse dem Verbraucher unter eigenem Gewinn zuzuführen. , ' Wie es im Laufe der Jahrhunderte zu dieser Berufsverteilung gekommen ist, davon können wir zunächst absehen. Betrachten wir nur, ob diese Berufsverteilung wünschenswert ist. -Daß die deutsche Judenheit sich nicht auf Berufsschichten aufbaut, die sest und sicher auf ihrem Acker stehen, die mutig und kraftvoll der Erde die- Erzeugniffe abgewinnen, die sie jedem gemährt, Ser - sie bei gesunden Sinnen und mit gesunden Armen anpackt,dies ist ein ungesunder Zustimd.? Um diesen ungesunden Zustand zw heilen, suchen wir wie jede Heilkunst zuerst «ach. der Krankheitsursache. Als diese Ursache erscheint ein jahrhundertelanger Zwang -mit einer daraus entsprossenen Gewöhnung, Anpassung und. ganz besonderer Fortbildung. , War es nur äußerer Zwang und ist dieser Zwang nunjoptgefallen, so mutz es doch freiwilliger. Abkehrgeliageu,. die Schäden dieses jahrhundertelangen Zwanges-in ebensoviel Jahrzehnten .abzustreiien. Nur hie Erkenntnis, was uns not tut, was.unsere Aufgabe sein muß, ist nöttg und dev Mut, für diese Ausgabe sich einzusetzen. - . Aber dieser Mut.ist nötig, weil auf.der an-, deren Seite die Gefahr besteht,, daß man unser Reden vom äußeren Zwang für Gefasel, hält: Ist es denn Gefasel?. Nein und abermals nein!.,In vielen, vielleicht in allen Juden, die das Land überhaupt von Jugend auf kennen, schlummert die Sehnsucht nach der eigenen Scholle, die Sehnsucht nach der Arbeit aus dieser. Diese Sehnsucht schlummert im jüdischen-Kinde genau wie. im christlichen. Während sie beim- Christen durch frühzeitiges Uebertragen: von pflichtmäßiger körperlicher Arbeit gehegt und gestärkt wird, wird sie beim jüdischen Kinde .noch künstlich unterdrückt, zum mindesten aber nicht entwickelt. So manchem. Juden, der in der Großstadt ein kümmerliches, freudloses Dasein fristet, ist-der Berus des Landmannes, für den er geboren war, nur wegen eines Vorurteils der Eltern —. man hat daran überhaupt nicht gedacht, daß der Junge Bauer werden könnte und wegen eigener Scheu vor nicht bewiesenen Fähigkeiten entgangen. - Sollte nicht vielleicht gerade in dieser ungestillten Sehnsucht ein wesentlicher Grund für die Begeisterung liegen, die der Zionismus gerade in jugendlichen Gemütern erweckt? Eine Sehnsucht^ erfüllt den jungen deutschen Juden nach körperlicher Arbett auf eigener deutscher Scholle, und er muß sich damit begnügen, sich die Erfüllung seiner Sehnsucht für sich oder seine Kinder in einem irgendwie 'gearteten Gemeinwesen außerhalb seiner deutschen Heimat zu — erträumen! K C.er! Wenn dieser Krieg einst zu Ende geht und Tausende deutscher Juden nach jahrelanger treuester Pflichterfüllung in die Heimat zurückkehren, so wird viele von ihnendiese Sehnsucht besonders mächtig ergreifen. Sollen sie dann in mißverstandener Deutung dieser Sehnsucht sich dem Zionismus zuwendensoffen sie hart der Erfüllung ihrer Sehnsucht sich mit einem Traum begnügen? Diedarf nicht-fein! Große Ziele schweben unS vor! - ES gilt, die I jüdische Jugend Deutschlands auszurusenzu