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KC-Blätter · 1917-11-01 · Heft 19 (November 1917) · p. Seite 962

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 962 (sequence 24)
Language
German
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die einen Teil der Juden zum Tanz um das goldene Kalb, zum Götzendienst des Mammonvmus, verteuere. Der Mammonismus ist Wahrem Judentum fremd und wenn, wie zu hoffen und zu erwarten ist, der Friede den Beginn des Krieges gegen den Mammonismüs bringt, so mutz dieser Krieg auch in unseren eigenen Reihen mit Hingebung geführt werden. Dw Ueberschäyung des Materiellen müßte folgerrchrig zu emer Unterschätzung geistiger Werte führen. Hieraus wiederum ist die Gteichgültigkeu gegen jüdische Ideale und Bestrebungen zurückzusuhren, mtt der eine überhebUche Avschlietzung gegen minderbemittelte Mitbürger Hand in Hand gingen. Gewiß machen und machten die so Gewnnzeichneren nur einen kleinen Bruchteil der deutschen Juden aus, aber sie haben unS allen nur zu sehr geschadet und mit ihrer EmporkSmmltngsart unsere bisher allein beachtete Außenseite geschändet. Bon unseren Feinden wurden die ihnen so gelieferten Waffen gegen die Gesamtheit der Juden gewendet. Die Verbreitung jüdischer Ideale und die Weckung des Berantwortlichkensgefühls jedes emzelnen Juden sind die Gegenmittel, deren sich die innere Mission zu bedtenen hat. Einen Rest körperlicher Unzutällglichkeit, eines anderen Erbes des Ghettos, gibt es gleichfalls zu besecktgen. Dazu ist. ein Programmpunkt des K. E., nämlich die gelstige und körperliche Erziehung seiner Mitglieder, wenigstens für die gesamte jüdische Jugend von der mheren Mission zu übernehmen. Die äußere Mission hat die Aufklärung unserer christlichen Mitbürger über das Wesen des Judentums zur Aufgabe und das Ziel, deren Vorurteil und Fremdheit gegen Juden ünd Judentum zu überwinden. Kbdr. Or. Felix Goldmaan zeigte uns im 18. Heft der K. C.- Bläiter einen Weg hierzu, andere müffen gefunden und beichOnen werden. Die Durchfühching der in innerer und äußerer Mission bestehenden positiven Arbeit erfordert eine straffe Organisation, die in Verbindung mit den uns nahestehenden jüdischen Verbänden, Vereinen und Logen zu schaffen ist. Auch wäre eine ehrliche und tätige Mitwirkung der Zionisten an der positiven Arbeit willkommen zu heißen. DaS Gerüst für diese Organisation zu zimmern, müßte die Ausgabe der nächsten Zukunft sein, die unseren führenden, organisatorisch veranlagten Männern zufällt. Die aussührende Kleinarbeit vorgeschriebener Teilziele muß letzten Endes disziplinierten örtlichen Vereinigungen zugereilt werden. Wenn wir K.C.er in diesen eme einflußreiche . Tätigkeit entfalten wollen, dann müffen wrr uns mehr als bisher auch als Staatsbürger in den Dienst der jüdischen Sache stellen und uns örtlich enger zusammenschließenum durch Veranlagung und-Einigkeit ein Stoßtrupp für die Mission des Judentums zu werden. Sine neue Ausgabe der Juden. Seit einer Reihe von Jahren sind wir es gewöhnt zu sehen, daß ein jeder/ der sich befähigt glaubt, die Feder zu führen, die Judenfrage zum Gegenstand irgend einer Erörterung. nimmt. Es ist ja'auch so einfach, sich mit diesem Problem zu beschäftigen! Sachkenntnis hät man nicht nötig, und, was man immer auch versaßt, sicher findet mau unter den unzähligen Grüppchen der Juden einesdas dem Autor begeistert zujubelt und ihm dadurch zu einer Popularität verhilft, nach der er anderwärts' vergeblich gerungen hat. Ich erinnere nur än die Veröffentlichungen Sombarts, die eine svlch geteilte Ausnahme hervorgerufen haben/'und jedenfalls dem Verfasser selbst von Nutzen gewesen find. Dann hat in jüngster Zeit Oskar A. H, Schmitz den Versuch gemacht, das gleiche Verfahren auszunutzen. Ob es ihm ganz geglückt ist, scheint Mir zweifelhaft. Und nun hat auch Eduard Bernstein, M. d. R., sein Interesse für die Juden entdeckt und alsbald eine Broschüre*) erscheinen lassen, in der er uns erzählt, welche Aufgaben wir in diesem Weltkriege zu erMen haben. Wenn man diese Erörterungen liest, weiß man nicht recht, ob man sich ärgern oder ob man lachen soll. Lachen möchte man ob des Absonderlichen — ich gebrauche einen sehr milden Ausdrück —, das uns Juden da vorgesetzt wird. Anderseits aber fühlt man von Seite zu Seite einen tieferen Arger darüber, daß sonst so hochstehende Männer jede nüchterne Überlegung verlieren, wenn es sich um das Judenproblem handelt. Nicht etwa, als ob Eduard Bernstein etwa den Juden nicht wohl willim Gegenteil, ich bin fest Davon überzeugt, daß er glaubt, seine Worte entsprächen unseren innersten Interessen. Aber diese völlige Unkenntnis all dessen, was innerhalb des Judentums vorgeht, diese Nichtachtung der jüdischen Psyche erbittert uns. Man sollte meinen, der, der zur Judenfrage schreiben will, würde es zunächst für seine Pflicht halteneinmal einen lieferen Blick in das heute wirklich sehr bewegte jüdische Leben zu werfen. Aber die Kenntnis der ewig wiederkehrenden Schlagwörter „Zionismus", „Assimilation" genügt, eine Schrift über die Judenfrage heraüszugeben. Vielleicht sind wir Juden an dieser bedauerlichen Erscheinung selbst nicht ganz ohne Schuld. Aus dem notwendigen *) Bon den Aufgaben der Juden im Weltkriege. Von Eduard Bernstein, M.d R., Berlin, Erich Reiß, IW.

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