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KC-Blätter · 1917-11-01 · Heft 19 (November 1917) · p. Seite 961

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 961 (sequence 23)
Language
German
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tigfte im friedlichen Wettstreit obsiegen, nicht durch Waffengewalt? -Der durch einen Bund der Kulturstaäten überwundene Standpunkt des Machtstaates ist eine Etappe aus dem Wege zum Messianismus.^ Wir Deutschen kämpfen niMIchy'GrMser§KMeM-sondern gleichzeitig für den Sieg^ des Rechtes"über die" Gewalt. Als-Juden ist uns der Kamps für unsere Gleich» berechtiguyg gleichzeitig der Kampf für den Sieg der Idee über die rohe Macht. Neben vielem anderen haben Deutschtum und Judentum das Gemeinsame/ haß: beide geschichtliche Faktoren für hier Höherentwicklung der Menschheit sind. Der Man .her. Geschichte hat die Juden unter die:Phlker/zerstreut und einem dezentralisierten JWntun^>di^V«hreitung der jüdischen Idee in der Welt zugewiesen. Uns deutschen Juden gab hie /Vorsehung/ der Geschichte, her wir dafür d^nkbär^Mö,. /pnser deutsches Vaterland. Es ist? geschlch^iG unser: Recht und unsere Pflicht, aißj Deutsche: und. Juden unseren Anteil an der Mispon'cheK/^JM«ltüms/und.'.ünsereS: Vaterlandes zy. erfüllen. / .Pösitive Juden glauben auf der.,:einen Seite ntzx hie/Orthodoxen,, auf der anderen nur die Ziotzistesi. .zü/.sejy.. /.'Aji!e"K/ Ger sind fash.durchweg NichtLionisten/ manche sind gleichzeitig überzeugte Monisten., Kann man nun ohne religiöse unh nationaleUeberzeugüng noch positiver Jude sein? Pichtziönisten sind wir geblieben, aber in der,- Steffungnahme: zum Glauben hat der Krieg manches geändert. Das Erleben des Krieges hat Indifferente aufgerüttelt und gar manchen hat•;die Not beten gelehrt. Andere verwarfen ihre bisherige mechanistische Weltanschauung aus der Erkenntnis heraus, daß dieser Krieg ein notwendiges Ereignis .im teleologischen Plan der Geschichte ist und fanden im Lenker des Weltgeschehens ihren Gott wieder. So mancher philosophisch Gebildete, /der sich nach schweren inneren Kämpfen vom Glauben der Väter abwandte und die Brücke zwischen Subjekt und Objekt,:; Geist und Materie, Jdealtsmus und Realismus nur im Monismus fand, kann und mag nach wie vor nicht durch ein Salromortale der Vernunft inS Reich des Glaubens kommen. Diesen: Suchenden, die zu glauben wünschen, den Weg zum Glauben zu weisen, wäre eine dankenswerte Aufgabe für unsere führenden Philosophen, die Erkenntnis und Wissen nicht hindert, Gläubige zu sein. Die Philosophie setzt - an- Stelle der Religion die Ethik. Religion und Ethik sind verschiedene Wege zum gleichen Ziele, zur,Veredelung und Erziehung der Menschheit. -Beide enden im Messianismus. Ob das goldene Zeitalter auf religiösem oder philosophisch-ethischem : Wege zu erreichen ist, darüber mögen die Ansichten auseinandergehen. Für den Endzweck ist es gleichgültig. Der kategorische Imperativ Kants, der daS Gute um des Guten willen fordert, führt - ebenso zur Befferung der Menschheit, wie die jüdischen..Gesetze und Gebote, die das Gute aus Liebe zw Gott fordern. Wer nun auf.-Grund philosophischer Reflektionen nicht mehr auf dem positiv-religiösem Boden, der jüdischen Lehre, steht, der sei ein positiver Jude auf dem Boden der jüdischen Ethik. Positiver Jude ifl jeder Jude, der — gleichviel ob aus religiöser Ueberzeugung oder . aus ethischen Motiven — der Mission des IudentumS durch sein Leben und Streben gerecht wird. Jeder Jude, ist ein vollwertiger Träger der religiös-ethischen Sendung des Judentums und hat für deren Erfüllung fein Bestes einzusetzen. Wer bei Widerwärtigkeiten seinen Posten verläßt, ist ein Fahnenflüchtiger, wer sich, aus Selbstsucht auf die Gegenseite hinüderschlägt, ist ein Ueberläuier. Von der Mission des Judentums ausgesch lvffen ist nur, wer. sich als Jude selbst ausschließt und sein Judentum von sich wirft. . •: Uns K. C er stellt die Mission des-Judentums auf deutsch vaterländischen Boden, gibt uns das Bewußtsein, einen durch Geschickte/ Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Barer lande unlöslich verbundenen Voiksteil zu bilden und begründet unser Recht im Kampf für unsere Gleichberechtigung. Die Erkenntnis derreligiösen und ethischen Aufgabe deS Judentums gibt uns als Juden festen Boden unter die Füße, macht uns positiv und zielbewußt, sie stärkt unser Seibstvewußtsein und erhöht unser Berantwortlickkettsgefühi. Die Mi ssion des In dentums stellt der Gegenwart die doppelte Aufgabe der Mission nach innen unb nach au ßen. Die innere. Mission muß daS Ziel haben, die Juden zum Quell ihrer Kraft, zur Idee deS Judentums zurückzuführen. Das. bisher einem großen Teil der Juden unbewußte Gefühl vom Ewigkeitswert des Judentums muß über die Bewußtseinsschwelle ins klare Licht der Erkenntnis gehoben werden. Die Mission des Judentums muß bewußt die Quelle werden, aus der uns neue innere Kraft strömt, um unser Judentum nach außen zur Geltung und Anerkennung zu bringen. Juden und Judentum müssen würdige Instrumente der Vorsehung sein. Dazu gehört auch die Läuterung von, den Schlacken, die sich in der Ghettozeit gebildet haben und die bisher nicht qbgestoßen sind. Besonders wird sicht die innerer Mission gegen die Überschätzung materieller Werte richten müssen.

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