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KC-Blätter · 1917-11-01 · Heft 19 (November 1917) · p. Seite 960

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 960 (sequence 22)
Language
German
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Verfolgung der Juden Art Sch die jüdische Religion bis auf den heutigen'Tag siegreich durch. gesetzt.GinenunsreiwilligenSchutz lieferte die feindliSchesMrchenwelt den bedrängten Juden in den Ghettomauern. Diese trugen zur Konser- EtüngdeS jüdischen MonolheiSmubei, überzogey aber die relZgiöS-elhische Idee deS JudentzrmS mit einer Sedimentschicht von geistigen AÜMgerungen, einer unfreien, dumpfen Epoche, mährend die Bekenner des Judentums selbst in der langen Kerkerhaft des Ghettos. Schaden an Seele und Leib erlitten. Eine auigeklärtereZeit, für die GlaubenSkämpfe ein überwundener Standpunkt war, befreite die Juden aus ihren Fesseln und führte sie in die Mitte der Völker. Hier galt es den Juden zunächst, sich äußerlich einzurichten, sich ein Nest zu bauen, wobei ihnen der in den voraufgegangenen Jahrhunderten durch den Druck der. Zeitumstände aufgezwungene Erwerbssinn zu statten kam. Die Umwelt lernte seitdem nur die Außenseite, nicht die Seele des Judentums kennen. DaS Innenleben des Judentums und der Juden blieb den Völkern fremd. DaS Gefühl der Fremdheit wuchs sich, von eigennützigen oder pervlendeten Damagogen gepflegt und durch Neid angestachelt, zeitweilig zur Feindschaft und zum Haß aus. Wer im Buche der Weltgeschichte zu lesen versteht, sieht, daß das Weltgeschehen nicht ein zufälliges Spiel chaotischer Kräfte ist, daß sich vielmehr die Geschehnisse mit einer ihnen immanenten Notwendigkeit planmäßig und zielstrebig im Sinne einer Auswärtsbewegung der Menschheit zur höchsten Kulturstufe vollziehen. In der Geschichte der Menschheit hat die Vorsehung dem. Judentum seine Rolle zuaewiesen. Der Monotheismus des Judentums findet fein Ziel im Messianismus, in der Ueberwindung des KonfelsiönalismuS durch daS Bekenntnis aller Völker der Erde zur Religion des einzigen GotteS. Mit der religiösen Idee des Judentums ist feine Ethik eng verbunden. Sie gipfelt in den Forderungen der Rechttchaffenheit, Nächstenliebe und Brüderlichkeit unter den Einzelindividuey und deewigen Friedens unter den Völkern der Erde. Aus dem Ideal der Nächstenliebe und Brüderlichkeit schuf vor Jahrtausenden daS Judentum die soziale Ethik und verwirklichte sie schon damals verschiedenartig im staatlichen und gesellschaftlichen Leben. AuS dem Judentum heraus bat die soziale Ethik im Laufe der Geschichte allmählich die ganze gesittete Menschheit erobert. Mit ihren Forderungen nahmdie jüdsche Ethik die ethischen Postuläte aller Zeiten und Philosophen vorauf. Solange diese echischen Postulate des Judentums nicht erfüllt imd der Glaube und die Liebe zum einzigen Gott nicht GemeinguL-aller-Völker geworden ist,,solange ist der Gehalt deS Judentums nicht erschöpft. i DaS religiöfe und ethische Ideal des Judentums macht seinen positiven Gehalt auS. ' An deri Erfüllung der j üdifchen Ideale unter den Juden und der ganzen Menschheit zu arbeiten, ist die Mission deS^ Judentums. Die positive Seite deS Judentums für alle Zukunft ist die Mission des Judentums. Durch negative Motive wie Pietät, Gewohnheit^ Trotz, gemeinsame Erinnerung an die Leiden der-Vorfahren und Beschränkungen in der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen'Stellung der Gegenwart kann der Fortbestand; deS Judentums nicht gesichert werden. Diese sind von außen bedingte, unfreie und unfruchtbare Momente und können kein selbstbewußtes, auS sich heraus bestehendes und für die Zukunft lebensstarkes Judentum begründen. Der positive Inhalt des Judentums darf auch nicht erst jetzt geschaffen und als ein neues oder gar fremde- Element in daS Judentum hineingepflanzt werden, er mutz, dem Judentum immanent, in der Vergangenheit vorhanden gewesen sein und in der Zukunft sortwir ken. Solch ein Gebilde der Neuzeit ist der Zionismus, dessen Wille zur Gründung deS Nationalstaates nichts mit dem meff anischen Ideal von der Wiedererrichtung des jüdischen Reiches zu tun hat. Die Mission des Judentums ist der S ch küsse l zur B er g an gen heit, der archimedische Punkt für die Gegenwart und die Garantie für die Zukunft deS Judentums. Wie jetzt Deutschland siegreich den Kamps geaen eine Welt von Feinden besteht, so wird das Judentum alle Anfeindungen siegreich Überstehen. Bis die Schranken der Nationen fallen und die ganze Menschheit ein einziges einiges Volk bildet, bleiben die Staaten Erziehungsmittel-der Menschheit und gehen nicht unter, dis sie ihren Zweck erfüllt haben. Solange c8 eine nach Vervollkommnung strebende und der Höherentwicklung bedürftige Menschheit gibt, solange wird das Judentum fortbestehen und a ls reli» gi bs.ethisch es Erzieh ung s mitt e l seinen We.rt behalten. Im vierten Skriegsjahre krystallisiert sich der Sinn dieses Krieges heraus: die Ueberwindung des- 5kriegeS< durch den Krieg. Wie der Zkulturstaat für den Daseinskampf seiner Emzelindividuen daS Recht an Stelle der - rohen Gewalt' setzte, so mutz im Wettbewerb der Staaten untereinander der Tüch-

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