KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 945 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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meist zu sein pflegt, hier war es Wirklichkeit. Eins waren wir in jener Stunde alle in unserem innersten- Fühlen, eins in unserem innersten Wünschen. unser aller Herz brannte die eine Sehnsucht: empor aus aller Qual zum Reinen, Göttlichen. - Wir-aber lechtten auch nach einem warmen Worte: der Liebe. Und daher war jener Aüsfvruch um so mehr geeignet-uns tiefinnerlich aufmrichten. Ich sah tn die Augen all der vielen, die in der letzten Nacht vielleicht noch wenige Meter vor dem Feinde die Wacht gehalten hatten, und in jedem Auge glänzten Tränen. Aber keiner schämte stch der Tranen. Wir dachten an unsere Lieben in der Heimat, deren Gedanken heute abend sicherlich aanz besonders innig bei uns weilten; wir dachten an den Kummer und an die Sorge, die ste um unsertwillen durchlebten; wir glaubten die Tränen fließen zu sehen, die ihren Augen zu gleicher Stunde entströmten. Und wir dachten all der Teuren, all der Jugend, all der Hoffnung, die der Krieg binweaqerafft batte. Das mar die Stunde des Gedenkens. Sie war aber auch die Stunde der Erlösung. Alles, waS wir durchgekämpft und durchlitten haben, sank von uns. ' Wir batten wieder einmal in einer anderen reineren: Lust geatmet. Am Hohen und Heiligen, das sich uns iw Gebet offenbarte, erquickte sich unsere Seele. Mitten im Toben deS Krieges war sür uns im Bruderkreis einmal wieder Friede. Nicht weiter brauche ich über die Festtage zu berichten. Nur Aeusterlichkeiten könnte ich noch-schildern. Sie darzustellen. das sollte nicht meine Ausgabe sein. Alles, was auch der weitere Gottesdienst an innerlichem Erleben bot. war nur eine Wiederholung dessen, was am Borabend emvfunden werden konnte, der schließlich doch der Höhepunkt dlieb. Nur noch eins muß ich bemerken: Wer einen solchen Gottesdienst miterlebt und mitemviunden hat. der kann auch an der Kraft des Judentums nicht mehr zweifeln. Wenn wir Juden uns noch so innig mit unserm. Glauben verbunden sttblen, dann müsten wir auch den Willen in uns haben, miteinander sür däS Judentum zu kämpfen. Daß eS vornehmlich die Jugend ist, von der hier die Rede fein kann, läßt unS besonders hostnungssreudiq in die Zukunft schauen. So sind die ^eldgottes. dienste nicht nur für den einzelnen ein inneres Bedürfnis, sie stärken auch das Gemeinschastkeitsaesübl. besten wir so drinaend bedürfen. Es ist wahr, die Feldrabbiner haben eine große Aufgabe: dem einzelnen geben ste die Erquickung, nach der er stch sehnt^ und ste stärken seine Liebe zum Judentum. Diesem aber erringe« und erhallen sie bekenntniStreue Söhne und Kämpfer. > Jom Kippur bei der 9. Ärmer. Von meiner Fahrt nach Braila, zur Joip Kippur^Feier der O. Ärmee, will ich euch erzsihleq, liebe Bundesbrüder.. Der Gedanke an einen FeldgottxSdienst am Dersöbnungstag n»ar mir verlockend; als klein«: Junge batte ich das Bild aus dem. siebziger Krieg gesehen „Jom Kivpur von Metz" und die bärtigen Gestalten, die da im Krieaerkleid ihren Gottesdienst aus freiem. Felde abhielten, haben stch mir tief einaeprägt. Und dpch war das Bild in Braila durch seine Buntheit noch viÄl malerischer und kriegerischer^ wie sa alles tn diesem Krieg geaen früher'. eine so mächtige Steigerung erfahren hat. - ' Die Fobrt vom Bmau-Strom zur Donau, die ich in Begleitung eines Kollegen und eines Lazarett-Jnspektors antrat. führt durch die wette Ebene der Walachei. Ueberall die längst gewohnten Bilder: Kober Mais in gelber Pracht mit qroßen reifen Kolben, weite brachliegende Felder, deren Gras und Kräuter in der Sonnen« bive wie ausgebrannt dalieaen, Baum-Oasen und Gebüsche, in denen versteckt die Lebmhänser und Maisscheunen der rumänischen Bauerndörfer liegen. Erst hinter Faurci, der Zweigstation nach Eovstauza, bei Mastiv zeigen stch neuartiqe Eindrücke: ein größeres Landbans dient r türkisches Lazarett und läßt den raten Halbmond flattern; au? der Landstraße hält ein Wagen mit Kabem Zeltdach, „da sprengen plötzlich ßr die Quer drei ttirkikche Retter däber^ Mdeinige Stationen weiter, laaert eine türkische Kolonne: aus dem Prmz Euaen-Lied sällt's mir ein M»ß die Türken snräoieren. soviel als man kunnt verfvüren, an die dreimal hunderttausend Mann:" Soniel warenja nun gerade nicht/ aber der Anblick war seltsam und malerisch. Aus dem Geleise «eben uns stebt setzt ein bulgarischer Urlaubeszuq, und die Nrlanbsfrende malt sich aus den bulgarischen Soldütevaestchtern aena« wie bei den unser«, und die Sttte, sich mit Kistchen und Säckcken zu beladen, wennnach der'Heimat gebt: ist auch die gleiches 'Eine Banmreihe in der Ferne kündet, den Verlaus der Donau an und hinter ihr erscheint eine Kette von Hi'rgeln; eS sind die Berge der Dobrudfcha, die nur wenige Kilometer vor uns liegt. In Braila am Babnbos meldet ein Plakats daß die Teilnehmer an der Jom Kipvnr-Feier im ,-BolkSqarten" Quartier und Verpfleg uM finden. Der Wea vom Bahnhof dorthin führt durch ein wetteS Viertel, das einen säst Endlichen Eindruck machtkkelne Häuschen in Gätten oder Höfen; aber je mehr wir uns dem JnneM viertel nähernum so eleganter und sauber«