KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 944 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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die Achselstückezuerkämpsen. Leiber hat er sich ihrer nicht lange freuen können. Em Granatsplitter zerriß ihm bald nach der Besörderung die ftwm geeilte Brust. Bei Kameraden und Vorgesetzten war er beliebt, bewundert wurde er von jedermann ob seiner Tapfeike r und ferner selbst rin Den -schwierigsten Lagen nicht versagenden- Führereigenschaslen. Wir wollen unseren toten BundeSbruder nicht vergessen! Theodor Engel (Lieariae.) Zel-goltes-ienft. Lop De. Kurt Alexander lBadeniae-Bavariae, Rhenofilefiae, S. L.-Starrrmüsch-Frankfurt a.M), z. Zt. im. Felde. Ein 'Feldrabbiner hat mir einmal erzählt, daß er erst während seiner Tätigkeit im Felde restlos die Bedeutung fernes Berufes er kannt Hüde. Bei jenem Gespräch glaubte ich die Wahrheit dieser Worte verstanden zu habenganz erfaßt habe ich sie aber erst dann, als ich selbst im Felde weckte. Und so möchte ich Dann allen-Feloradbinern heute entgegnen, daß die meisten, von unS ebenfalls erst jetzt die Größe ihrer Berufsausgäde zu würdigen gelernt haben. Ich glaube, von jeher ein guter Jude gewesen zu sein (— man möge mir verzeihen, wenn ich in diesen Zeilen zu sehr persönlich rpde, aber ich glaubedas, was ich erörtern will, kann auch nur persönlich aufgefaßt werben). Stets habe ich mich gefreut, wenneS mrr möglrchwar, einem Gottesdienst verzuwohuen. Mit innerer Befriedigung, gehoben, verließ ich regelmäßig daSi Gotteshaus: Al» ich dann aber ins Feld kam, steigerte sich dieser Wunsch zu einer brennenden Sehnsucht- und es war mir wie eine Exlösungals nach Wochen die Erfüllung meines Verlangens winkte. So «re mir .geht es einer sehr-großen Zahl jüdischer Kameraden, und zwar auch solchendie bislang jüdischen Dingen ferner gestanden haben. Das habe ich früher schon zahlreichen Briefen entnehmen dürfen - jetzt haben mir mannigfache UmerHaltungen diese Beobachtung bestätigt. Forschen wir nun einmal nach den Gründen dieser Erscheinung. Sollte man nicht annehmen, daß der ständige Verkehr mtt andersgläubigen Kameraden,-insbesondere aber auch die Art, auf die das ganze Leben hier draußen zugeschnitten ist, jeden Wunsch nach jüdischer nnb religiöser Betätigung errötet? Gerade aber in dem, das eigentlich die Annahme des Gegenteils dessen, was -zu beweisen ist, rechtfertigen könnte, liegt die 'Begründung- -unserer Behauptung. Wir Juden sind gewiß kein Volkaber es wäre töricht zu leugnen, daß uns Eigenheiten gemeinsam sind. Diese Eigenheiten haben naturgemäß vornehmlich ihre Ursache in dem gleichen religiösen Bekenntnis. Alles Religiöse aber ist — oder sollte es wenigstens sein — etwas Innerliches. Pehmen wir nun noch hinzu, daß wir seit Jahrhunderten uns daran gewöhnt haben, daß wir gerade unseres Glauben» wegen eine Sonderstellung einnehmen, so ist es nur erklärlich, daß wir uns in Sachen des Glaubens innerlich nahe fühlen. Das Lebenhier draußen aber bed ingt eine Stärkung deS religiösen Gefühls. DaS ewig Einförmige des militärischen Dienstes beengt den Geist aufs äußerste. Grauenvolle Bilder der Vernichtung treten entgegen. Täglich sind für viele von uns die schwersten Gefahren zu überwindender Tod ist ein ständiger Genosse. Von der Heimat, von der Arbeit, von allem, was einem lieb und teuer ist, fühlt man sich abgeschnitten. Da drängt die Seele heraus aus dreier Qualsie lechzt nach Befreiung, nach Erquickung, nach Erholung. DaS Religiöse, das Göttliche, wird ihr wieder der Gnadenspender, der allein ihr Trost geben kann. Jetzt verstehen wir es, daß sich der jüdische Soldat aus dem Kreise ferner nichtjübijchen Kameraden, mag er mit ihnen noch so gut stehen, hinaussehnt, einer Stünde entgegen, die er, umgeben von seinen Glaubensgenossen, seinen Glauben weihen darf. Eine solche Stunde gibt auf Monde hinaus die Kraft zu neuem Ringen. Da ich diese Zeilen niederschreibe, sind viele Wochen vergangen, seit dem Roschhoschonohgottesdienst, dem ich, wie ich eingangs schrieb, in Erfüllung eines langgehegten sehnlichen Wunsches beiwohnen durfte. Wrorige Umstände haben es unmöglich gemacht, daß ich seither noch einmal an einem Gottesdienst teilnehmen konnte. Und doch zehre ich noch heute von dieser Feier. Der Gedanke an sie gibt mir die Rühe, die hier draußen so oft em fliehen möchte. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß ich dort die gewaltigsten Eindrücke meines bisherigen Lebens empfangen habe. Als wäre es gestern gewesen, so steht all' das, was ich damals erlebt habe, noch heute vor meiner Seele. „Wir alle sind Brüder," daS waren die Worte, mit denen der Feldrabbiner Dr. Salomonski am Vorabend vor die viel hundertköpfige Gemeinde htntrat. „Wir alle sind Brüder!" Hatten wir nicht alle eben das gleiche sagen wollen, als wir die ersten weihevollen Klänge unserer Gebete hörten, als wir alle die sahen, denen die gleiche Sehnsucht im Herzen brannte? Hatten wir nicht da auch uns zurufen wollen: „Wir sind ja alle Brüder!"? Ja, das war es, was uns alle bewegte Nicht Phrase war das Wort, wie eS sonst in unserem Parteikamps