KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 937 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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937 TVüv feinen 03credjttftfcildbvmii] wird er sragloS ein weites nnd fruchtbares Feld finden. Was einigt die Konfessionen? In der „Freien Wissenschaftlichen Vereinigung" in Berlin haben am N. Juni 1917 der bekannte Pfarrer Walther Nithack- Stahl» nnd Professor Hermann Cohen Borträge gehakte»», die der Frage der Einigung der Konfessionen galten. Besonders mannhafte und beherzigenswerte Worte hat Cohen bei dieser Gelegenheit an seine Glaubensgenossen gerichtet. Bemerkenswert ist nun vor allem, daß es gerade die „Freie wissenschaftliche Bereinigung" gewesen ist, die diese Aeugernngen veranlagt hat, und es ist in hohem Matze erfreulich, datz man auf diese Weise auch außerhalb der jüdisch organisierten Studentenschaft auf akademischem Boden den Kampf gegen das Tausjndentum ausninnnt und jungen jüdischen Studenten die unverbrüchliche Treue gegen ihre jüdische Religion zur Pflicht »nacht. Aus dem im „Prvtestantenblatt" erschiene»»en Bortrage Cohens drucken wir zrvei besonders markante und beachtenswerte Stellen ab: „Indessen ist die Staatsordnung und Verwaltung nicht »ninder als in anderen Lebensfragen der Kultur auch an diesem zartesten Punkte »na»»gelhast und gebrechlich. Es mutz daher zunächst meine Aufgabe werden, der ich mich nicht entziehen darf, die Hernmniffe hervorzuheben, »velche sich iu»»erhalb der Staatsverwaltung der religiösen Freiheit, der Freiheit des Bekenntnisses entgegenstellen. Nicht Klagen will ich Vorbringen, als Anklagen, aber die Aufrichtigkeit der Aussprache fordert es ebenso, wie die Sachlichkeit der Erwägung, datz »vir zuerst hier unsere Aufmerksamkeit richten inüssen auf die Gefahren und Schädigungen der religiösen Freiheit, welche durch die Staatsverwaltung selbst für die Bekenner des Judentums entstehen. J»»sbesondere bildet die Stellung, »velche der Staat den zum Christentum übertretenden Juden gegenüber einnimmt, eine große Gefahr für den Fortbestand des Judentums und einen schweren Konflikt z»vischen dem persönlichen Bekenr»tnis des J»»den und seinem Staatsbewutztsem und Staatsgefühle. Die erste Forderung, die daher aus dem Gesichtspunkte der konfessionellen Einigung zu erheben ist, möchte sich beziehen auf die nicht fernere Bevorzug»»ng der Konvertiten vor den Beken»»tnistreuen bei staatlichen Ai»stell»mgen. Solange diese Bevorzugung offenkundig geübt wird, wird tatsächlich die Grundbestimmung der Verfassung, welche das Staatsamt »rnabhängig macht von den» Glaubensbekenntnis, illusorisch gemacht. Der Jude fühlt sich um die wirkliche Anerkennung seiner staatsbürgerlichen Gleichheit hintergangen und daher in seiner Gewissensfreiheit getäuscht. Es kom»»»t hinzu, datz die Konvertiten einen »reuen Gegenbund gegen die jüdischen Bekenner bilden, der an Gefährlichkeit dem der Antisemiten kaum nachstehen dürfte. Und dieser Bund erhält sich zumeist auch bei der Nachkommenschaft arrs »veite Geschlechter. — Wenn n»»n schon die sachlichen Aufgaben des Staates, die praktischen wie die theoretischen, nur die Berücksichtigung der Tüchtigkeit erfordern, hingegen durch die Nebenrücksicht auf die Religion, »velche alsbald zur Hauptrücksicht wird, beeinträchtigt werden, so ist auch aus dem Gesichtspunkte der Religion und der Aufrichtigkeit der Religiosität diese Bevorzugung zu verwerfen. Solange sie andauert, ist jeder Wunsch und jedes Streben nach Einigung eine verlorene Mühe, das nationale Staatsberoutztsein wird durch diese Ungerechtigkeit ebenso schwer untergraben, wie die Wahrhaftigkeit des Bekenntnisses schlechterdings zerstört wird, denn »vie könnte der Konvertit selbst sich der Ueberzeugung vergewissern, daß er nicht aus politischen, sondern nur a»»s religiösen Be»veggründen seinen Uebertritt vollziehe. Es mutz eine Zwiespältigkeit in sein eigenes Bewußtsei»» konnnen, die er nur beschwich' tigen, niemals aber überwinden kam»'. . „Hier kann ich mich nur» nicht e»»thal»e»r, an Sie, liebe Kommilitonen jüdische»» Glaubens, eine ernste Mal»- nung zu richten. Die Treue ist eine allgemeine Grrrndkrast der »»»enschlicher» Tugenden. Ohne sie gibt es kei»»e Beharrlichkeit des sittlichen Strebens, keine Beständig' keil des sittlichen Selbstbewnßtseins. Ohne die Treue ka»»n kein Staat bestehen, weil kein Vaterland. Die Vaterlandsliebe ist, begrifflich gedacht, die Treue des Staatsbewutztseins. Aber elementarer »»och als an» Staate hängt der Mensch an der Religion, die ih»» früher als der Staat mit ihren Segnurrger» u»»d ihren Schutz - wehren urnfangen hat. Die Treue zur Religion ist die Wurzel aller Tugend. Aus ihrer ele»nentaren Geivnl» reist nun aber die Pflicht zur Idealisierung dieser angestaminten Religion heran; wie auch der Patriotismus nicht standhalten kann ohne den Selbsterhaltungstrieb der Idealisierung. Die Treue zur Religion fordert daher a»»ch die Sympathie und den Eifer für das Studium der angestammten Religio»»squellen. Sie si,»d der Geist, der das Institut so zusainrnerlhält, wie er es ans sich geschaffen hat. Lernet nun i»nmer ei»»sichtiger die ewige, die unerschöpfliche Urquelle des Monotheismus in e»»re»n Judentum erkennen. Lernet immer tiefer den Zusammenhang erkennen, der zwischen dem Begrige des einzigen Gottes, als des einzigen Erlösers der Menschenfeele, mit der sozialen Ethik besteht, »vre »»nsere Propheten, die echten Urheber derselben, sie der Welt offenbart haben. Lastet euch »»icht von den» Wahne beirre»», als ob ihr einen Partikularis»nus betriebet, de»»»' keine Aktualität mehr z»lstände, indem ihr eure jüdische Religion in ihrer Eigenart festhallet und für derer» Fortbestand eure jüdische Nationalität in unserem deutscher» Ratio,ralstaate bewährt. Der deutsche Nationalstaat schließt rrnch : seinen» idealen Begriffe so wenig eure jüdische Natio- : nalität aus, wie e»»re jüdische Religion. Verhärtet euer Herz und euer Gewisten nicht gegen die natürliche Pflicht, die ihr in e»»ch fühlet, euren Glaubens- und Stammesgenosten Beistand zu leisten, vorab in ihrer politischen und »rationalen Bedrängnis, aber darüber hinarls in ihrer» idealen Pflichten und Sorgen für die Forterhaltung, die Fortentwicklrrng ihrer Religion. Laster euch nicht von dem Wahn beirren, als ob ihr nicht dem derrtschen Staate dientet, wenn ihr eure Religion behauptet. Erkermet den Wert eurer Religion für die fortschreitende sozialethrsche und für die rnessiamsche Bertiestrrrg des deutschen Staatsbegriffs. Erkennet schorr a»»s der Bedeutung der jüdischen Sozialethik der Propheten und ans dem Messianisurrrs des Judentums den Kulturwert desselben für alle ferrreren Arrfgnben des modernen Staates, »vie sie unserem geliebten deutschen Baterlande jetzt vor die Augen treten, als die unmittelbaren Pflichten der nächsten Zukunft. Lastet die Ansklärrrng in euch zur rviffenschaftlichen Einsicht reisen, und übet die Wohltat der Toleranz zunächst euch nu eurer eignen Religion und ihre», Bekennern." Jüdische Oberlehrer in Preußen. Ir» der „Allgemeinen Zeitung des Judentums veröffentlicht Professor G. folgende Zusamrnenstellung: Kunzes „Kalender für das höhere Schulwesen Prerr tzens" bringt in seinem 23. Jahrgang {1916) die Knude, daß endlich auch in der Rheinprovinz ein jüdischer Oberlehrer a »gestellt »vorder» ist, »»nd zroar m» der Realschule von Düsseldorf-Grafenberg, nachdem bereits in den letzten Jahren der Bann durch gelegentliche Verwendung von jüdischen Kandidaten gebrochen worden »var. Die höheren Lehranstalten von Pommern, Schleswig-Holstein, Hannover und Westfalen haben vollständig judenreine Lehrerkollegien. In den beider» letzten Provinzen haben allerdings Inden Unterkunft gesunder», nachdein sie sich durch