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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 936

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 936 (sequence 38)
Language
German
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irnd sich selbst erlichen. Mau hat vielfach und wohl nicht ohne Grund behauptet, daß rmscre Diplomaten und höheren BerrvaltnugSbeatuten in den letzten fahren manchmal bedenklich versagt hätten. Sollte ein Teil der Schuld hierfür nicht auch in der Korps„erziehlrng", ihrem eigenartig „autoritativen" Geist und ihrer „Biergemütlichkeit" liegend Bei dem unglaublich konservativen Geist, der vielfach in unserem Universitätsleben herrscht, ist gar Leine Aussicht, daß so tief eingewurzelte Institlltivnen rvie die KorpS in absehbarer Zeit verschivinden. Ilm so dringlicher ist aber auch die Pflicht alter alten und jungen Korpsstudenten, die echte Vaterlandsliebe mit Verständnis für die ernsten Aufgaben unseres Volkes verbinden, dafür zu sorgen, dag eiue inllere Neugestaltung des KorpslebenS zur Wirklichkeit werbe. ES genügt nicht, dag solchen Stimmen, wie die zu Anfang zitierte, Schweigen geboten werde, auch der Geist, von dem sie Zeugnis ablegen, mug auSgerottet, oder besser: i innerlich überwunden werden. Es ist rnir natürlich nicht unbekaltnt, dag dieser j „Geist" auch außerhalb des Korps noch lebt und wirkt. Aber es scheint mir doch unverkennbar, daß die übrigen großen Verbände von studentischen Korporationen den Vorschlägen zu einer Neugestaltung des akademischen Lebens, insbesondere zur Beseitigung des übermäßigen Trinkens und jeglichen Trinkzrvangs wert mehr Verständnis und Bereitwilligkeit enigcgengebracht haben. Bei der positiv-erzieherischen Bedeutung, die das studentische Korporationslebeu hat und in noch höherem Maße haben könnte, wird man die Bedeutung der i ganzen Frage hoch einschätzen müpen Und wenn die! Korps wirklich eine „führende" Stellung an den Hochj schulen behaupten oder wiedercrringen wollen, rverden > sie sich der großen Aufgabe einer „Neuorientierung" > und einer Lebensresorm nicht entziehen dürfen. Mit allgemeinen Fragen beschäftigt sich schließlich j Dr. Konr. Küster-Berlin in einem Artikel der „Hoch- I schule" (Die künftige Gestaltung des studentischen Lebens). I „Wie das deutsche Volk beim Beginn des Krieges * alle Gegensätzlichkeiten mit einem Schlage beseitigte und wie bereits allerlei Organisationen in die Wege "geleitet rverden, um diesen so segensreichen Zustand auch nach dem Kriege zu erhallen, so wird auch die Studentenschaft einen dicken Strich unter ihre bisherige Gegensätzlichkeit machen und Einrichtungen vorbereiten müssen, tun nach Rückkehr unserer heldenhaften feldgrauen Studenten mit diesen zusammen die bisherigen Schäden dauernd auszumerzen. Nicht gegeneinander, sondern miteinander zur Arbeit für das Vaterland soll und muß das zukünftige Wahrzeichen der Studentenschaft sein. Wie ist das zu erreichen? Dazu ist es nötig, die Schäden der vergangenen Zeit zu beleuchten. Vor dem Kriege hatten, sich alle großen und kleinert Verbände von einander abgesondert. Jeder Verband hielt sich für den ersten und besten und sah mit Geringschätzung, ohne sie näher zu kennerr, auf die anderen Verbände herab. Das erzeugte eiue allgemeine Unduldsamkeit und Nichtanerkennung. Dies ist ein Grundfehler." „Alle Bestrebungen für das Allgerrleinwohl rverden aber besonders dadurch zu einem guter» Erfolge geführt rverden, wenn die Studentenschaft zur Selbstverwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten herangezogen wird. Die Smderrienschasr hat sehr viele eigene gemeinsame Jnteresien. Ich will nur an die Krankenkassen erinnern, an die Wohnungsfrage, Stundenvcrmittlung und vieles andere mehr. — Der während des Krieges zur Milderung der Schäden der Akademiker geschaffene Akademische Hilfsbund ist ein Musterbeispiel für Einrichtungen während der Friedenszeit. Noch ein anderer großer Schaden hatte sich in der Stndentenschast eingebürgert. Man hatte in den letzten Jahrzehnten ganz verlernt, daß Beleidiger in erster Linie sich zu entschuldigen bezw. nbzubilten haben, anstatt mit der Waffe in der Hand ungerechtfertigte Beleidigtlngen unbedingt ailfrechlztthalten und den Beleidigten zu zwingen, seine gekränkte Ehre mit der Waffe zu verteidigen. Jeder vornehn» und ritterlich fühlende Mensch hat das Berlangen, sich bei ltngerechtsertigten und übereilten Beleidigungen zu entschuldigen. Die in der Studentenschaft großgezvgene Sitte hindert ihn daran, er muß fürchten, als Feigling angesehen zu werden, mit welchem Worte unverantwortlich viel Mißbrauch getrieben morden ist. Sehen lvir doch, daß die Mitglieder aller Verbände sich ohne Ausnahttte im Kriege heldenhaft gehalten haben. Um hier wieder normale Anschauungen auflebetr zu lassen, wird cs notwendig sein, ein allgemeines studentisches Ehrengericht einzuführcn, das die Anschauung zu vertreten hat, daß Beleidiger in erster Reihe sich zu entschuldigen haben, wie es schon die alte Burschenschaft verlangte." Des Taufjuden Aufstieg. An eine schnrerzliche Wunde in unserem Staatsleben rührt die Ernennung des Abgeordneten Schisser znm Direktor und demnttchstigeu Nnterstaatssekretär ini RcichS-Schatz-Amt. Schiffer ist nämlich nicht nur von Geburt Jude, sondern er hat sich erst im reifen Alter, als er Amtsrichter in Zabrze war, zu den Lehren des Christelltums bekehrt und ist übergetreien. Seine fraglos großen juristischen und politischen Fähigkeiten haben ihn dann rasch eine glänzende Laufbahn zurücklegen kaffen. Wäre er aber seinem Judentum treu geblieben, säße er wahrscheinlich heute noch als Amtsgerichtsrat int dunkelsten Oberschlesien, und seine Kräfte würden dem Staare und der Allgenteinheit nicht an der rechten Stelle zu gute kommen. Wie vielen glaubenstreucn Juden, die nicht, rvie Herr Schiffer, sich von der Wahrheit des Christentums überzengeu lasten, ergeht es aber so, daß sie trotz glänzender Gaben keine Gelegenheit haben, sie zu beweisen. Immer wieder zeigt uns ein solcher Fall, rvie rvcit doch die NegierungSweisheit sich nicht nur von den Geboren , der Gerechtigkeit, sondern auch von denen der Klugheit | entfernt hat! Der neue preußische Justrzrmmster. An die Spitze des Preußischen Justizministeriums ist der bisherige Oberlandesgerra.'tspräsident Spahn getreten, und gerade die jüdischen Juristen werden von dieser Ernennug > mit begreiflichem Interesse und mit gewipen Hoffnungen! hören. Die Zustände im Preußischen Justizreffort sind zu bekannt, als daß sie hier noch ausführlich geschildert zu werden brauchen. Die Aera Schönstedt mit ihrer kränkenden absoluten Zurücksetzung eines jeden jüdischelt Anwärters ist noch frisch in der Erinnerung, irnd null, der jetzt zurückgetretene Justizminister Beseler Hai nur wenig geändert. Noch immer gibt es keine jüdischen Landgerichtsdirektoren oder Präsidenten, keine Staatsanwälte und keine Ministeriatbearnten, obwohl anerkanntermaßen durchaus Befähigte irr Mengen vorhanden sind. Noch imnrer wird bei der Verleihung des Notariats ein Unterschied gemacht und der Jude benachteiligt. Herr Spahn ist Parlamentarier, er ist Mitglied einer Partei, welche stets über Zurücksetzung geklagt und ihre Paritätsschmerzerr beweglich vorzubrirrgen verstanden hat) es ergibt sich demnach die imerepante Frage, ob auch der Minister Spahn erfüllen rvird, was der Parlamentarier Spahn im Namen seiner Partei verlangt hat und ob er tatkräftig für die absolute Gleichberechtigung aller Konfessionen imJustizdrenste sorgen rvird. Man hat freilich schon die seltsamste» Erfahrungen gemacht, wenn oppositionelle Abgeordnete zur Macht gelangen. Hoffentlich bleiben uns bei Spahn die unangenehmen Ueberraschnngen erspart

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