KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 935 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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935 weise — besonders in den letzten 2 Jahrzehnten vor dem Kriege — ziemlich erbittert gewesen. Die konfessionellen Nerbindungen, die die Aufnahmen ihrer Mitglieder von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Religionsbekenntnis abhängig machen, verwerfen grundsätzlich, und zwar aus religiösen Gründen, das Duell und schlechthin auch jede Bestimmungsmensur, die ja an sich kein Duell ist. Weitere Gegner sind die Vertreter der anti-alkoholischen Bewegung ebenso ivie die sportlichen Vereine und Verbindungen, zu denen sich in jüngster Zeit in nicht zu unterschätzender Stärke die Wandervogelbewegung gesellt hat. Aber die zweifellos schärfste und vielleicht gefährlichste Gegnerschaft ist dem Waffenstudenten in der sogenannten „Freien Studentenschaft" erstanden, die, wie schon der Name sagt, grund. sätzlich jeden korporativen Zusammenschluß Studierender verwirft, mithin ihren größten und ausgesprochensten Gegner in den schlagenden Verbänden mit ihrer straffen Organisation, der restlosen Ein- und Unterordnung ihrer Mitglieder Lebensbedingung ist, sehen mutz. Leider haben auch während des Krieges die Anfeindungen nicht aufgehört. Man null durchaus das Waffenstudententum von Grund aus neu gestalten oder, wenn möglich, überhaupt beseitigen. Diese Gegner behaupten, der Krieg habe die Bestätigung für ihre schon seit Jahren vertretene feindliche Anschauung erbracht. Wegfall der Bestimmungsmensuren und Mensuren überhaupt, Beseitigung des Trinkzwanges, alle diese Forderungen werden nunmehr darnit begründet, daß der Krieg das Waffenstudententum eines Besseren belehrt und ihm die Nichtigkeit seiner bisherigen Grundsätze deutlich vor Augen geführt habe. Unter dem Deckmantel wissenschaftlichen Ernstes versucht man vielfach seine alte, zum Teil versteckte persönliche Gegnerschaft gegen das Waffenstudententum zum Ausdruck zu bringen." „Merkwürdig ist, datzallederartigeVerfasserbehaupten, die Waffenstudenten selbst hätten sich im Felde draußen von der Unhaltbarkeit ihres Studententums überzeugt. Demgegenüber steht aber die unleugbare Tatsache, datz gerade die im Felde stehenden und gervesenen Waffenstudenten nrit Stolz und Dankbarkeit der in ihrer Verbindung einpfangenen Erziehung gedenken und durch- . weg hervorheben, wie sehr sie den moralischen und ethischen Wert des Waffenstudententums und des in ihm herrschenden Geistes schätzen gelernt haben. Natürlich sind die Waffenstudenten sich vollkommen darüber einig, datz sie sich in manchem den durch den Weltkrieg veränderten und den durch ihn neugeschaffenen Verhältniffen anzupaffen haben, und es ist durchaus bezeichnend, wenn ein alter Herr eines Tübinger Korps im 8. Kriegsberichte seines Korps ausführte: „Es versteht sich von selbst, datz der Korpsbetrieb nicht einfach so weitergeht wie er vor dem Kriege war, sondern datz die Lehren des langen, in alle Verhältnisse tiefeinschneidenden Weltkrieges auch von den Aktiven beherzigt werden müffen. Unbeschadet der frohen Burschenlust, die sich die Korps nicht nehmen zu lassen brauchen, müffen Vereinfachung der Sitten, Vermeidung aller unnötigen Ausgaben, Verbilligung des Aktivsems, Förderung des Studiums, Aufhören des Trinkzwanges, geringere Inanspruchnahme der Aktiven durch Mensuren und Schreibwerk die Forderung des Tages sein. Es ist eine Lebensfrage für die Korps, ob sie die heutige Zeit verstehen und ihr ganzes Leben und Treiben darauf einrichten. An den Alten Herren soll es nicht fehlen." „An den Grundsätzen und Grundlagen soll auch nicht gerüttelt werden, aber gewiffe Einschränkungen werden um so leichter zu machen sein, als ja die jungen Studenten durch ihre Militärzeit viel kostbare Zeit verlören haben und zum Teil ihre Studien von vorne wieder beginnen müffen. Das Hauptbestreben aller mutz daher bleiben, so schnell wie möglich das Exameil abzulegen. Dies sind die Studenten nicht nur sich selbst, sondern auch den» Staate schuldig, der zu seine«, Wiederaufbau und seiner wirtschaftlichen Genesung keinen einzigen Mann untätig wiffen darf. Diesen Gedanken hat auch bereits die „Deutsche Landsmannschaft" <Cob. L. C.) in bemerkenswerter Weise aus ihrem diesjährigen Kongreß Rechnung getragen, wenn sie den Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmern in weitherziger Weise ihre statutenmäßig zu schlagenden Mensuren entweder gänzlich erließ oder der Zahl nach erheblich einschränkte. Nach den« Kriege wird auch etwas weniger getrunken werden, was sich schon zum Teil durch die ivirtschaftlichen Verhältnisse von selbst ergeben wird. Sport- und Leibesübungen werden, wie auch bereits vor dem Kriege, in den Verbindungen eifrig betrieben werden. Auch noch inanche Kleinlichkeiten und Aeutzerlichkeiten werden schwinden, denn gerade die jungen Studenten bringen aus dem Schützen graben manch anderes und gereifteres Urteil in ihre Heimat init. Dazu wird die Toleranz gegenüber nicht inkorporierten und nicht fechtenden Studenten gehören. Schwieriger ist nur die Frage zu beantworten, ob das Waffenstudententum bei der stark zunehmenden und durch den Weltkrieg geförderten Politisierung unseres Volkes ebenfalls Politik treiben soll. Diese Frage ist jedoch zu verneinen. Mögen die junger, Studenten für sich allein Politik treiben, sich in verwaltnngs- und staatsrechtlichen' Fragen und in Bürgerkunde bilden, aber das Waffenstttdentenlum als solches soll sich jeder politischen Betätigung enthalten. Selbst die Burschenschaft ist in den letzten Jahrzehnten nicht mehr politisch oder partei-politisch nach autzenhin besonders heroorgetreten. Dem waffenstudentischen Treiben als solchem würde nur die schöne Harmlosigkeit genommen, die später nie mehr im Leben des Akademikers wieder, kehrt. Das deutsche Waffenstudententum mag die schöne und ernste Mahnung Bismarcks, den es ja immer mir Stolz als einen der seinigen betrachten konnte, beherzigen, die uneingeschränkt auch auf unsere Zeit patzt." „Und so werden denn auch an den KorPs, den Landsmannschaften, Burschen- und Turnerschasten die großen . Ereignisse des Krieges, in dem ihre Angehörigen sich durchweg heldenhaft geschlagen haben, nicht spurlos vorübergehen. Sie werden sich bei aller Warnung der stets bewährten Grundsätze den nötigen Reformen nicht verschließen; trotzdenr bleibt das Waffenstudententum als solches und wird bleiben, denn die große Zeit hat den Beweis seinerLebensfähigkeitund Lebensbercchtigung erbracht. Aber auch ihm wird der „Krieg ein Studium und der Friede eine Uebung sein." Gegen die „Korpsstudentische Erziehung" nimmt Pros. Vr. August Messer aus Gießen in der „Weserzeitung" sehr scharf Stellung, indem er sich be. sonders gegen die Trinksitten und die in den Korps bestehende Auffaffung von „Autorität" wendet: „Unwillkürlich fragt man sich: wie ist es möglich, daß sich alljährlich auf unseren deutschen Universitäten, die stolz sind auf ihre akademische Freiheit, Hunderte von jungen Leuten in die Sklaverei dieser sog. „Korpserziehung" begeben?" „Wird es aber auch das deutsche Volk noch länger ruhig mit ansehen, datz Korporattonen auf unseren Hochschulen eine „führende" Stellung beanspruchen und vielfach auch von den akademischen Behörden und Lehrern mit besonderem Wohlwollen behandelt werden, in denen „ein ständiges Erziehungswerk" sich abspielt, das dem Geist jeder wahren Erziehung geradezu Hohn spricht. Es handelt sich hier nämlich nicht um die bedeutungslose Liebhaberei privater Zirkel, sondern um eine Sache von größter Wichtigkeit für die ganze Nation. Dieser kann es unmöglich glerchgültig sein, in welchen, Geiste ihre künftigen leitenden Beamten erzogen werden