KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 934 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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unsere Tage unterrichtet werde (im christlichen Religionsunterricht wird Kirchengeschichte eingehend behandelt!) und einen gediegenen wiffenschastlichen hebräischen Unterricht verlangt. Es genügt nicht, wenn die Kinder nach alter Weise aus dem Hebräischen Wort sür Wort übersetzen, ohne über die Wortbildungen klar zu sein, sondern gerade bei der hebräischen Sprache ist ein gründlicher grammatikalischer Unterricht geboten. Jüdischen Knaben, die das Gymnasium besuchen, ist zu empfehlen, an dem fakultativen hebräischen Unterricht teilzunehmen, wie ich es mit Nutzen getan habe. In den von uns besetzten Gebieten Rußlands sind überall Privatschulen gegründet worden, in denen den Kindern außer Rechnen, Geographie und Anschauungsunterricht Deutsch, Russisch und Hebräisch, eine jede Sprache in ihrer Sprache, gelehrt wird — wenigstens habe ich solche Schulen in allen Städten des südlichen Teiles des ehemaligen Gouvernements Grodno, in denen ich mich aufgehalten habe, angetroffen. Die Bibel wird nicht Wort sür Wort oder Satz für Satz übersetzt, sondern der Lehrer begnügt sich, ungewöhnliche oder nicht bekannte Ausdrücke ins Jüdische zu übertragen und im übrigen durch Unterhaltung mit den Kindern in hebräischer Sprache sestzustellen, ob sie den Satz oder Abschnitt verstanden haben. In unserm Religionsunterricht kann Hebräisch nicht so intensiv gelehrt werden; erforderlich ist, daß der Unterricht so weit geht, daß die Kinder imstande sind, die üblichen Gebete und die Bibel zu übersetzen. Es ist erfreulich, wenn K. C. er sich bemühen, Lücken in den Kenntnissen auszufüllen. Wenn wir von einer Vertiefung der K. C.-Tendenz sprechen, so meinen wir indes weniger die Vermehrung der Kenntnisse des Einzelnen, als den Ausbau der positiven Seite unserer Tendenz. Daß eine Vertiefung, und zwar auf breiter Basis, auf der wie bisher Männer verschiedener Richtungen sich vereinen können, geboten ist, das Gefühl haben wohl die meisten von uns. Mir scheint es aber, daß die Mängel weniger in der K. C.-Tendenz begründet sind als darin, daß vielfach Verbandsbrüdern genügende Ueberzeugung und Freudigkeit fehlt. Es kommt weniger auf das Programm an als aus die Intensität des Wollens und Fühlens! Ich möchte hier sagen, was ich mir denke. Ich meine, unser Verband und unsere Verbandsbrüder müßten sich viel energischer mit dem Gedanken, mit der Ueberzeugung durchdringen, daß das Judentum nicht nur in ferner Vergangenheit, sondern auch in Gegenwart und Zukunft ein Kulturfaktor ist. Nicht nur das religiöse Judentum. Wie unser äußerer jüdischer Typus unverwischt und unverkennbar ist, so auch das jüdische Verstandes- und Empfindungswesen. Es hätte nicht Sombarts bedurft, um zu zeigen, was die Juden für die Entwicklung des Handels, den Kapitalismus bedeuten. Welchen Einfluß der jüdische Einschlag für das Theater, für die Presse hat, ist bekannt. Spinoza, Marx, Lassalle, viele andere sind jüdische Persönlichkeiten, in deren Wesen, Empfinden, Denkungsart wir uns verwandte Züge finden. In der Dichtung, sin der neueren deutschen von Heine bis Wassermann und Schnitzler), in der Musik, der Malerei, der Bildhauerkunst sehen wir Juden, deren Leistung eigne, jüdische Züge aufweist. Nicht Verwischung — Vertiefung und Veredlung der jüdischen Eigenart! Welcher Verlust für die Kultur der Gegenwart und der Zukunft, wenn das Judentum verschwände. Verschwände? In uns muß sich viel mehr die Ueberzeugung festsetzen, daß die Juden nicht ein untergehendes, sondern ein aufstrebendes Volk sind. Die Statist-k lehrt, daß kein Volk im vergangenen Jahrhundert sich relativ so stark vermehrt hat wie die Juden, die sich infolge hoher Geburts- und niedriger Sterblichkeitsziffern (insbesondere geringer Kindersterblichkeit) etwa vervierfacht haben. Niemals ist die Zahl der Juden auch nur annähernd so groß gewesen wie in der Gegenwart. Wenn wir K. C.er um unser Recht kämpfen, uns als deutsche Juden in unserm Vaterland behaupten und durchsetzen wollen, so tun wir es nicht aus leerem Trotz, nicht als Erben eines greisenhaften Organismus, der nicht recht leben und nicht zur rechten Zeit zu sterben vermag. Wir müssen uns mit dem Gefühl durchdringen, daß in uns Kräfte lebendig sind, um das Wort Nietzsches zu gebrauchen, Chaos, das neue lebendige Werte, eigene jüdische Werte schafft und schaffen wird. Akademische und Allgemeine Nachrichten. ob Studentische Reformen. Die Frage, ob nach den« Kriege eine Reform des akademischen Lebens unb seiner Sitte eintreten wird, beschäftigt fortgesetzt die studentische und die allgemeine Presse. Aus einem besonders bemerkenswerten Aufsatze von v r. i u r I o h a n n e s F u ch s, („Der deutsche Waffenstudent nach dem Kriege") der in der „Täglichen Rundschau" erschienen ist, geben wir folgende Stellen wieder: Daß das Verbindungswesen um seiner ausgesprochenen Eigenart willen zahlreiche Gegnerschaft finden muhte, liegt auf der Hand. Leider haben sich hierbei viele Mißverständnisse eingeschlichen, und der Kamps ist zeit-