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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 932

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 932 (sequence 34)
Language
German
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Standpunkt Cohens zu stellen, und allzu enge innere Beziehungen und Zusammenhänge zwischen deutscher und jüdischer Kultur vorauszusetzen, um dieses Satzes Richtigkeit zu begreifen. Ist es doch klar, das; die talmudische Periode, daß die Religivnsphilosvphie, daß die Mystik des Judentums ihren Platz in der allgemeinen Kulturentwicklung einnehmen, und daß sie auch beim bösesten Willen daraus gar nicht fortdisputiert und entfernt werden können. Unsere Weltkultur tst ohne Judentum gar nicht zu verstehen, und man mag sich noch so skeptisch zu den etwas gewagten Hypothesen eines Sombart stellen, daß er im Prinzip auf dem richtigen Wege ist, daß das von ihm bearbeitete Gebier nur eins von vielen darstellt, und daß die jüdischen Einflüsse, mögen es nun die der Religion oder die der Juden sein, nirgends außer acht gelassen werden dürfen, ist so selbstverständlich, daß eine besondere Hervorhebung fast trivial erscheint. Selbst wenn dem aber so sein sollte, daß der jüdische Kulturkreis eine in sich geschlossene Sondererscheinung ohne besonderen Einfluß auf das Leben der Umgebung ist, würde die Kultur einer Gemeinschaft von zwölf Millionen Menschen es ganz gewiß auch um ihrer selbst willen verdienen, in wissenschaftlichem Sinne an den Stätten der Forschung behandelt zu werden. Die heutige eigentümliche Lage, die blinder Haß und seine Nachwirkungen verschuldet haben, erscheint um so seltsamer, wenn man im Hinblick auf dieses letzte Argument die Stellung vergleicht, die sonstige Kulturkreise im wissenschaftlichen Betriebe einnehmen. Vielleicht könnte der oder jener noch im Zweifel fein, ob nicht die an deutschen Universitäten behandelte chinesische Kultur und Geschichte von ebensolchem Einfluß auf die Welt gewesen seien wie die jüdische. Aber bei der der alten Mexikaner, der Indianer, der Zulus und anderer interessanter Völkerschaften dürfte dieser Gesichtspunkt denn doch versagen. Man kann die Stellung des Staates und der offiziellen deutschen Wissenschaft eigentlich nur humoristisch auffassen. Für alle erdenklichen entlegenen Spezialitäten gibt es auf deutschen Hochschulen Professuren. Für die Wissenschaft jenes Teiles der Menschheit aber, der der Welt die Grundlage der Gesittung und der Kultur gab, darf sich nicht einmal j ein lumpiger Privatdozent habilitieren! Man kann und soll diese Verhältnisse auch durchaus vom Standpunkte der wahren objektiven Wissenschaft und ihrer Ehre geißeln. Uns interessiert hier srellich mehr das praktische Judentum unserer Tage. Für seine gesamte Stellung wäre es ungeheuer wertvoll, wenn der jüdischen Wissenschaft eine Heimstätte an den Hochschulen eingeräumt würde, wenn Professuren für Talmud, für Geschichte, für Literatur, fiir Religio,lsphilosophie und für Kulturgeschichte errichtet würden. Nicht zu unterschätzen ist natürlich der oberste Wert, die Förderung positiver wissenschaftlicher Erkenntnis. Für die Praxis wichtig wäre aber die dadurch geschaffene Aufklärung. Wenn auch Aufklärung keineswegs das Ende des Judenhasses bedeutet, so ist sie doch jedenfalls die Voraussetzung für jede Erfolg versprechende Bekämpfung. Dann aber würde diese Gleichberechtigung der jüdischen Wissenschaft die große oberflächlich denkende Welt veranlaßen, jüdische Probleme mit etwas mehr Achtung und vielleicht auch Interesse zu verfolgen, und die Judenheit selber würde einen Stolz erwerben, der nicht das Ergebnis von tausendmal wiederholten Redensarten ist, sondern der au; der Grundlage positivenWiffens erwächst. Vielleicht würde sich auch — ein Satiriker fände hier einen dankbaren Stoff — das im Judentum etwas in Mißkredit geratene religiöse Lernen, die Beschäftigung mit den Quellen der Religion etwas heben, wenn unsere an der Außenwelt orientierten Glaubensgenoffen sähen, daß jüdische Wiffenschaft eine vom Staat geförderte, an königlichen Universitäten gelehrte, also anderen Gebieten durchaus gleichberechtigte Angelegenheit sei! An jüdischem Selbstbewußtsein dürste die wiffenschaftliche Arbeit an den deutschen Hochschulen sicherlich mehr schaffen, als Tausende von noch so begeisterten Ermunterungsreden, denn es würde ein Selbstbewußtsein auf positiver Grundlage erwecken! Diese Ausführungen erheben keineswegs den Anspruch daraus, auch nur für das kleine gewählte Gebiet erschöpfend zu sein. Sie mögen aber doch gezeigt haben, daß es im Gleichberechtigungskampfe Erfolg und innere Befriedigung versprechende Wege gibt, die man bisher nur sehr zaghaft beschritten hat. Das Beispiel des Judentums im akademischen Leben ist dabei nicht wahllos herausgegriffen worden, sondern es ist hier behandelt worden, weil es von allen in Betracht kommenden das wichtigste ist. Bei den Juden — den alten wie den modernen, die heute im Osten die Traditionen vergangener Zeiten pflegen — ist ebenso wie bei den Deutschen die Hochschule, als Quell der Erkenntnis, und als Mittelpunkt des geistigen Lebens dieGrundlageder Kultur! I Von dieser wichtigsten Stätte aus würde sich dann die gesamte weitere Gleichberechtigung des Judentums auf den anderen Gebieten des Staatslebens — in Kultus, Schule und Heer — logisch von selber ergeben. Ist erst das Judentum als Wiffenschaft anerkannt, so ist bis zu seiner Aufnahme als überall gleichgestellter Religionsgemeinschaft nur ein kleiner Schritt. Für dieses Ziel I Kraft aufzuwenden ist also fraglos unter allen > möglichen Methoden des Gleichberechtigungs- I kampses am wichtigsten und lohnendsten, und

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