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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 931

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 931 (sequence 33)
Language
German
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981 urteilenden christlichen Geistlichen verfochten , worden. Auf jüdischer Seite aber hat man bisher noch stets die Wichtigkeit der Frage verkannt oder man hatte im Kampfe um die individuelle Gleichberechtigung nicht die Zeit, sich damit zu beschäftigen. Gewiß dürfen die inneren Schwierigkeiten, deren Hinwegräumung für ein Erfolg versprechendes praktisches Vorgehen eine Vorbedingung ist, nicht unterschätzt werden. Daß große religiöse Gegensätze vorhanden sind, und daß die Trenn ungsorthodoxie gegen jede derartige Forderung Sturm laufen wird, darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Dieser Grund wird übrigens auch immer wieder vom Staate vorgeschoben, wenn man in jüdischen Kreisen einen schüchternen Versuch macht, auf irgendeinem Gebiete die Gleichberechtigung des Judentums zu fordern. Es ist aber nicht einzusehen, warum man sonst alles im Leben durch Mehrheilserwägungen entscheiden läßt, nur dann aber eine Ausnahme macht, wenn auf diesem Wege die Interessen des positiven Judentums gefördert werden könnten.» Warum sollte nicht — unter voller Berücksichtigung der Gewissensbedenken der Minorität — wenigstens für jene überwältigende Mehrheit der deutschen Judenheit, die nichts gegen diese Forderung einzuwenden hat, eine Gleichberechtigung der jüdischen Religion herbeigesührt werden? In dem zähen Widerstande, der staatlichen Instanzen darf man übrigens eine Bestätigung für die Richtigkeit der hier verfochtenen Theorie erblicken. Der Staat weiß ganz genau, daß die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät das Ansehen und die Kraft des deutschen Judentums gewaltig mehren, daß sie also einen großen Teil der Gleichberechtigungsarbeit leisten würde. Und daran scheint man bisher bei den maßgebenden Faktoren wenig Interesse gehabt zu haben. Die Folge einer jüdisch-theologischen Fakultät wäre natürlich von weitreichender Bedeutung. Von den Rabbinern selber und ihren Schmerzen, von ihrer absoluten Rechtlosigkeit dem Staate und den Gemeinden gegenüber, von der oft unwürdigen Stellung, in die sie besonders preußische Gemeinden zu drängen versuchen, soll hier und in diesem Zusammenhänge nicht die Rede sein. Für das äußere. Ansehen und die innere Kraft der jüdischen Gemeinschaft wäre sie aber außerordentlich wohltätig. Den Rabbinern, den Vertretern des Judentums, würde bei den nun einmal herrschenden Anschauungen, die man ja bedauern kann, ihren Gemeinden wie der Oesfentlichkeit gegenüber eine ganz andere Stellung gegeben sein. Die unbedingt notwendige Gesamtorganisation— auch eine Rechtsfrage, in der das Judentum anderen Gemeinschaften gegenüber stark benachteiligt ist — hätte hier einen Ausgangs- und Mittelpunkt gewonnen, und der Regierung gegenüber wäre eine autorative Behörde geschaffen, welche imstande ist, Gutachten über Fragen jüdischer Religion und jüdischer Kultur zu erstatten. Böswilligen Angriffen gegen die jüdische Religion, deren Verfolgung heute von der guten Laune und der Einsicht eines beliebigen Staatsanwalts in der Provinz abhängig ist, würde man — um ein kleines Beispiel herauszugreifen — aus Grund von Fakultätsgutachten erfolgreich entgegentreten können. Ohne daß wir uns hier in Einzelheiten verlieren, kann sehr wohl gesagt werden, daß solche Fakultäten der jüdischen Gemeinschait eine bedeutende Kräftigung des Selbstbewußtseins und Haltung verleihen würden, und ihr Wert würde größer sein als der von lausend jüdischen Reserveleutnants und Staatsanwälten. Die auf ihre Erreichung gewandte Mühe und Arbeit würde jedenfalls bedeutend mehr Befriedigung gewähren. Diese Gleichstellung des Judentums an der Universität wäre freilich einerein äußerliche. Die in einer jüdischen Fakultät gelehrte Wissenschaft würde, genau wie bei den christlichen Fakultäten, bestimmten Zwecken dienen. Das Judentum darf aber nicht nur als Religion mit praktischen Ausgaben für die Schar ihrer Anhänger, es muß auch als allgemeine Kulturerscheinung gewertet werden. Und daß es in diesem Sinne gleichberechtigter Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung an Deutschlands Hochschulen werde, ist die zweite Forderung, die an Wichtigkeit die erste noch weit übertrifft. Heute wird jüdische Wissenschaft nur insoweit gelehrt, als fie zum Verständnis des Christentums notwendig ist. Tendenziös entstellt erscheint das Judentum in den Darstellungen christlicher Theologen nur als die VorbereirungSstuse für die christliche Religion, und abgesehen davon, daß dieser Gesichtswinkel ihren gesamten pofittven Wert nicht zu seinem Rechte kommen läßt, hört die Darstellung mit dem Fall von Jerusalem fast vollständig auf. Aus der talmudischen Zett und Literatur wird vielleicht noch das behandelt, was zur Unterstützung gewisser Thesen über das Christentum dienlich erscheint, von dem weiteren für die Weltkultur so unendlich wichtigen Leben und Wirken des Judentums erfährt man auf sämtlichen Universitäten Deutschlands auch nicht eine Silbe! An sich ist es natürlich fast lächerlich, zu welchen absurden Folgerungen die bisher geübte Praxis geführt hat. Denn wer kann leugnen, daß das'Judentum für unsere gesamte moderne Kultur von einem ungeheueren Einfluß gewesen ist! Man braucht sich dazu keineswegs auf den

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