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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 929

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 929 (sequence 31)
Language
German
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datz es „Parität" in Studentenverbindungen gegenwärtig nicht gibt, und datz demnach für beit jungen jüdischen Studenten nur die jüdische Verbindung in Betracht kommen kann. Die bestellenden paritätischen Vereinigllngen tragen nicht, wie der Herr Verfasser rneint, „zur gründlichen Harmonisierung des Zusammenlebens mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern" lei — dazu haben sie an Mangel an Material gar keine Gelegenheit — sondern sie unterdrücken jüdische Gesinnung, sie hindern jüdische Arbeit und ziehen Indifferentismus und Abfall grotz. Akademische Gleichberechtigungsarbeit Von Dt. Felix Goldmann (Thuringiaej. Es ist in unserer Zeit in manchen jüdischen Kreisen modern geworden, auf die Gleichberechtigungsarbeit mit einer gewissen Geringschätzung, oft sogar mit etwas Spott herabzusehen. Man kann — sobald man des Ziel von der Methode trennt und lediglich letztere ins Auge saßt — die Berechtigung einer solchen Betrachtungsweise nicht immer leugrien. Auch der überzeugteste Arbeiter auf diesem Gebiete wird es bedenklich finden, wenn zuweilen die an fich gewiß notwendigen Bemühungen dieser Art nicht nur in den Mittelpunkt aUerjüdischenBestrebungengestelltwerden,sondern wenn man sie mit jüdischer Betätigung überhaupt gleichsetzt. Eine derartige Bevorzugung und Verkennung ihrer Bedeutung muß daher notwendigerweise die — auch wieder maßlos übertreibende — Reaktion Hervorrufen, die wir besonders in nationaljiidischen Kreisen heute so oft beobachten können. Mehr aber noch als die falsche Bewertung mag zu dieser Erscheinung nun der geringe Erfolg beitragen, der dem unablässigen Bemühen beschieden ist. Wenn auch unverkennbar außerordentlich viel erlangt worden ist, — weniger vielleicht an äußerlich sichtbaren Fortschritten als an Werten seelischer Aufrichtung — so gewinnt man doch zunächst die etwas niederdrückende Überzeugung, daß die großen Etappen auf dem Wege zur Hohe nicht in erster Reihe durch jüdis ch e Arbeit und Zähigkeit, sondern mehr durch umwälzende Ereignisse in der all gemeinen Geschichte der Völker erreicht worden sind. Man denke an die Folgen der französischen Revolution, an die Emanzipation derdeutschenJudenim Aufklärungsalter, an die heutige Befreiung der russischen Juden durch die Revolution! Dann aber stellt sich die jüdische Aufgabe auf dem Gebiete des Kampfes um die Gleichberechtigung nicht als eine solche dar, die mit zusammengefaßten Kräften durch Streben nach einem deutlich sichtbaren Ziel auf einem geraden Wege systematisch gelöst werden kann, sondern sie zerfällt in eine Unzahl von kleinen und kleinsten Bemühungen. Die Arbeit der einzelnen Teile fügt sich nicht in ein Ganzes ein. Was an einem Orte geleistet wird, kommt an dem anderen kaum zu gute, was gestern geschehen ist, wird sür morgen selten verwertet werden können. Wir stehen eben einer Unsumme von Einzelfällen gegenüber, in denen wir immer wieder von vorn beginnen müssen. Und das Gefühl der mangelnden Befriedigung über den Erfolg wirkt natürlich auf die Beurteilung der Nützlichkeit des Kampfes und seines positiven Wertes ein. Fraglos ist also in dem Kampfe um die Gleichberechtigung nicht alles in der rechten Ordnung, und der Kardinalfehler liegt darin, daß in Ansehung des Objekts nur rein individuelle Arbeit geleistet wird! Statt für die Gleichberechtigung des Judentums als der Religion und derGesamtkulturerscheinung zu wirken, wird nach der Gleichberechtigung der einzelnen Juden gestrebt, und aus dieser falschen Einstellung entspringt das doppelte Unbehagen, das uns so oft ergreift. Aus der einen Seite löst sich hierdurch eine wirklich große und dankbare Aufgabe in eine Reihe von oft kleinlich erscheinenden, zuweilen auch wirklich kleinlichen, Arbeiten auf, andrerseits aber fehlt den einzelnen Individuen, in deren Jnterefie sie geleistet werden, in nur allzu vielen Fällen der innere gewollte Zusammenhang mit der Sache, und so wird sür Menschen gestritten, die uns oft sehr wenig Freude machen, die häufig sogar das Judentum verachten und verlassen. Wenn beispielsweise, um das alte vielbespöttelte Beispiel heranzuziehen, ftir den jüdischen Reserveleutnant mit Ausdauer und einem unendlichen Kraftaufwand gekämpft wurde, so geschah das aus Pflichtgefühl und Theorie, aber weniger mit innerer Freudigkeit, denn die meisten von denen, um derentwillen man es tat, hatten zum Judentum gar keine Beziehungen, und ließen fich oft sogar taufen, sobald eben der vom Staate und der Öffentlichkeit gezahlte Kaufpreis ein etwas höherer wurde. Es ist hiergegen eingewendet worden, daß das Streben nach jüdischer Gleichberechtigung ein Kampf ums Recht sei, datz demnach alle Einzelerscheinungen in diesem großen Ziel zusammengefaßt würden. Demgegenüber muß aber zunächst bedacht werden, daß — unbeschadet der theoretischen Richtigkeit dieses Satzes — der Kamps ums Recht schlechthin keine Sonderausgabe der Juden ist. Dann aber ist dieses Ideal viel zu hoch, als daß man imstande wäre, eine direkte Beziehung zwischen ihm und dem in jedem Einzelfaüe bei der Kleinarbeit erreichten Ergebnis herzustellen, geschweige daß es die Grundlage abgeben könnte, auf der alle Sonderersolge in einen befriedigenden systematischen Zusammenhang zu einander gebrächt werden könnten. Praktische Arbeit muß ein praktisches Ziel haben! Sie direkt ohne Vermittlung ans ein allgemeines

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