KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 928 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Harmonisierung des Zusautmenlebens mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern". Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft! Wo die Boraussetzungen so unzutreffend sind wie hier, müssen es die Schlußfolgerungen erst recht sein. Unter »oller Anerkennung dessen, was an allgemeinen Werten im Jdeenkreis paritätischer Verbindungen enthalten sein könnte, ist oben die Darstellung ihrer vollzogenen geschichtlichen Entwicklung gegeben. Die behält das letzte Wort. Mag nlan aber ihre grundlegenden, von Verband zu Verband, von Verbindung zu Verbindung verschiedenen Gedankenzüge mehr oder weniger billigen, was haben sie mit dem Judentum zu tun, was hat die jüdische Welt von ihnen gehabt, was kann jüdische Zukunft von ihnen erwarten? Kartellbruder Goldmann hat sich gegen das Hamburger Famllienblatt in der unten abgedruckten Entgegnung gewandt. Mir seien folgende Fragen an den unbekannten Mitarbeiter des Familienblatts gestattet: Wann haben je paritätische Verbindungen die antisemitische Propaganda zu überwinden versucht? Welche Verbindungen? Wo? (Daß die historische Darstellung des hier in Betracht kommenden Satzes falsch ist, sei im Vorübergehen gestreift.) Wann und wo haben sie je eine „Kampfstellung gegen den Antisemitismus" eingenommen? Wann und wo sind die paritätischen Verbindungen ein „wertvoller Bundesgenoffe für die deutsche Judenheit" gewesen, wann haben sie es auch nur sein wollen? Was haben die in der Praxis ja doch fast nur aus Juden oder Getauften bestehenden paritätischen Verbindungen zu einer mit jüdischem Selbstbewußtsein zu vereinbarenden „gründlicheren Harmonisierung des Zusammenlebens mit unfern nichtjüdischen Mitbürgern getan? Auch heute noch wird über studentische Dinge in jüdischen Zeitungen und Zeitschriften nicht allzu oft gesprochen. Um so betrübender für uns ist es, wenn es in einer die tatsächlichen Verhältnisse so sehr verkennenden Weise geschieht wie in dem anezogenen Artikel. Das Judentum als solches at an den paritätischen Verbindungen keinerlei Interesse, vielfach hat es sogar durch sie Schaden erlitten. Welch eine Zumutung für große jüdische Organisationen, dieseVerbindungen zu unterstützen! Ich wünschte aus vollem Herzen, wir erlebten die Zeit, in der die antisemitischen Vorurteile und die Ausschließung der Juden aus den großen Verbänden ein Ende nähmen. Leider sieht man wenig Anzeichen nach der Richtung. Zugegeben: auch die jüdischen Verbindungen sind nicht ,m Stande gewesen den Verbänden eine andere Jndenpolitik beizubringen. Aber sie können mit der jetzt schon ins vierte Jahrzehnt gehenden, bewährten Erziehung ihrer Mitglieder zu guten und stolzen Juden, mit einer die ganze jüdische Oeffentlichkeit allmählich durchdringenden Anerkennung ihrer Prinzipien, mit führender Tätigkeit in allen jüdischen Organisationen answarten. Gilt das, von nichtjüdischen Werten abgesehen, nichts? Und was haben für das Judentum Gleichwertiges die paritätischen Verbindungen zu bieten, ja was haben sie an jüdischen Werten auch nur zu schaffen versucht? Das Hamburger Israelitische Familienblatt wird um freundliche Beantwortung gebeten. Kartellbruder Goldmann hat in dem Blatt die folgende Erwiderung veröffentlicht: Zu dem Leitartikel der vorigen Ntlmmer, der sich für den Eintritt jüdischer Studenten auch in paritätische Verbindungen ausspricht, seien mir zwei Bemerkungen verstattet. Unsere großen Organisationen sind geschaffen worden, um jüdischenInteressen zu dienen. Daraus ergibt sich, daß sie wohl in dem einen oder anderen Falle die Unterstützung einer jüdischen Bestrebung ablehnen können; paritätischen Angelegenheiten, also auch Studentenverbindungen, ihre Kraft zu widmen, wäre aber gegen ihren Zweck und ihren Sinn, und ihre Mitglieder würden sich gegerr eine derartige Verwendung von Kräften und Mitteln energisch wenden. Nur eins kommt in Frage, ob nämlich die Organisationen die jüdischen Verbindungen fördern wollen oder nicht. Von einer Förderung paritätischer Korporationen kann aber gar keine Rede sein, und diesem Verlangen des Artikels wird hoffentlich von allen Seiten im deutschen Judentum bestinmit widersprochen werden. Zum zweiten stellt der Artikel es so dar, als ob es wirklich paritätische Verbindungen gäbe! Es sollen Korporationen vorhanden sein, in denen „im deutschen Vaterlande Juden und Christen einträchtig und gleichberechtigt, unter Wahrung ihrer religiösen Eigenart zu führenden Stellungen herangebildet werden!" Ich beschäftige mich nun schon an fünfzehn Jahren mit akademischen Fragen und weiß einigermaßen Bescheid im akademischen Leben, aber solche Verbindungen, in denen Juden und Christen gemeinsam einträchtig arbeiten, kenne ich nicht! Gegen sie hätte ich ebensowenig etwas einzuwenden, wie der Herr Verfasser des Artikels. Sie existieren aber nicht! Was sich paritätisch nennt, ist eben eine Vereinigung von Juden und Täuflingen, zu denen als „Renommierchrist" vielleicht — aber nur selten — irgend ein meist von christlichen Verbindungen abgelehnter Andersgläubiger gehört. Und der „paritätischen" Verbindung, wie sie das heutige akademische Leben kennt, hervorstechendes Merkmal ist, daß sie höchst christlich tut und alles Jüdische ängstlich meidet. So sehen die empfohlenen „paritätischen" Verbindungen ans; sie sind einfach Vereine von Juden, die nicht erkannt sein wollen, und wie sic die hohen Aufgaben erfüllen sollen, von denen der Artikel spricht, ist durchaus unklar. Es . geht doch nicht an, daß der Herr Versaffer von den paritätischen Korporationen Idealbilder entwirft, die man vielleicht wünschen kann, und sie an die Stelle der Wirklichkeit setzt! Wer unbefangen die tatsächlichen Verhältnisse betrachtet, ivird zngeben müssen,