KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 927 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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927 über jüdische Dinge verpönt. Zu Chargierten wurden mit Bedacht Leute mit nicht jüdisch klingenden Namen ausgesucht. Nicht zu verallgemeinern: ein jüdischer Angehöriger einer dieser Verbindungen wurde Katholik, katholischer Priester, und trägt jetzt sein neben der Tonsur mit Schmissen reich bedecktes Haupt in angesehener Stellung bei der Kurie. Der größte Verband dieser paritätischen Verbindungen zerfiel bald. Eine Korporation ging zu uns. Die andern sind in ihrem Ideengehalt bis auf eine dem K. C. im Laufe der Jahre nähergekommen. Man sehe sich ihre Alte-Herren-Listen än. Sie beweisen, daß der Gedanke, Juden und Christen zur gemeinsamen Arbeit in studentischen Verbindungen zusammenzuschweißen, bedauerlicherweise vollkommen Schiffbruch gelitten hat. Für jüdische Interessen find sie ihrem ganzen Gedankengehalt nach nie in Betracht gekommen. Haben es auch gar nicht beabsichtigt. Auch nicht, als die große jüdische Bewegung im letzten Jahrzehnt viele Mitglieder als Einzelne näher ans Judentum gebracht hat. Bestenfalls wollten sie den allgemein humanitären Zweck der Gleichberechtigung im Studentenleben billigen. Kampf gegen den Antisemitismus war nie ihre Aufgabe, Eintreten für rein Jüdisches ihrem ganzen Wesen fremd. Die stark auflodernde Lohe jüdischen Selbstbewußtseins sah sie außerhalb des Bannkreises. Der aus ethischen und praktischen Gründen vom K.C. ausgestellte Satz der Exklusivität, den wir nie zum Prinzip erhoben haben, hat seine Rechtfertigung in der geschichtlichen Entwicklung erfahren. Das bürgerliche Leben hat ihm große Organisationen mit gleichem Daseinszweck an die Seite gestellt. Aber der Parallelismus ging nicht so weit, daß er neben den rein jüdischen Organisationen (und bei allem schuldigen Respekt muß es gesagt sein) auch paritätische Verbindungen des gleichen Zwecks mit den jüdischen geschaffen hätte. Der Raum war im Studentenleben zu eng. Lange Zeit sind die großen jüdischen bürgerlichen Organisationen ohne Fühlung mit den studentischen geblieben. Den Akademikern in jenen war die Erinnerung an die Liberalität ihrer schönen Zeit zu lebendig, den Nichtakademikern Schläger und Säbel, Komment und Kneipe zu j wesensfremde Dinge, als daß sie ihre Notwen-! digkeit und den inner« Zusammenhang mit dem | Kampf für jüdische Fragen schnell begriffen hätten, j Allmählich wuchs die jüdisch organisierte Studentenschaft. Ihre alte Herren behielten das Interesse für jüdische Dinge bei, waren zur Arbeit überall bereit, wo man sie rief. Bald saßen sie im! Rat der Maßgebenden. Die Wechselwirttmg stellte; sich noch nicht vollkommen ein. Darauf hat Kar-! tellbruder Golhmann in seiner „Neuorientierung" * hingewiesen. Wir sind lange Jahre bei fast vollkommener Anteilslosigkeit der jüdischen Philisterschaft gewachsen) es waren die schwersten und darum schönsten Jahre. Wir haben auch nicht um ihre Unterstützung gebeten, sondern auf ihre aus dem Kampf für die gemeinsame Sache entspringende Pflicht hingewiesen und die Freude erlebt, daß schließlich die Richtigkeit unseres Gedankens in immer weiteren Kreisen jüdischer Allgemeinheit anerkannt worden ist. Um so erstaunter muß man sein, wenn man im Jahre 1917 in einer angesehenen jüdischen Zeitung eine Antwort auf den Artikel „Neuorientierung" lesen muß, in dem man Anschauungen aus dem Jdeengang der achtziger und neunziger Jahre findet. Das „Hamburger Israelitische Familienblatt" gibt zunächst zu, daß für rein jüdische Probleme die Verttefung in einer paritättschen Verbindung offiziell nicht mit dem gleichen Nachdruck betrieben werden könne wie in jüdischen Verbindungen. Dann heißt es weiter: „Auf der anderen Seite aber - darüber wollen wir uns nicht täuschen — bietet die korporative Abgeschlossenheit einer rein jüdischen Derbindung nicht in dem Matze die Gewöhnung an ein engeres gesellschaftliches Zusammenleben mit nichtjüdischen Studiengenossen im Jünglingsalter, wie es im Interesse der interkonfessionellen Harmonie und der bürgerlichen Eintracht im späteren Leben wünschenswert, ja notwendig ist. Die geschichtliche Entwicklung hat doch rein jüdische Studentenverbindungen erst gebracht, als die antisemitische Bewegung auf den Hochschulen durch die paritätischen Verbindungen allein nicht überwunden werden konnte. Dadurch ist jedoch die Kampfstellung der Letzteren gegen den Antisemitismus keineswegs aufgehoben worden, und die deutsche Judenheit hat keinen Grund, sich prinzipiell oder tatsächlich von einem wertvollen Bundesgenossen gänzlich zurültzuziehen". „So hat sowohl die jüdische, wie die paritätische Studentenverbindung ihren besonderen Weg zudem gemeinsamen Ziele, nämlich datz zum staatsbürgerlichen wie zum gesellschaftlichen Leben im deutschen Vaterlande Juden und Christen einträchtig und gleichberechtigt, unter Wahrung ihrer religiösen Eigenart, zu führenden Stellungen herangebildet werden. Beide Arten akademischer Korporationen haben ihre sehr grossen Verdienste um diese hohe Aufgabe. Und daraus mutz sich auch die Stellung unserer grossen jüdischen Organisationen zu ihnen ergeben. Nicht, wie der Wortführer der K. C.-Berbindungen verlangt, sollen sie in Zukunft anstatt der paritättschen die K.C.er einseitig fördern und unterstützen, sondern beide Richtungen in gleicherWeise. Wenigstens diese Förderung und Unterstützung in materieller und ideeller Hinsicht mutz für beide Arten paritätisch sein. Man würde es in keiner Weise gutheitzen können, wenn das Wohlwollen unserer grotzen Organisationen für die jüdischen Verbindungen nur ein rein platonisches bliebe aus Gründen, die sich in ein höchst ideal drapiertes Gewand kleiden können, aber vor der Praxis des Lebens nicht standhalten. Wir brauchen diese jüdischen Verbindungen auf deutschnattonaler Grundlage zur Festtgung des Judentums mindestens ebenso notwendig, wie die paritättschen, interkonfessionellen zur gründlicheren