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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 926

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 926 (sequence 28)
Language
German
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926 Protest, nicht als eine Verteidigung. Denn wer hätte das Recht, die mit der Feder zn verj Leidigen, die uns tagtäglich mit ihren Leibern! decken. Unsere Helden da draußen sind erhaben! über derartige Beschimpfungen, sie antworten! schweigend. Arbeiten und kämpfen — so ant-! wortet K. C.er Geist.! paritätische Studentenverbindungen. Bon vr. Bruno Weil, Licariae. (Im Felde). Ueber die paritätischen Verbindungen ist in den K. C.-Blättern, seit diese bestehen, wenig berichtet, noch weniger diskutiert worden. Der Gedanke, in den Studentenverbindungen, dieser schöj nen Blüte am Baume deutschen Studentenlebens, j Christen und Juden fröhliche Ungebundenheit der! schönsten Jugendjahre teilen zu lassen, hnt schon im Beginn des 19. Jahrhunderts den Sieg über konfessionelle Vorurteile davongetragen. Die Burschenschaften voran, ließen auch die anderen großen Verbände bei der Aufnahme die Frage nach dem Glaubensbekenntnis bei Seite. Um so verwunderlicher muß es erscheinen, daß das letzte Viertel des vergangenen Jahrhunderts im Zeichen studentischer Unduldsamkeit steht. Langsam Und sicher sind die Juden aus den Verbindungen herausgedrängt worden. Das sterbende Jahrhundert sah nach dem Burschenschaftenbeschluß von 1896 alle großen Verbände auch theoretisch den schon länger praktisch verwirklichten Grundsatz der Ausschließung der Juden anerkennen. Jugendlicher Stürmergeist, ideale Hochgesinnung konnte den Gedanken gebären, der angedeuteten Entwicklung eine andere Gedankenreihe entgegenzusetzen: Kampf für Verbindungen, die die Gleichberechtigung des jüdischen Studenten vertreten und ihre Tore ohne Rücksicht auf Bekenntnis allen geeigneten Studenten öffnen. In vielen Köpfen ist der Gedanke in den siebziger und achtziger Jahren erwogen worden. Gerade den jugendlichen Sinn mußte er kraft seines großzügigen Anstrichs fesseln. Und hier und da sind Ansätze in der gewünschten Richtung unternommen worden. Vereine, die ohne Rücksicht auf den paritätischen Gedanken wiffenschaftliche Zwecke verfolgten und niemanden von ihrer Tür verwiesen, gab es schon länger. Aber sie wollten und konnten mangels der den ganzen Menschen ergreifenden und sein Dasein für gewiffe Zeit in weitgehende Einzelheiten regelnden Organisation der Verbindungen und Verbände nicht mit diesen gleichartige Ziele verfolgen. Der Versuch, paritätische Verbindungen zu schaffen, war eine sich von selbst aufdrängende Idee. Daß er in der deutschen Studentenschaft niemals in uutfassenderer Weise unternommen worden ist, sich auf schnell zersplitterte Gründungen an einzelnen Universitäten beschränkt und in seiner historischen Entwicklung nur einige lebenskräftige Verbindungen gezeigt hat, wird den Geschichtsschreiber dieser Dinge baß erstaunen. Hart im Raume streßen sich die Dinge, deren Verwirklichung so ideal erschien. Die Studentenschaft war zu dieser Zeit in ihren alten gefestigten, Juden ausschließenden Verbänden schon zu kräftig organisiert, als das; ein paritätischer Luftzug ihrem Bau zum gefährlichen Sturme hätte werden können. Das Problem der „freien" Studentenschaft dämmerte etwa in dem gleichen Zeitraum herauf, und nahm unter den jugendlichen Geistern gerade von denen einen Teil gefangen, die ihrer Veranlagung nach zum Kampf um ideale Werte bereit waren. Immerhin fanden sich eine Anzahl Juden zusammen, die versuchten, dem Gedanken paritätischer Verbindungen zum Erfolg zu verhelfen. Aber wo blieben die Christen? Im Anfänge waren einzelne vorhanden. Freunde ungleichen Bekenntnisses wollten sich nach gemeinsamen Schuljahren nicht trennen. Ob auch der Ideen Schwung den einen oder andern Christen anlockte, mag der Chronist dieser Verbindungen berichten. Einige Male fand sich auch sehrunerfreuliches Menschenmaterial unter dem Vorgeben des Bekennens zum Ideal ein. Die alten Ghibellinen können darüber berichten. Vor allem aber verschob für die jüdischen Studenten der dringend, gewordene Kampf gegen den Antisemitismus die Grundlage der Verbindungen und brachte die Notwendigkeit, kraftvolle Korporationen mit dem ausgesprochenen Zweck: Kampf gegen den Antisemitismus! zu schaffen. Auch das wäre unter Umständen eine Aufgabe für paritätische Verbindungen gewesen. Aber noch einmal: wo blieben die Christen, die allein durch erhebliche Beteiligung diese Korporationen zu wirklich paritätischen machen konnten? In dem Augenblick, wo die christlichen Studenten in größerer I Zahl ausblieben, war der Gedanke zum Verkiim-! mern verurteilt. Er mochte nicht sterben, weil ihm ein guter Kern innewohnte, er konnte nicht! leben, weil alle Vorbedingungen, den Kern zn i fruchtbarer Reife zu bringen, entfielen, i Und die Praxis verschlimmerte noch vieles. Es j ist noch nicht so lange her, daß sich viele unserer! Kommilitonen scheuten, sich offen zum Judentum zu bekennen und sich als Juden ansprechen zu lassen. In den paritätischen Verbindungen war bis vor etwa zehn Jahren das Verleugnen des Judentums Mode. Wir sind über die Dinge gut unterrichtet, weil wir ja im Verbände eine Verbindung haben, die erst vorn paritätischen Gedanken den Weg zum K.C. gesunden hat. Taufen ivaren dort an der Tagesordnung, Gespräche

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