KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 925 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Ucitte verstanden, sich dnrchzusetzen, eben weil sie noch etwas dnrchzltsetzen hatten." Aber tvenn der K. C. „immer von der Bor- »mssicht gelebt hat, daß nran den Antisemitismus durch gutes Benehmen zur Selbstentäußerung bewegen könne, und das; damit die Jndenfrage aushöre, eine Frage zu sein", wenn er aus einer Weltanschauung beruht, „die gar keine Möglichkeit zitr Vertiefung" hat und „die Probleme nie bei sich selbst sieht", »nenn „seine Erkenntnisse immer wieder auf lügnerischen Voraussetzungen zu ertappen" sind, wie in aller Welt ist dann die Möglichkeit gegeben, daß eben dieser K. C. in früheren Jahren „eine tvirkliche Berechtigung hatte", ja daß „er wirklich aus der Not der Zeit geboren wurde", daß er, der „den Dingen" nicht „ins Auge sieht" auch nur den Willen, geschweige denn die Fähigkeit hatte, „sich durchzusetzen". Grade hier manifestiert sich, wie völlig unwahrhaftig die Schilderung war, die Herr S. W. zuvor von Lent K. C.er-Geist gab. Unter völliger Irreführung über die eigentlichen Ziele wurde der Verband als ein von Anfang an auf einem verlogenen Optimismus beruhendes Gebilde hingestellt. Wird dann an der Geschichte die Fehlerhaftigkeit solcher Behauptungen offenbar, so erwähnt inan zwar die Erinnerungen eines Mainzer, sucht aber sogleich den Eindruck wieder auszugleichen, um den Gegner völlig zu vernichten, indem man es so darsteüt, als ob der Verband eben nur früher etwas getaugt und sich jetzt überlebt habe. Und man hat nicht so viel Logik, um zu erkennen, das; dies im Widerspruch steht zu der früheren Darstellung, wonach der K. C. niemals Recht und Fähigkeit zum Leben gehabt hätte. Herren S. Ws Produktivität an abgeschmackten Sticheleien ist so außerordentlich, daß es ausgeschlossen erscheint, auf alle Einzelheiten seiner Arbeit zurückzukommen. Das Widerwärtigste ist freilich das Entsetzen, mit dem er sich von Fritz Mayer (Bavariae) abwendet — derselbe wird auch von S. W. als besonders abschreckendes Beispiel mit vollem Namen bezeichnet — weil dieser „am Grabe eines christlichen Freundes in Flandern nicht nur in der Weise unseres Volkes die letzten Wünsche entboten, sondern, als er beim Weggehen aus den Blicken seiner Kameraden fühlte, daß sie etwas vermißten, ihnen noch im Heulen der Granaten das Vater unser vorsprach" sS. 136). „Man kann dies" - - bemerkt S. W. hierzu — „als die Entgleisung einer im Kriege ranzig gewordenen Sentimentalität entschuldigen, die an der Zwangsvorstellung leidet, die christlichen Soldaten müßten sich ihr „Vater unser" von einem K. C.er vorsprechen lassen, — ich sehe darin ein Symbol für das Glück und Ende des ganzen K. C." (3.137). Ich meinerseits sehe in diesen Ausführungen des Jüd. St. nur wieder' einmal ein Symbol dafür, wie unsere Zionisten oft dem ödesten und beschränktesten Zelotentum Vorschub leistenjener Geistesrichtung, die selbst aller Religion innerlich gleichgiltig gegenübersteht und sich eben deshalb herausnimmt, das religiöse Leben der anderen auszuspionieren und nach eigenen kleinmenschlichen Zwecken pedantisch und gehässig zu beurteilen.*) Ein durchaus nicht radikaler protestantischer Theologe erzählte mir einmal als etwas ganz Selbstverständliches, daß schon auf dem südwestafrikanischen Kriegsschauplatz bei der Seelsorge alle konfessionellen Unterscheidungen in den Hintergrund traten, und daß z. B. Protestanten von katholischen, Katholiken von protestantischen Geistlichen das Abendmahl empfingen. Für den lieben Gott — setzte der Wackre hinzu — ist das sicher ganz egal gewesen. So vermag der, dem es ernst um die Religion ist, sogar über wirklich bestehende dogmatische Differenzen hinwegzusehen.. Ein Ketzergericht aber wegen eines durchaus undogmatischen, aus tiefftem religiösem Erleben quellenden ganz spontanen Gebetes abzuhallen, blieb dem Organe des nationaljüdischen Studentenverbandes Vorbehalten. Wie viel Tausende unserer jüdischen Kameraden haben nicht im Felde auch an christlichen Chorälen, wie etwa an dem herrlichen niedersächsischen Dankgebet, Trost und Erquickung gefunden. Und wenn einer unserer Feldgrauen, zur Leitung einer Beerdigung befohlen, dem gefallenen christlichen Freunde nach einem stillen hebräischen Gebete in Abwesenheit eines christlichen Geistlichen auch ein Vater unser — der christlichen Soldatengemeinde vorgesprochen — als letzten Gruß weiht, im Granatfeuer weiht, dann kommt der Kritiker Herr S. W. und schmunzelt: das ist ja im höchsten Grade inkorrekt, so ein Kriegergebet ist ein Prachtstück für meine Zettelsammlung. Er setzt sich an feinen Schreibtisch und stellt fest: „Entgleisung", „ranzig gewordene Sentimentalität", „Zwangs-. Vorstellung", „Symbol für das Glück und Ende des ganzen K. C." Die Redaktion des Jüd. St. aber meint freudestrahlend, nunmehr den K. C. endgültig totgefchlagen zu haben. Nein, hier sind es nicht mehr Überzeugungen, es ist ein Abgrund an Menschlichkeit, der uns trennt. Das Manuskript liegt vollendet vor mir, und nun habe ich fast Bedenken, es der Öffentlichkeit zu übergeben. Nehmt es als einen Bergt, hierzu den Nachruf für den gefallenen Fritz Mayer, Heft 12 der Kriegsausgabe der K. C- Blätter, S. (>69, -• Spalte. Die Redaktion.