KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 924 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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nur gern mit frischem Lorbeer kränzen würden, wenn er sich nicht so sorgsam im Dunkeln hielte. Selbst wenn in jenen Heften der K. C.-Blätter die Briefe bevorzugt wurden, die einen optimistischen Geist atmen, und die insbesondere auch von einem guten Verhältnisse zwischen jüdischen Soldaten und nichtjüdischen Kameraden zu berichten wissen, welche Demagogie gehört dazu, um hieraus Schlüsse auf ein mangelndes jüdisches Selbstbewußtsein der K. C. er zu ziehen. Gewiß auch wir Nichtzionisten wissen, daß nicht immer alles so steht, wie es stehen sollte, wir haben niemals die Angen vor den Tatsachen verschlossenaber wir sind hellsichtig genug, um neben dem Kleinen auch das Große zu sehen. Wo einzuschreiten war, da haben Männer unseres Vertrauens, soweit ihnen möglich, geholfen, ohne viel Gerede davon zu machen und ohne es in alle Welt hinauszuposaunen. Eine Studentenzeilschrist aber, die sich in der jetzigen Zeit darin gefallen hätte, die Lage der jüdischen Soldaten möglichst in den schwärzesten Farben zu malen, die' den jungen jüdischen Kriegern ihren schweren Dienst noch verekelt hätte, indem sie in jene die Saat des Mißtrauens gegen ihre nichtjüdischen Kameraden ausstreute, eine solche Zeitschrift hätte ein verbrecherisches Spiel mit den Interessen des deutschen Volks und mit den Interessen des deutschen Judentums getrieben. Allen Ernstes faßt S. W. seine Anklagen gegen den K. E. dahin zusammen, daß in ihm gegenüber „Aeußerungen jüdischen Selbstbewußtseins" „bei weitem die Vorhand behalten jene Helden, die als Juden noch mehr als ihre Pflicht" zu tun haben und im übrigen „unser deutsches Studentenideal" verteidigen müssen." (S. 138.) Also, man muß es nochmals lesen: auch dies wird als Mangel an jüdischem Selbstbewußtsein und als verderblicher K. C. er-Geist angekreidet, daß K. C.er sich gelobt haben, für ihr deutsches Vaterland mehr als ihre Pflicht zu tun und unser deutsches Studentenideal zu verteidigen. Ja, ist man denn in der Redaktton des Jüd. St. der Meinung, man dürfe sich den nichtjüdischen Kommilitonen, wie es ja im K. I. V. der Fall ist, nur im Kneipkomment assimilieren und daß man ein Verbrechen begehe, wenn man sich auch das deutsche Studentenideal aneignet, jenes Ideal, das vielleicht am schönsten und knappsten in den Worten des Gerhard Hanptmann'schen Festspieles formuliert werden kann: „Und seid selber frei, und seid selber frei!" Im übrigen verzichte ich daraus, solche in jetziger Zeit geübte Krittk näher zu kennzeichnen, und ich begnüge mich damit — um den Leser wenigstens einigermaßen für das Eingehen auf den S. W. er Schwatz zu entschädigen — ein paar schöne Worte des Dichters Carl Hanptmann hier wiederzugebcn, die ich in der Frankfurter Zeitung (1. Morgenblntt vorn 22. September 1657) lese: lim jedes einzigen Deutschen lebendigstes Leben aelu das Gemetzel. J Die Menschen, alle, in aller Welt, Feinde über Feinde wollen grade das deutsche Wesen verneinen. Sv muß jeder einzige deutsche Mensch ehern „Ja" sagen. Unsere Voltsari ivollen sie von der Erde tilgen. So mntz jeder einzige deutsche Mensch ehern versichern: „Ja . , . wir sind ... ja .. . wir werden sein." Daß ein solches Eintreten für das, ivas in uns deutsch ist, noch keine Verleugnung unserer jüdischen Sonderart bedeutet, daß man sehr wohl deutsches Nationalgesühl, das ist deutsches Staatsllnd deutsches Kulturgestthl, mitjüdischem Stammesbewußtsein verbinden kann, ist so selbstverständlich, daß es wirklich nicht nötig ist, diese nachgerade zur Trivialität gewordene Wahrheit immer und immer wieder zu wiederholen. Grade weil wir (nicht: unsere Pietätspflichten, sondern) unsere lebendige Liebe zu unserm jüdischen Glauben und Stamme nicht verleugnen, grade weil wir uns mit diesem fest verbunden fühlen, können wir uns um so unbefangener zu dem bekennen, was uns untrennbar mit der deutschen Nation eint, und uns nicht nur im staatlichen Sinne, sondern auch im nattonalen Sinne zu Deutschen macht: zu unserer deutschen Sprache, zu unserem deutschen Vaterlande und zu unserer deutschen Kultur. Für die Logik, mit der S. W. seine Angriffe durchführt, nur ein Beispiel: Der Aufsatz beginnt (S. 135) wie folgt: „Wie wenig der Weltkrieg geeignet ist, seelische Wnndlmigen zu begünstigen, das zeigt sich gerade an jenen Idealisten, die unentwegt auf seine Wunder hoffen. Der K. C. hat immer von der Voraussetzung gelebt, daß man den Antisemitismus durch gutes Benehmen zur Selbstentäußerung (!) bewegen könne und das; damit die Jndenfrage anshöre, eine Frage zu seinder Krieg vermochte ihm nichts zu geben, was er nicht schon vorher als heilige Ileberzeugung besag." Ganz in demselben Sinne heißt es (auf S. 142) von der K. C.er „Weltanschauung": „Eine solche ganz nach aussen gerichtete Weltanschauung bietet gar keine Möglichkeit zur Vertiefung, sie sieht die Probleme nie bei sich selbst, immer nur bei den andern, und wo sic tief sein will, konstruiert sie sich nirgends vorhandene religiöse Inhalte. Ihr fehlt, alles in allem, jener Drang zur Wahrhaftigkeit, der den Dingen ins Auge sieht, statt ihnen schwächlich auszuweichen, der sich eher verblutet, als seine Erkenntnisie immer wieder auf lügnerischen Voraussetzungen zu ertappen, und der eS nicht erträgt, seine geistige Existenz von außen her zu beziehen, anstatt sie in sich selbst zu schaffen." Auf der letzten Seite (143) aber wird berichtet : „Sie (die K.C.er) vergessen in aller Vornehmheit, daß sie selbst in jungen Jahren, da der K.C. noch eine wirkliche Berechtigung hatte, da er wirklich ans der Not der Zeit geboren wurde, es ganz anders als