Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 922

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 922 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268908--2003-3523570
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

92 2 ditionalismus, Gemüt, Famlliarität und nationaler Selbstgefälligkeit. Sic sind noch „gute Juden" und - ihr Zionismus nichts anderes als eine Art jüdischer Orthodoxie, die gerade Fortsetzung der jüdischen Ueberlieferung. Erst wenn diese „guten Juden" und schlechten Menschen ganz verschwunden sein werden, wird Theodor Herz! in den jungen und reinen Herzen einer neuen Generation auferstehen." Die Breslauer Angehörigen des K. C. kenne ich als ehrenhafte und mutige junge Leute, von denen meiner festen Ueberzeugung nach jeder Anstandsgefühl genug besitzt, für seine Ueberzeugung auch vor aller Oeffentlichkeit einzutreten. Welches Recht hat denn das Präsidium des K.J.V., diese Männer als „Jung-Mauschel" herabzuwürdigen, also mit einer Beschimpfung, die nichts anderes bedeuten kann, als Gesinnungslosigkeit, mangelndes Ehrgefühl und feiges Drumherumgerede? Ist doch nichts charakteristischer als der Satz, mit dem jene Herren ihre Replik beginnen: „Diese Veröffentlichung berührt uns dadurch überaus unangenehm, daß sie zeigt, daß der „J.St." wie zur Zeit des B.J.C. so auch jetzt weiter in die Hände des K. C. gerät, und zwar haben wir Grund zu der Annahme, daß dies nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig geschieht. Sollte über die Art, wie der K.C. die Hefte erhält, oder darüber, wie er das Oktoberhest erhalten hat, einem Bundesbruder etwas bekannt sein, so ist es seine Pflicht, dem Präsidium davon Mitteilung zu machen." Wenn jemand vor Gericht seine Verteidigung mit den Worten beginnt: „Es berührt mich überaus unangenehm, daß Sie von meinen Beschimpfungen, die ich ja lediglich hinter Ihrem Rücken verbreiten wollte, Kenntnis erhielten," so entspräche dies allerdings Klatsch-Weiber- Traditionen. Daß solche Gesinnung aber zum Ausdruck gebracht werden darf von denen, die andere gerade mit dem Ausdruck „Mauschel" der Feigheit und Würdelosigkeit zeihen, das ist allerdings eine kraffe Illustration dazu, was man auf jener Seite unter der dort in Erbpacht genommenen journalistischen Mannhaftigkeit versteht. Es handelt sich um nichts Gleichgültiges. Das Präsidium des K.J.V. hat Einfluß auf die Ersetzung eines großen Teiles unserer akademischen Jugend, auf die sittliche Entwicklung von Leuten, die einmal Führerstellen in der deutschen Judenheit bekleiden sollen. Das ist ein Amt, das eine gewaltige Verantwortung in sich trägt, und gegen dessen Mißbrauch zu protestieren alle Rechtgesinnten Anlaß haben. Es muß verhindert werden, daß bei öffentlichen Streitigkeiten jüdischer Akademiker Grundsätze zur Herrschaft gelangen, die im privaten Leben jeder Anwalt, jeder Arzt und jeder Theologe weit von sich weisen würde. Und wahrlich mehr als je sind wir gerade in der jetzigen Zeit verpflichtet, gegen solche Exzesse in unserem Schrifttum Protest zu erheben. Einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Zionismus, Max Brod, sagt in einem feinsinnigen Aufsatz von Hillbs „Ziel" (1916 bei Georg Müller, S. 77): „Zu diesem Behufe müßte «ach dem Krieg von den anti-imperialistrschen Parteien aller Länder in de,» bezüglichen Parlamente»» ein übereinstimmendes neues Strafgesetz eingebracht werden, »velches jede Verleumdung und Herablvürdigung eines fteinden Volkscharakters, jede»» Spott in Witzblattt»)pen, jede scheinbar »viffenschaftliche Verhöhnung und vor allem jeden derartigen A»»sfall der Hetzpreffe vor»» Schlage des „Malin" unb „Eorriere" unter die allerschrverste Strafe stellt.... Sittliche Aufgabe der „Geistigen" ist es, schon heute (in Antizipation dieses Gesetzes) alle Aeußerungen eines dünkelhaften, die anderer» Völker beleidigenden, verhöhnenden, verkennenden Nationalstolzes aufzujagen und mit allem Ernst zu bekämpfen." Sollten »vir diesen dünkelhaften, beleidigenden, verhöhnenden Nationalstolz nur dann bekämpfen, wenn er im „Matin" oder in der italienischen Hetzpreffe zum Ausdruck kommt, oder nicht auch dann, wenn es sich um das nationaljüdische K. I. V.-Organ handelt? Vor allem aber gilt es, den Kampf geger« alles Feige und Unehrenhafte im öffentlichen Leben aufzunehmen.: was wir fordern, ist Rein lichkeit und Lauterkeit des Kampfes. Wer wirklich etwas zur sachlichen Klärung der Probleme beizutragen weiß, der wird sich nicht scheuen, für seine Ausführungen auch vor aller Öffentlichkeit die Verantwortung zu übernehmenwer aber an Stelle sachlicher Auseinandersetzung nur öde persönliche Beschimpfungen zu geben vermag, der allerdings wird sich durch wenn auch noch so anfechtbare Mittel persönliche Sicherheit und Verborgenheit zu erkaufen suchen. Somit glaube ich den Zweck der vorliegenden Arbeit dargetan zu haben. Erst kürzlich hat der Leipziger Nationalökonom Bücher den Kampf gegen die Entartung und Unwahrhaftigkeit der Preffe als eine der dringendsten Aufgaben des öffentlichen Lebens bezeichnet. So war es publistische Pflicht, die Kampfesmethoden des „Jüdischen Studenten" nicht länger mit vornehmen Stillschweigen zu übergeyen, liegen doch die Beweise dafür vor, daß seit langen Jahren dort systematisch gegen den K. C. mit Mitteln gearbeitet wird, die, wenn sie bekannt geworden wären, einen Sturm der Entrüstung in der gesamten jüdischen Öffentlichkeit hervorgerufen hätten. Zugleich kam es mir — der ich (bei allem grundsätzlichen Gegensatz zum Nationaljudentum) die Verdienste des Zionismus, sowie die Bedeutung seiner wahrhaft großen Vertreter niemals bezweifelt habe — darauf an, zu zeigen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.