KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 921 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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handelt es sich ja natürlich gar nicht, das war lediglich in durchaus harmloser Weise auf die künftigen eigenen Bundesbrüder des K.J.V. gemünzt, und kein 5k. C.er hatte daran Anstoß genommen. So hat man denn durch diese so geschickte Erklärung beides zugleich erreichtden AnstandswauwauS im eigenen Lager kann man sagen: was wollt Ihr denn, wir haben ja jene Zuschrift ausdrücklich für nicht gerade geschmackvoll erklärt. Und nichts destowcniger bleibt die Beschimpfung „Jung-Mauschel" auf dem K. C. sitzen und wird noch obendrein indirekt von dem Präsidium des K.J.V. offiziell ausrechterhalten und verstärkt. Und soweit geht die ethischeBegriffsverwirrung, daß der vorsichtig anonyme „S. W." es in seinem Artikel „K. C.-Geist" sogar noch den K. C.-- Blättern zu einem besonderen Vorwurf macht, daß diese gewagt haben, ihre Mitglieder von den Beschimpfungen seitens des „Jüd. Studenten" zu unterrichten, „natürlich mit der Miene von Männern, die zu vornehm sind, sich getroffen zu fühlen!" Wenige Zeilen später heißt es dann: „Wir halten den Burgfrieden fiir gebrochen, wenn ein K. C.er behaupten darf, er' fühle sich wirklich nicht mehr als Jude," (aber 1. der fragliche von „S. W." einige Seiten vorher wörtlich wiedergegebene Ausspruch stellt das Gefühl als Jude im Gegensatz zu dem als deutscher Bruder im deutschen Vaterlande, lehnt also — mit etwas Verständnis gelesen — nur das Nationaljudentum ab, 2. auch ich halte jene Bemerkung in ihrer Zugespitztheit für sehr anfechtbarwo ist denn aber der Katechismus, zu dem man sich bekennen muß, um mit dem K.J.V. in Burgfrieden zu bleiben?) „und wir lassen uns durch die Vornehmheit, die nur ein Zeichen ohnmächtiger Schwäche ist, nicht imponieren." ' Allerdings die Herren, die im K. I. V.-Organ den Ton angeben (und ich wende mich nur gegen diese leitenden Stellen, keineswegs gegen die Mitglieder des K. I. V., die in ihrer Gesinnung gewiß den anderen Studentenverbindungen nicht nachstehen) lassen sich „durch Vornehmheit nicht imponieren" — und ich empfehle ihnen, dieses Bekenntnis zur Kennzeichnung der Lage an die Spitze ihres Blattes direkt unter' den trefflichen Hinweis aus die Ehrenwort-Versicherung zu setzen, die jeden K.J.V.er verpflichtet, den Inhalt seines Bundesorgans geheim zu halten. vS Das Präsidium des K.J.V. glaubt sich für die von ihm geduldeten Beschimpsungen auf einen Aussatz von Theodor Herzl berufen zu können und bezichtigt sogar das K. C.-Organ der jüdischen Ignoranz, weil dieses „die Herkunft des Wortes „Mansche!" aus Theodor Herzls gleichnamigem Aufsatz nicht kennt, sondern es aus die Staatsbürgerzeitung zurücksührt". In diesem Vorwurf liegt eine offenkundige Verdrehung. Um den ethymologischen Ursprung des Schimpfwortes handelt es' sich natürlich überhaupt nicht (es ist übrigens wahrscheinlich älter als der erwähnte Aussatz Theodor Herzls)- was die K. C.-Blätter dem „Jüdischen Studenten" zunl Vorwurf gemacht haben, ist, daß dieser gegen andersdenkende Stammesgenoffen den Jargon der Staatsbürgerzeitung akzeptiert, und mit diesem Vergleich haben die K. C.-Blätter zweifellos recht. Höchstens möchte man — um doch auf der Staatsbürgerzeitung nicht unrecht zu tun — ergänzend hinzusügen, daß deren Hintermänner wenigstens den Mut haben, ihre literarischen Produkte der Kritik der Oeffentlichkeit preiszugeben. Und wiegen solche Ausschreitungen, begangen von den Angehörigen der eigenen Gemeinschaft, begangen nach reiflicher Ueberlegung und aus wohlgeschütztem Hinterhalte, nicht hundertmal schwerer? Welches Recht haben wir, gegen die Verrohungen unserer Feinde anzukämpfen, wenn wir gegen Würdelosigkeit und Skrupellosigkeit in der eigenen Gemeinschaft nicht mehr aufzutreten wagen. Vor allem aber muß in schärfster Weise dagegen protestiert werden, daß die Herren im Präsidium des K. I. V. für solche Beschimpfungen den ehrwürdigen Namen Theodor Herzls zu mißbrauchen wagen. Wenn Herzl in scharfer Weise gewisse Entartungserscheinungen im politischen Kampfe geißelte, wie in aller Welt ist denn das die geringste Entschuldigung für die Exzesse, die Sie, meine Herren vom Präsidium des K. I. V., selbst eben dadurch begehen, daß sie einen bestimmten engumschriebenen Kreis Ihrer Gegner, nämlich die Breslauer Angehörigen des K. C., herausgreifen, und sie — denen Sie sachlich nur das vorwersen können, daß sie eine andere Ueberzeugung haben — als „Jung- Mauschel" beschimpfen? Wie tief unter jenen Männern, die heute vielfach an der Spitze stehen und gegen die fast niemand mehr in der jüdischen Presse aufzutreten wagt und aufzutreten vermag, alle besser und seiner Organisierten leiden, das kommt deutlich zum Ausdruck in einem Artikel, den der Prager Zionist Hellmann in Bubers „Juden" veröffentlicht. „Denn Herzl ist unleugbar an der Organisation zugrunde gegangen... Der Generation, die glaubt, über Hei^l hinausgegangen zu sein, ihn überwunden zu haben, ist er ja nur noch ein leerer Begriff, ein Wort: Gründer der Organisation. Ihre Willensrmpnlse werden noch — sogar die sich aus sich selbst weiter fortbewegende Maschinerie der Organisation bedarf zuerst und dann später von Zeit zu Zeit wieder des fremden Antriebs — aus dem Reservoir der „Jüdischkeit" gespeist, jenem üblen Gemisch von Tra-