KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 910 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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910 doch selbständige und interessante Tätigkeit und vor allem Gelegenheit, einen tiefen Einblick in das Leben nnd Leiden unserer östlichen Glaubensgenossen zu tun. In dieser Beziehung habe ich in der verhältnismäßig kurzen mehr gelernt, als es mir in jahrelangem theoretischen Studium möglich gewesen wäre. Seit Ende Januar 17 bin ich hier beim 6. Fußart.-Regt., wo ich den hohen Rang eines Gefreiten bekleide, und ersehe aus den mir regelmäßig zugegangenen K. C.-Blättern, wie ein Fuchs <in meinen alten Augen) nach dem andern die militärische Stufenleiter bis zu dem halbgottähnlichen Range des Leutnants erklimmt. Wie kann ich mich später, d. h. in der märchenhaften Zeit des zukünftigen Friedens, noch auf einer K. C-Kneipe blicken lassen? Ich laufe ja Gefahr, einen leibhaftigen preußischen Leutnant in die Kanne zu schicken. Bei einem bayrischen bestand diese Gefahr zwar früher auch schon. Aber das war doch nicht so gefährlich. Aeußerlich geht es mir ganz gut. Der schwere Dienst bekommt meinen 43 jährigen Knochen nicht schlecht. Innerlich muß ich mich aber oft gewaltsam zusammenreißen, um mit meinem Wahlspruch: ^equam memento rebU8 in srckuig servare mentem nicht gar zu sehr in KonflM zu geraten. Die Trennung von Weib und Kindern fetzt mir arg zu. Du bist so glücklich, dieses Gebiet der Kriegführung für Dich noch nicht kennengelernt zu haben. Ich wünsche es Dir auch nicht. Aber man darf nicht klagen. Wenn man an die unzähligen Gefangenen denkt, die jahrelang fern von ihren Lieben in feindseliger Umgebung Frontdienste leisten, dann wäre es ungerecht, sein Schicksälchen an diesen Riesentragödien messen zu wollen. Alle in den K. C- Blättern veröffentlichten Feldpostbriefe zeigen eine Unverzagtheit, eine unsentimentale männliche Entschlossenheit der harten Gegenwart gegenüber, daß man seine Helle Freude daran hat. Ob nicht die K. C-Erziehung ein gut Teil hierzu beigetragen hat? Es grüßt Dich he^lich Dein alter Kampfgenosse Pascha (Dr. Julius Löwensteins (Bad., Sprev., Rhenos.) Geschr. den 29. 6 1917. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Den Anlaß, den zweiten K. C.er im Felde getroffen zu haben, benutze ich, Ihnen die herzlichsten Grüße zu senden. Ihr ergebener Richard Löwenthal. Lieber Mainzer! Das Schönste am Kriege ist der Urlaub und zumal, wenn man eine Stunde vor Abfahrt einen auf K. C..Pfiff gut reagierenden jungen .Kor. trifft. Herzlichste Bundesgrüße. Dein Rosenow (Sprev.) 22.7.17.LieberMainzer! Soeben erhalte ich von meiner Cousine eine kurze Nachricht über ihren Bauernschwager Oberleutnat Schohl; da erinnere ich mich, daß Du in den letzten vertr. Mitteilungen zu den K. C.-Blättern darüber um Nachricht gebeten hast. Schohl wurde z. Z. an der Somme mit den ganzen Ueberresten seiner M. G.K. von den Engländern gefangen, soviel ich weiß, war er nnverwundet. Seine Mutter bekommt nur spärliche Nachrichten von ihm. Die letzte meldete feine Ernennung zum „Küchenchef". §m gleichen Lager sei noch ein Leutnant Hauser aus reiburg. Ich kann mich aber nicht an einen solchen erinnern, obwohl ich doch die Freiburger alle kenne. Die Hauptsache ist, daß es Schohl also verhältnismäßig ordentlich geht. Nun noch etwas: Wenn Du in den K. C.-Blättern bekanntgeben würdest, daß die K.C.er, die ins Oberelsaß kommen, mir jeweils ihre Adresse sofort angeben, dann würde ich von Zelt zu Zeit den betr. K.C.crn Ort und Zeit einer Zusammenkunft Mitteilen. Neulich traf ich zufällig Bier, Lauter, Bukofzer bei einem Schnakenvortrag. Soviel ich weiß, ist jetzt nur noch Bier in der Nähe. Mir geht's soweit ganz gut: z. Z. sind wir in Stellung, es ist aber außerordentlich ruhig. Für heute herzliche Grüße, auch an Deine Frau Gemahlin und Tochter. Dein treuer Kb. Marcus Maier. Am 3. Juli 1917. Lieber Kartellbruder! Ich stehe zwar sicherlich schon in Deinem schwarzen K. C-Buch drin, da ich zu den Treulosen gehöre, die äußerst schreibfaul sind und Dich, wenn sie in Urlaub sind — ich war übrigens nur 1'/, Tage in Frankfurt — nur besuchen, wenn Du nicht zu Hause bist. Aber heute will ich mich anfraffen, Dir, Deiner verehrten Frau Gemahlin und zugleich allen Frankfurter K. C ern einen recht schönen Gruß zu senden und Dir, wie ich eS schon lange wollte, endlich herzlichst zu danken für Deine Mühen, die Du Vielbeschäftigter in unser aller Interesse für die K. C- Blätter aufwendest. Sie erreichen mich regelmäßig und machen Freude, nicht nur, weil nran von vielen Freunden hört, sondern weil auch der Tendenzinhalt gan; famos ist. Bon mir selbst kann ich ausnahmsweise eben nurGuteS berichten. Das erstehst Du schon daraus, wenn Du hörst, daß die Division seit zwei Monaten in Rußland eingesetzt ist. Eine längere Erholungszeit war ihr aber auch sehr nötig. Im August 1916 erst ausgestellt, aus aktiven Truppen über bestehend und sogleich zur „fliegenden bayerischen" gemacht, hat sie sich fast ohne Ruhe bei Verdun, an der Ancre, Somme, beim Rückzug in die Siegfrledstellung und endlich am 9. April vor Arras so rumgeschlagen, daß Rußland der geeignete Ort zur Erholung war. Allerdings sind feit der feinen 4V, tägigen Reise durch Deutschlands Frühlingsgaue heute schon zwei Monate vergangen, und da haben wir vom hiesigen Frieden auch genug. Unsere Verblödung macht rapide Fortschritte, und die Witze im Kasino werden immer schlechter. Und wir sind halt mal keine geruhigen Landsturmleute, besonders unsere Ober- und Niedervayern nicht, die alle Monate zum mindesten einmal raufen wollen. Vielleicht brauchen sie uns noch bei Lemberg drunten. Hier ist reinster Frieden, der äußere Feind höchstens auf dem Fischfang vor seinen Gräben zu sehen, nur der innere Feind (bis ganz obenhin) belästigt uns häufiger. Und wenn die Schnaken nicht wären und die Verpflegung besser, könnten wir keinen billigeren Luftkurort finden. — Den Vorteil des Westens, in wenigen Stunden in einer größeren Stadt zu sein, muß man sich hier in der Einöde ja versagen. Einmal wendete ich 10 Stunden Fahrt aus, um in einem Städtchen russisch-jüdische Zustände kennen zu lernen. Mit uns deutschen Juden sind unsere Glaubensgenossen nicht einverstanden, weil wir zu wenig zusammanhielten und nicht mehr den alten Glauben hätten. Allgemeinbildung ist hier gering, aber immer noch groß im Vergleich zur russischen Volksbildung. Herzlichst Dein Heinrich Mayer. Den 37. 6. 17.' Bon einem gemütlichen SchnapSabend einer ziemlich großen K.C.-Korona sendet herzliche Grüße Martin Erich Mayer (K. C.-St. Frankfurt a. M.) Kartellbrüderliche Grüße D. David (Lic.) Zum ersten Mal mit K. C.ern im Felde sendet hocherfreut herzliche Grüße Rudolf Tischler (Thur.) Kartellbrüderliche Grüße Rudolf Prister (Thur.) . . . ., den 25. JuniH Mein lieber Leibburfch.! Nachdem ich schon mehrmals iohne^ Erfolg? nachH der