KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 908 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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908 her, von der Schulzeit, die ich hier nicht mitrechnen kann, abgesehen, fast ausschlietzlich unter Juden bewegt und durste daher in manchem laxer sein, als es vielleicht richtig gewesen wäre. Ich habe infolgedessen auch, ich gestehe eS ganz offen, es nicht inimer verstehen können, rvenn unsere Leute schrieben, datz sie, »veil sic Juden sind, sich einer besonders schrveren Aufgabe unter-! zogen haben. Heute verstehe ich es sehr gut. Das, »vas man sich in dieser Umgebung — in der Garniso,» oder im Felde — alteignet, das möcht ich das erhöhte! jüdische Pslichtbewutztsein nennen. Jetzt weiß ' man erst recht, was es bedeutet, Jude sein und »velch! besonders schlvere Pflicht »nan als solcher zu erfüllen hat. Es wäre sehr zu wünschen, datz dieses erhöhte jüdische Pflichtbewutztsein bei allen unfern Glauvensgenoffen rege würde. So habe ich auch gedrängt, ins Feld zu konunen, wenn ich auch als g. v. Krüppel und Telegrafist sicher keine Heldentaten verrichten »verde. j Mein Wachtmeister in N. legte mir sehr nahe zu beantragen, datz ich mit Rücksicht auf mein Studium vor- ' erst hier bleiben dürfeich habe abgelehnt. K. C.er; habe ich noch nicht getroffen, obwohl hier in der Gegend i sicherlich viele herumlaufen. Da ich beim Stabe, der Division bin, werde ich meinen AllfenthaltSort sicher nicht allzuhäufig wechseln, und so könnte ich auch einmal für eine K. C.-Zusammenkunft sorgen. Alles, was in St. Quentin liegt, könnte zusammengetrommelt werden - (1. Armee) also St. Quentin, Origny, Le Cateau, Borneoille, eo. auch Hirson. Nur müßte ich von Dir ungefähr wiffen, wer hier liegt. Weißt Du, wer der Armeerabbiner der 2. Armee ist? Ich möchte mich gern mit ihm in Verbindung setzen. Die letzten K. C.-Blätter habe ich gestern erhalten. Mit herzl. Grützen für Dich, Deine Gattin und Frl. Tochter bin ich dein _ Alexander. Flughafen, den 6.8.17. Sehr geehrter Herr Doktor! Lieber Herr Kartellbruder! Mit großer Freude entnahm ich heute den K. C.-Blättern die Statistik aktiver jüdischer Flieger von F. A. Theilhaber. Wenn nach der von Theilhaber selbst als unvollkommen geschilderten Statistik unsere GlaubenSgenoffen in Wirklichkeit nur über einen kleinen Anteil an der kämpfenden Fliegertruppe verfügen, so liegt das meines Erachtens daran, datz zur Ausbildung von Flugzeugführern meist nur technisch vorgebildete junge Leute auf eigne freiwillige Meldung hingenommen werden und am Studium und an der Ausübung der technischen Wiffenschasten find wir auch prozentual schwächer beteiligt als andere Konfessionen. Außerdem haben von 100 Flugschülern höchstens 50 das Glück, den Lehrgang auf der Schule und bei der Ersatzabteilung zu überstehen und als fronttaulich im Felde verwendet zu werden. Als Beobachter kamen bisher nur Offiziere in Betracht, doch hat man in letzter Zeit auch schon Mannschaften zu Hilfsbeobachtern ausgebildet »»nd sie mit guten» Erfolg im Felde eingesetzt. Die beiden jüd. Kameraden, die mit mir zusamnien die Fliegerschule besuchten, eS sind dies die Unteroff. Kaffel und Perlhöster, sind beide schon den Fliegerheldentod gestorben. Ich selbst bin jetzt 4 Wochen in» Felde und habe bereits 8 große Jernaufklärungsflüge. die meist die Bahnlinie Riga-Petersburg betrafen, hinter mir. Für den ersten erhielt ich die Treffen. Ich hatte beim Rückflug einen Lustkampf mtt einem überlegenen seindl. Doppeldecker zu bestehen, mit dem ich kämpfte, bis mein Masch.-Gewehr versagte. Nach kurzem Sturzflug mutzte ich Reißaus nehmen, verfolgt vom Gegner bis über »msere Linien. Das ungünstige Wetter der letzten Wochen versagt uns leider eine reichere Betättgung an der Front, wie. wir sie uns wünschten. Herrn Theilhaber bin ich für feine Ausführungen dankbar, hat man doch jetzt Material an der Hand, um stiller» Vorwürfen der Kameraden und Angriffen von antisemitischer Seite zu entgegen. Sollte ich i»» nieinem Fllegerleben rnal »vieder etrvas besonderes über dem Feinde erleben, so bin ich gerne, bereit, Ihnen für die K. C -Blätter einen kleinen Beitrag zuz,»senden. Herrn Teilhaber selbst bin ich zu jeder Unterstützung in seiner Arbeit, so weit es mir möglich ist, bereit. An K. C.-Zusammenkünften in Milan »väre ich sehr interessier. Mit kartellbrüderllchen Grützen bin ich Ihr ergebener _ Karl Fromm. Höhe 304, den 5.7.17. Lieber Herr Doktor! Der Franzmann trommelt ganz toll um uns herum und »»»öchte sich gerne für die kürzlich erlittene Einbuße räche»». Bei diesem ohrenbetäubenden Getöse tut man aut, rvenn »nar» sich rnit irgend etwas beschäftigt, und so benutze ich die Gelegenheit, um Ihnen aus der Tiefe meines Stollerrs eine,» Gruß zu senden. Das Gelände hier müßten Sie einural sehen. Ehemals ein stattlicher Wald, jetzt nach dein einundeinhalbjährigen Ringen um die Höhe nur noch ein wüstes graues Granattrichterfeld. Keinen Quadratrneter kann man finden, den nicht ei»»e oder »nehrere Granaten umgewühlt hätten. Ungezählte Helden, — Deutsche und Franzosen, ruhen im Schoße des Berges, oder besser, sie möchten Ruhe finden. Da kommt eine Granate und wühlt sie, die schon ein Jahr fest schlummerten, »vieder a»»S der Erde. Eine andere Granate deckt sie morgen vielleicht wieder zu. Bon Gräben ist nicht mehr viel zu sehen. Wir brauchen sie auch nicht. Auch ohne diese starrt unsere eiserne Mauer. Nach der langen Ruhe, die ich in diesem Jahre hatte, ist mir die lebhafte Kampftätigkeit hier recht ungewohnt geworden. Mit der Zeit jedoch finde ich mich auch hier wieder ganz hinein. Indessen schwer fälltS! Der Geist ist rvillig, doch 21/, Jahre Frontdienst machen sich fühlbar, und meine letzte Verwundung hat meinen Nerven doch mehr zuaesetzt als ich anfangs dachte. Aber es wird durchgehalten, selbst wenn's schwer fällt. _ Ihr Ludwig Isaak. 12. 7. 17. Lieber Mainzer. Während südlich von uns russische Revolutionsheere nichts dabei finden, als Schlachtviehherden gewertet zu werden, sieht es bei uns so aus: Alles finnländische und turkmenische Truppen, die seit sechs Monaten schon nicht mehr mitmachen und ver. nünstigerweise gesellige Zusammenkünfte und gelegentliche Unterhaltungsstündchen mit unseren Braven höher schätzen, als Schlächtereien und Blutbäder. Angriffsbefehle erregen bei den Gemütsmenschen in den gegnerischen Gräben ungestüme Heiterkeit, gegen Besuche der Ablösung wird derarttg heftig remonstriert, datz sie bisher noch stets unterblieben sind. Auch Kerenski wird sich nicht hierher verirren. So wie hier, soll die Stimm»»ng der Panjes bis zur Nordsee sein. Wir haben mehr denn je die Ueberzeugung, datz ein Einvernehmen mit Rußland unmittelbar bevorsteht. Sehne ich niich doch auch schon seit langem nach einem gemütlichen K. C.- Abend in größerem Kreise und nach gar vielen» A»»deren mehr. Dir und Deiner Frau »vie stets herzlichste Grütze _ Dein Ludwig Jaffs. Douai, den 7.7.17. Lieber Mainzer! Das letzte Mal bat man Deiner vergessenheute denken wir aber an Drch und senden die besten Gütze Dein Leo Levy (Bad.) Bielen Dank für Dein Anschreiben und herzlichen Gruß Albert Stamm (Biad.)