KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 907 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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907 durch die Macht Deiner eigenen tiefen Ueberzeugung. Doch Du ließest es nicht bei Worten bewenden. Im Herbst 1915 eiltest Du als Achtzehnjähriger freiwillig zu den Waffen, froh, auch Taten zeigen zu können. Auf einem Urlaub aus Landau hier weilend, kurz bevor Du zur Front gingst, sagtest Du mir: „Wir Juden muffen mehr leisten als alle anderen, um anerkannt zu werden. Ich will's!" Ein andermal zum A.H. Dr. Mainzer: „Wo ich hinkomme, soll niemand von der Minderwertigkeit des jüdischen Soldaten sprechen, dasür werde ich sorgen." Du hast Deine Absicht getreulich durchgeführt, wie überhaupt alles, was Du Dir einmal zum Vorsatz gemacht hattest. Man hätte Dir — ohne Dich zu kennen — Deiner äußeren Erscheinung nach wohl kaum die eiserne Energie zugetraut, die in Dir ruhte. Du hast Deinen Vorgesetzten gezeigt, wie falsch jedes Vorurteil über den Wert des jüdischen Soldaten ist, hast ihnen gezeigt, wie bitter unrecht uns deutschen Juden mit all den Schmähungen und Judenzählungen geschehen ist. Schon nach kurzer Zeit warst Du in Deiner Batterie der bevorzugte Beobachter. „Ueberall, wo die Gefechtslage am schwierigsten und gesährlichsten war, war er zu finden", sagte an Deinem Grabe der Offizier, der an der Spitze einer Deputation Deines Truppenteils aus dem Felde erschienen war, um Dir die letzte Ehre zu erweisen. Dreimal warst Du wegen hervorragender Tapferkeit im Divisionsbefehl genannt. Auf dem Schlachtfeld von Arras wurdest Du zum Unteroffizier ernannt und zum Eisernen Kreuz I. Klaffe eingegeben: Du hast dort an dem Erfolg des „Ehrentags der 3. Division" großen Anteil gehabt, den der hierfür mit dem Orden „?our le diente" ausgezeichnete Divisionskommandeur vor versammeltem Regiment anerkannte. Kurz darauf wurdest Du zum zweiten Mal zum Eisernen Kreuz I. Klasse eingereicht: Du warst auf vorgeschobenem Posten bei Wytschaete einem anderen Regiment als Beobachter zugeteilt. Da fand — auch da, wo Du lagst — die große Sprengung durch die Engländer statt. Inmitten des Chaos hattest Du die Kaltblütigkeit, die Gesechtslage so klar zu überblicken, daß Du, m Deinem Regiment eilend, die Batterien in Stellung weisen und dadurch die völlige Abweisung des Feindes im Gefechtsabschnitt des Regiments ermöglichen konntest. Der so ehrlich verdienten Auszeichnung selbst solltest Du Dich nicht mehr erfreuen dürfen: In verhältnismäßig ruhiger Stellung erlagst Du einer feindlichen Granate auf Beobachtung, auf vorgeschobenem Posten, kurz bevor Dich, die Offiziersachselstücke als Anerkennung Deiner soldattschen Leistungen schmücken sollten. Auf die Frage Deines Leutnants, wer sich freiwillig erbiete, die Leiche des gefallenen Kameraden aus dem Graben zu holen, meldete sich die ganze Batterie wie ein Mann. Sie alle wollten Dir noch im Tode zeigen, wie viel Du ihnen warst. So gingst Du dahin, mitten aus der Erfüllung Deiner Pflichten herausgeriffen. Aber Du hast nicht umsonst gelebt, Dü Treuer. Du hast durch Deine Taten manchen Samen gelegt, der zu Früchten reifen wird, welche dem ganzen deutschen Judentum zugute kommen werden. In uns aber lebst Du weiter. Möge Dir die Heimaterde leicht werden. Ludwig Rosenthal lK. C -Stammtisch Frankfurt a. M., Licariae). Den Angehörigen wurde der Tod durch folgendes Schreiben angezeigt: 24. August 1917. Sehr geehrter Herr Mayer! Als Führer der 6. Batterie obliegt mir die traurige Pflicht, Ihnen, wie ich dies ja schon heute morgen Ürrz telegraphisch getan habe, Mitteilung davon zu machen, datz Ihr Sohn Arthur heute früh 2,30 Uhr auf der vorgeschobenen Beobachtungsstelle durch eine feindliche Granate den Heldentod gestorben ist. Ich benütze die Gelegenheit, Ihnen auch im Namen der Batterie-Offiziere sowie der ganzen 6. Batterie unser aufrichttgstes und herzlichstes Beileid auszusprechen. Die Batterie verliert in Ihrem Sohn ihren tüchtigsten Offiziers-Aspiranten, der in kurzer Zeit zum Offizier befördert worden wäre, nachdem seine früheren Beförderungen wegen Auszeichnung vor dem Feind erfolgt waren. Ich habe Ihren l. Sohn in den mancherlei Gefahren, in denen er uns ein treuer Begleiter war, an der Somme, bei Arras und Wytschaete, als das Muster eines schneidigen und zuverlässigen Soldaten schätzen gelernt. Er war von mir, wie Sie vielleicht schon wiffen, zum Eisernen Kreuz I. Klaffe und zum Militär- Berdienst-Kreuz vorgeschlagen. Ich weist aus eigener Erfahrung, wie wenig in einem solchen Fall Trosttvorte vermögen. Ein Lichtblick wird Ihnen aber doch die Gewistheit sein, datz mit Ihnen die ganze 6. Batterie in aufrichtiger Trauer, aber auch mit Achtung und Wertschätzung Ihres Sohnes gedenken wird. Mit vorzüglicher Hochachtung^Jhr mitfühlender A. Kesselring, Hptm. d. R. u. Batterieführer. klus unserer Zeldpoft-Vriesmappe. 8-8- 29. 8.17. Lieber Mainzer! Stun habe ich mich auch schon richtig an daS Feldleben gewöhnt. Ich bin froh, datz ich jetzt hinausgekommcn bin, wie ich ebenso froh bin, datz ich überhaupt noch Soldat wurde. Eine Untnenge neuer und bedeutungsvoller Eindrücke sind in diesen 10 Wochen auf mich eingestürmt. Auch für meine Betätigung in den jüdischen Fragen dürfte diese Zeit nicht ohne Wichtigkeit sein. Nicht etwa, als ob ich mich stärker heute als Deutscher fühle als zuvor, oder als ob ich tiefer jüdisch empfinde. Aber ich habe mich bis-