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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 906

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 906 (sequence 8)
Language
German
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906 auf der Thomsen-Vorschule in Hamburg zeigte es sich, daß Münster seinen Altersgenoffen und Schulkameraden in geistiger Beziehung um vieles voraus war. Sein scharfer Kopf faßte die Schulaufgaben spielend, und seine Mitschüler holten sich von ihm manchen Rat. Er stand geistig über den meisten von ihnen, und so kam es, daß er außer ein paar wirklichen Freunden, die ihn besonders zu schätzen wußten, nur wenig mit seinen Altersgenoffen im Verkehr stand. Dagegen stand ihm ein Teil seiner Lehrer, der ihn von Sexta bis Obersekunda begleitete, sehr nahe, und insbesondere sein Klassenlehrer war ihm ein väterlicher Freund. Wohl dessen Anregung ist es hauptsächlich zuzuschreiben, daß Münster schon als 13—14jähriger Bursche private Studien trieb, daß er autodidaktisch Spanisch und Italienisch erlernte und zwar so, daß er vollkommene Schreib- und Sprachfertigkeit bekam. Münsters Verwandte und Freunde bewunderten ihn ob seiner Belesenheit und seiner reichen Kenntniffe, ob seines Eifers und Strebens. Eine Unterhaltung mit ihm war in den letzten Jahren seiner Schülerzeit ein Vergnügen. Vom Judentum wußte er bis zur Oberprima nicht sehr viel, nicht mehr als die meisten leider in der Schule wissen. Als er aber — zuerst von mir — auf die Pflichten eines wahren Juden aufmerksam gemacht wurde, als er weiter durch K. C.er und Angehörige zionistischer Verbände mit den modernen jüdischen Problemen bekannt wurde, sah er bald ein, daß auch seine Mitarbeit im Judentum nötig, daß aber diese Mitarbeit nur möglich sei, wenn die historische Entwickelung und die modernen Bestrebungen des Judentums ihm vertraut und damit seine Interessen im Wissen verankert seien. Daher vertiefte er sich bald in jüdische Werke und erarbeitete sich nach langen inneren Kämpfen den Standpunkt, der ihn schließlich dazu führte, K.C.er zu werden. Ihm lockte am Aktivsein nicht in erster Linie das Studentische, sondern er wollte sich daran beteiligen, den Kampf ums Recht für uns deutsche Juden durchzukämpsen und den noch in Druck und Elend schmachtenden Glaubensgenossen in aller Welt zu helfen. - Diese Kämpfe in unseren Reihen mitzustreiten, sollte ihm nicht lange vergönnt sein. Der Weltkampf hat ihn verschlungen. Ihn, der zu so großen Hoffnungen berechtigte, müssen wir beklagen, und nur zu dem stillen Grabe auf dem teldenfriedhof zu Gullyhem bei Kortrijk in elgien können unsere Gedanken in Freundesliebe und tiefer Trauer eilen. Wir die Zurückgebliebenen wollen und werden sein Andenken ehren! Und die Ehrung, die seinem Andenken am besten gerecht wird, soll darin bestehen, daß wir ihm nacheisern, daß wir ebenso bewußt und begeistert wie er die hohen Forderungen, die unser Verband an uns stellt, erfüllen und uns nach seinem Beispiel mit unserer ganzen Persönlichkeit für die hohe Tendenz des K. C. einsetzen. P a u l G r ä tz. (Lic., Sprev.)' Arthur Mayer. (K. C.-Stanrmtisch, Frankfurt a.M.) „Am 34. August 1917 fiel auf vorgeschobener Beobachtung durch eine feindliche Granate unser lieber Kamerad, der Vize-Wachtmeister und Offizier-Aspirant Arthur Mayer, Inhaber des Eisernen Kreuzes H. Klaffe, vorgeschlagen zum Eisernen Kreuz l. Klaffe und zum bayer. Militär-Verdienft-Kreuz. Die Batterie verliert in ihm einen selten unerschrockenenMann, der durch seinen lauteren Charakter und sein liebenswürdiges Wesen gleich beliebt bei Vorgesetzten und Untergebenen war. Wir werden sein Andenken stets hoch in Ehren halten! 6. Batterie eines bayer. Feld-Art.-Regts. gez.: Adolf Kesselring, Hauptmann d. Res. und Batterieführer. (Aus der „Franks. Zeitung" vom 30. Aug. 1917.) Heute früh haben wir Dich hinausgebracht zur letzten Ruh', Du lieber Freund. Auf dem kleinen neuen jüdischen Kriegersriedhof Deiner Vaterstadt schläfst Du den ewigen Schlaf. An schlichter Stätte, schlicht, wie Du im Leben warst. Wir haben viel mit Dir ins Grab gesenkt, viel an Hoffnungen und Erwartungen, hie wir an Dich gemüpft hatten. Du wärest kraft Deines Charakters, Deiner Persönlichkeit und Deiner Intelligenz dazu berufen gewesen, unserem Verband und weit über den Verband hinaus dem deutschen Judentum bei der Arbeit nach dem Kriege ein Führer zu werden. Sofort als es hieß, daß auch in Frankfurt dem K.C. eine Heimstätte werden solle, vorläufig nur in engerem, dem Kriege entsprechenden Raymen, da warst Du einer der Ersten, die zu ihrer Gründung kamen. Du kamst von selbst, aus eigenem Antrieb, ohne „gekeilt" zu fein, weil schon damals unsere Ideale die Deinen waren, denen Du mit seltener Innigkeit anhingst. Dir war die Tendenz alles, ohne daß Du Eiferer warst. Wie wenig andere hast Du Dich in die Auffassungen unserer Gegner vertieft, denn Du wolltest Wahrheit. Die Wahrheitsliebe war ja einer Deiner ausgeprägtesten Charakterzüge. Und Wahrhejt und Treue sind Schwestern. Du warst treu, hast nimmer gewankt, wenn Du eine Sache für richtig befunden hast. Du bist stets, wo immer es galt, für unsere Ziele eingetreten, hast sie als heißer und beredter Anwalt verfochten, und überzeugend verfochten

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