KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 905 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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905 spalt konnte es nicht kommen, da man bald einsehen mußte, daß diese Eigenheiten in seiner vornehmen Art, die ihn manchmal sich von anderen etwas abschließen ließ, wurzelten. — Sein Interesse für den K.C. war echt; d. h. es verflüchtigte sich nicht etwa dann, als die Aktivität ihr Ende erreicht hatte, sondern eS war die gesamte Studien- und Militärzeit hindurch gleich rege. In seinem dritten und vierten Semester bekleidete er Chargen in der Rhenosilesia; später stand er bei jeder wichtigen Gelegenheit der Verbindung mit Rat und Tat zur Seite. Nach Kriegsausbruch trat er sofort mit unserem Freunde Kurt Ettinghausen als Kriegsfreiwilliger bei den Deutzer Kürrassieren ein. Aus den Erzählungen des letzteren weiß ich, ein wie schneidiger Soldat Altmann gewesen ist und welcher Achtung er sich bei Kameraden und Vorgesetzten erfreute. Wie sehr er besondere militärische Fähigkeiten besessen und sich mit Liebe seinen dienstlichen Obliegenheiten hingegeben hat, beweist vor allem, daß er verhältnismäßig sehr kurz nach seinem freiwilligen Uebertritt zur Infanterie zum Offizier befördert wurde. Auch daß er als Jude dann zum Bataillonsadjutanten ausersehen wurde, bestätigt, daß er treueste Pflichterfüllung übte und sich überall die Liebe derer erwarb, mit denen er zusammen arbeitete. Sicherlich würden wir noch von manch anderem schönen Erfolg gehört haben, wenn nicht sein früher Tod allem Streben ein jähes Ende bereitet hätte. Am 25. Juli wurde er uns, nachdem er drei Jahre lang allen Gefahren getrotzt hatte, genommen. Heiße Klage werden Mutter und Schwestern um unfern toten Freund erheben. Aber auch das Freundesauge ist nicht trocken geblieben, als man uns die Trauerbotschaft kündete. Wir haben schon so viele von denen, die uns lieb waren, in ein frühes Grab sinken gesehen, daß uns unfaßbar nichts mehr ist. Aber mit jedem einzelnen, der da von uns scheidet, schwindet auch ein Stück unserer eigenen, unser aller Jugend dahin. Und wir werden stiller und ernster. Darum aber denken wir auch immer häufiger an sie, die mit uns waren zu einer Zeit, die uns heute wie ein wundersames Märchen erscheint. Vielleicht werden wir die Schwere der Verluste erst dann voll ermessen, wenn wir andern alle wieder einmal beisammen sind, sie aber fehlen müssen. Einen Menschen wie Josef Altmann wird man dann ganz besonders vermissen, und von neuem wird Trauer um ihn sein. Wir haben ihn geliebt, als er noch mit uns war) lieb aber ist uns auch das Gedenken an den toten Freund. Or. Kurt Alexander (Badeniae-Bavariae, Rhenostlestae, K.C.-Stammtisch-Frankfurt a.M.), z.Zt. im Felde. Hauptmann u. Bataillonskommandeur Scheer schrieb an die Mutter des Gefallenen am 1.8.1917: „Zu dem schmerzlichen und unersetzlichen Verlust, . den Sie durch den Heldentod Ihres Herrn Sohnes Josef erlitten haben, erlaube ich mir meine aufrichtigste und innigste Anteilnahme auszusprechen. Ihr Herr Sohn war als mein Adjutant ein Vorbild treuester Pflichterfüllung, mit unermüdlichem Eifer und größter Hingabe versah er seinen oft sehr schweren Dienst zum Wohle des Bataillons. In treuer Pflichterfüllung ereilte ihn am 39. Juli 1917 vormittags das feindliche Geschoß, als er unerschrocken über gefährdetes Gelände einen Befehl überbrachte. Seien Sie versichert, daß das Bataillon Ihres Herrn Sohnes stets in kameradschaftlicher Dankbarkeit und in Freundschaft gedenken wird. Leutnant Klöckner schrieb an seinen Schwager am 8. 8. 1917: Herr Hauptmann Scheer hat Ihnen wohl schon geschrieben, welcher Beliebtheit sich Ihr Herr Schwager im Bataillon, ja im Regiment erfreute. Ich möchte Ihnen nur sagen, daß er uns allen ein guter und .. lieber Kamerad war, den alle schätzten. Ich selbst hatte im letzten halben Jahr enger mir ihm zu tun, zunächst als Grabenosfizier, im Bewegungskrieg als Ordonnanzoffizier beim Bataillon. Deshalb hat mich sein Tod besonders ergriffen. Zum Schluß möchte ich Sie noch bitten, auch Frau Altmann die Beileidswünsche der Herren des Bataillons zu übermitteln. Hans Münster. (Spreviae.j Einer unserer Jüngsten, einer unserer Besten ist in Münster von uns gegangen! Wieder einmal hat Ares ein Opfer aus unseren Reihen gefordert und dabei wahllos einen der Tüchtigsten gepackt. Man zittert ständig um die Freunde und Bekannten, die draußen vor dem Feinde stehen, und ist erfreut, wenn man nicht um sie zu bangen braucht. Um so erschütternder wirkt darum der Tod unseres Münster. Waren doch seine nächsten Angehörigen wie seine Freunde zur Zeit seines Heldentodes um ihn nicht in Anast. Schrieb er doch, daß seine Division nach mehrwöchentlichen Kämpfen in Flandern aus den vordersten Linien zurückgezogen sei und sich einige Wochen der Ruhe freuen könne. Als aber diese Berichte zu uns kamen, war die gewaltige Schlacht in Flandern erneut entbrannt) und die Division, der Münster angehörte, wieder eingesetzt. Als wir ihn sicher wähnten, da war unser lieber junger Freund schon nicht mehr! Das Schicksal ereilte ihn am ersten Tage — 31. 7. 1917 —, an dem seine Batterie wieder in Feuerstellung war. Ein Bauchsteckschuß traf ihn, und mit der entsagungsvollen Tapferkeit, die er so oft im Gefechte bewiesen hatte, hauchte er bald nach seiner Einlieferung ins Feldlazarett sein junges Leben aus. Und es war ein Leben! Trotz seiner Kürze von einem reichen Jnhatt! Schon in frühen Jahren