Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 904

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 904 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268908--1985-3523552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

904 and, die ihm durch sein Junggesellenleben im Schoße der Familie vorenthalten waren. Lubinski war keiner von denen, die viel von sich reden machen wollten, ein stiller, bescheidener Mensch, ein hervorragend tüchtiger Arzt, der sich nicht nur in den Kreisen seiner Patienten größter Beliebtheit und Wertschätzung erfreute. Ihm war die Pflichterfüllung das erste Gebot. Wie oft begleiteten wir ihn abends noch auf seinen Krankenbesuchen, um nachher noch spät nachts beim ER. zusammenzusitzen, wie oft kam er erst in vorgerücktester Stunde zu unseren Kneipen, um noch nach spät vollbrachtem Tagewerk lustig im Freundeskreis weilen zu können. Am deutlichsten zeigte sich seine Beliebtheit, als die Nachricht von seinem Tode in Leipzig bekannt wurde. Da trauerten nicht nur die Annen und Hilflosen um ihn, die in ihm einen Helfer in der Not verloren. Aus allen Kreisen der Stadt hörte man dieselbe Stimme der Trauer über den Verlust eines Arztes, der weit und breit hochgeschätzt und allseitig beliebt war. Lubinski wurde, trotz aller Bemühungen der Gemeinde Otzsch, die ihren bewährten Doktor nicht verlieren wollte, zu Anfang dieses Jahres als landsturmpflichtiger Arzt eingezogen, kam zunächst ans Reservelazarett Glauchau und meldete sich von dort aus, da dem Nimmermüden die dortige Beschäftigung nicht genügte, ins Feld. Dort traf ihn im Osten das harte Schicksal. An einer Fleckfieberinfektion, die er sich selbst bei der Behandlung eines Kranken zugezogen hatte, ist er am 25. Juni verschieden. . Nun ist das kleine Häuflein der Gründer unserer Verbindung wieder um einen ihrer Besten und Tüchtigsten beraubt worden. Die Saxo- Bavaria, zu deren erstem Ehrenmitglied Lubinski seinerzeit ernannt wurde, verliert in ihm einen eifrigen Freund und Förderer, und alle, die ihn kannten und ihm näherstanden, einen lieben, treuen, unvergeßlichen Kameraden. Dr. Lothar Dessauer (Saxo-Bavariae, Bavariae). Zoses Sltmann. (Rhenosilestae.) Bor einem Jahre habe ich Josef Altmann zuletzt gesehen. Damals reiste er als junger Leutnant frohen Herzens in die Heimat; in Köln hielt er sich einen Tag auf, um dort mit seinem Freunde Carl Heimann und mir einen Tag zusammen verbringen zu können. Wie haben wir da in Erinnerungen an unsere Bonner Tage geschwelgt! Zu schön, zu jugendselig waren auch die Zeilen, die uns heute weltenfern zurück erscheinen. Lange war uns die Erinnerung an sie ein wirklicher Trost in diesen schweren Tagen. Aber auch daK werden sie uns nicht mehr fein können, denn denken wir an jene Bonner Semester zurück, in denen wir so glücklich gewesen sind, dann werden wir auch stets uns der Vielen erinnern, die nicht mehr unter uns weilen. Und heiße Trauer wird unser Herz erfüllen. Seinen Freunden Erich Kahn, Alfred Meyer, Erich Ferse, Eugen August ist nun auch Josef Altmann gefolgt. Altmanns Heimat ist eine kleine oberschlesische Stadt. An ihr hing er mit der gleichen Liebe, die er für all das hegte, das ihn persönlich nahestand. Damals haben wir wohl manchmal über die Anhänglichkeit, die er seiner Vaterstadt gegenüber zur Schau getragen hat, gelächelt. Heute weiß ich, daß sich in dieser Anhänglichkeit nur ein Zug seines Charakters offenbarte. Altmann war ein einfacher, lieber und guter Mensch. Ich glaube, in diesen drei Worten seine Charakteristik gegeben zu haben. Und weil er so war, mußte er auch seine Heimat lieben. Bon seiner Vaterstadt sprach er aber auch sicher deshalb mit solcher Liebe, weil sich mit dem Gedanken an sie die Gedanken an Mutter und Schwestern verbanden. Wir, seine Freunde, wissen ja nur, mit welcher Liebe er stets von seinen Angehörigen sprach und wie er bei allem für sein Leben Bedeutungsvollen erwog, ob er ihnen auch dadurch eine Freude machen würde. Damals in Bonn halten wir anderen alle unsere Heimat in der Nähe und konnten daher unsere Angehörigen häufig aufsuchen. Ihm hat es bitter weh getan, daß ihm nur die Ferien zum Besuch der Mutter blieben. Wer Altmann kannte, der hat nicht den geringsten Zweifel, daß er auch in Dingen, die selbst den Freunden nicht bekannt sein konnten, ein guter Sohn und ein treuer Bruder gewesen ist. Der Verantwortung, die ihm, dem einzigen Sohn, nach dem Tod des Vaters in der Erledigung der Familienangelegenheiten zugefallen war, war er sich trotz seiner Jugend mit vollem Ernst bewußt. Mit besonders ernstem Eifer lag er auch seinen Studien ob. Sofort nach Kriegsbeginn meldete er sich zur Referendarprüfung, die er auch alsbald bestand. Allmanns Eintritt in den K.C. vollzog sich ohne Schwierigkeiten. Durch ältere Schulfreunde war er über die Art unseres Verbandes unterrichtet worden, und da er mit seinen Zielen einverstanden war, trat er ohne längeres Zaudern, das ja unter diesen Umständen nur zwecklose Ziererei gewesen wäre, in die Licaria ein. Nach zweisemestriger Aktivität in München kam er nach Bonn. Daß er dort gar bald der Liebling aller war, ist nach der Charakteristik, die ich von ihm gegeben habe, selbstverständlich. Gewiß hatte auch er seine Eigenarten, und dadurch kam wohl gelegentlich der eine oder andere von uns mit ihm in Konflikt. Aber zu einem ernsten Zwie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.